Neuer EUV-Bringhof: Castrop-Rauxeler sind sauer über angeblich doppelt so hohe Preise

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Die Preise am neuen EUV-Bringhof sind verdoppelt worden, erleben Kunden aus Castrop-Rauxel. Das stimmt nicht, sagen der EUV und Lobbe. Die Preise seien unverändert. Wer hat denn nun Recht?

Castrop-Rauxel

, 14.02.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit dem 2. Januar ist der Bringhof des EUV nicht mehr in Pöppinghausen, sondern in Ickern. Und seit dem ersten Tag gibt es Beschwerden darüber, dass man dort bei Lobbe nun deutlich mehr bezahlen müsse als zuvor bei der AGR.

  • „Haben heute 20 statt 10 Euro bezahlt, wegen umgeklappter Sitze. In Pöppinghausen allerdings genauso immer 10 Euro.“
  • „Wo sind die Preise denn gleich? Habe bei der alten Deponie 10 Euro für einen komplett vollen Touran, also Minivan, bezahlt. Und nicht 20 Euro.“
  • „Krass, das ist pure Abzocke in meinen Augen! Da wundert es mich nicht, dass viele ihren Müll in der Natur entsorgen.“
  • „Beim alten Hof hat das selten jemanden gejuckt. Da waren es pauschal 10 Euro und gut. Wir wurden da nur einmal gewogen und es waren trotzdem 10 Euro.“

So und ähnlich lauten die Kommentare zur aktuellen Situation in der Facebook-Gruppe „Du bist Castroper, wenn“.

„Das ist doch Abzocke“, so ein Frohlinder

Ein Frohlinder hat am Bringhof jetzt die gleiche Erfahrung gemacht und unserer Redaktion am Telefon geschildert: „Ich habe im vergangenen Jahr eine Kombiladung mit umgeklappter Sitzbank nach Pöppinghausen gebracht und 10 Euro bezahlt. Jetzt in Ickern wollte man vergangene Woche auf einmal 20 Euro dafür haben, das ist doch Abzocke. Kürzlich war ich bei meinem Sohn in Köln, da haben wir dafür sogar gar nichts bezahlt. Die sind hier doch selber schuld, wenn die Leute ihren Müll dann lieber neben die B235 oder in den Wald kippen.“

Bei Lobbe und beim Stadtbetrieb EUV kennt man diese Klagen. Willibald Hering, Betriebsstättenleiter von Lobbe am Deininghauser Weg, und seine Leute bekommen das immer wieder direkt zu hören: „Es gibt diese Leute immer, die sich aufregen und meckern müssen. Egal, wie viel sie bezahlen müssen.“ Die Beschwerden über angeblich angehobene Preise erhält Hering auch per Mail. Genau wie der EUV, mit dem man im ständigen Austausch sei.

Der neue EUV-Bringhof auf dem Lobbe-Gelände am Deininghauser Weg ersetzt seit Anfang Januar den alten Recyclinghof in Pöppinghausen.

Der neue EUV-Bringhof auf dem Lobbe-Gelände am Deininghauser Weg ersetzt seit Anfang Januar den alten Recyclinghof in Pöppinghausen. © Thomas Schroeter

Dabei habe sich am Preisgefüge tatsächlich nichts geändert, das sei ja auch gar nicht Sache von Lobbe, sondern werde vom EUV vorgegeben. Und EUV-Chef Michael Werner hatte bei der Vorstellung des neuen Bringhofs im EUV-Verwaltungsrat selber betont, das man nicht an den Preisen schrauben werde: „Der Preis für die typische Kofferraumladung bleibt auch am neuen Standort stabil.“

Paradox: Beide Sichtweisen stimmen

Was stimmt also? Das, was die Castrop-Rauxeler vor Ort erleben oder das, was EUV und Lobbe sagen? Die Antwort ist ungewöhnlich: Beide Sichtweisen stimmen. Wie EUV-Sprecherin Sabine Latterner auf Anfrage erläutert, stimme die Aussage von Michael Werner natürlich. „Bei einer Kombi-Kofferraumladung mit umgeklappter Rückbank handelt es sich allerdings nicht um die typische Kofferraumladung, sondern um eine Ladung mit Mehrmenge auf der Rückbank.“

Im Sinne einer Gleichbehandlung und Gebührengerechtigkeit gebe es eine Staffelung nach Größe des Fahrzeugs oder nach Abfallmenge im Fahrzeug.

Latterner weiter: „Komme ich mit einem größeren Auto, beispielsweise Kombi, Van oder SUV, in dem auch die Rückbank umgeklappt und mit Abfall beladen ist, muss ich 20 Euro bezahlen, da ich mehr Abfall entsorge als ein Bürger, der den Kofferraum beladen hat.“ Hier die Preisliste des EUV für den Bringhof.

Aber, und damit kommen wir zum Knackpunkt der Geschichte: „Die Mitarbeiter des alten Recyclinghofes hatten aus organisatorischen Gründen nicht die Möglichkeit, sich die Fahrzeugladung genauer anzuschauen oder Einblick ins Fahrzeug zu nehmen“, erzählt die EUV-Sprecherin.

Am neuen EUV-Bringhof in Ickern aber erfolgt die Annahme der Abfälle direkt am Fahrzeug. „Und die Abrechnung kann so verursachergerecht eingestuft werden“, erklärt Latterner.

Für Kombifahrer also tatsächlich eine Preiserhöhung, ohne dass eine Preiserhöhung vorgenommen wurde.

Lobbe-Mitarbeiter Thomas Stoerbrauk kennt die Beschwerden einzelner Kunden: „Irgendwer hat immer etwas zu meckern. Aber die ganz große Mehrheit ist hier mit unserem Hof sehr zufrieden.“

Lobbe-Mitarbeiter Thomas Stoerbrauk kennt die Beschwerden einzelner Kunden: „Irgendwer hat immer etwas zu meckern. Aber die ganz große Mehrheit ist hier mit unserem Hof sehr zufrieden.“ © Thomas Schroeter

Thomas Stoerbrauk, den wir am Donnerstag (13.2.) bei Lobbe als Mitarbeiter auf dem EUV-Bringhof antreffen, kennt das Problem. „Wir arbeiten im Auftrag des EUV und versuchen, die Fahrzeuge mit ihrer Abfallmenge genau einzuschätzen. Dabei gibt es immer Leute, die meckern. Die gibt es aber sowieso immer“, weiß er aus langjähriger Erfahrung.

Ausfall müsste auf Gebühr umgelegt werden

Die Frage übrigens, warum die Abgabe am Bringhof nicht komplett kostenlos sei wie in anderen Städten, hatte Michael Werner bereits im November beantwortet: Der Recyclinghof hat bisher rund 350.000 Euro im Jahr erwirtschaftet. Falle das weg, müsse man die Mindereinnahmen auf die Müllgebühren umlegen. „Und dann wird darüber gemeckert“, ist sich Lobbe-Mann Willibald Hering sicher.

Generell ist man in der Lobbe-Niederlassung mit dem Start zufrieden. Hering: „Wir haben im Januar gut 3000 Quittungen geschrieben, also 3000 Anlieferungen gehabt. Und von den meisten Leuten bekommen wir positive Rückmeldungen zum Hof, der ja auch deutlich größer und komfortabler ist als der alte in Pöppinghausen.“

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Hering glaubt zudem, dass sich die Geschichte mit der Zeit auch weiter einspielen werde. „Warten wir noch drei oder vier Monate ab, dann kennen die Leute das, dann hören die Vorwürfe zu den Preisen auch auf.“ Gemecker werde sich an einem solchen Bringhof aber nie völlig vermeiden lassen. „Am Samstag wird sowieso gemeckert, weil da die meisten Leute Zeit haben und alle zu uns kommen. Dann gibt es Schlangen und es wird über die Wartezeit gestöhnt“, so Hering.

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