Fachmann bemängelt Montage der Eichenprozessionsspinner-Fallen

mlzEichenprozessionsspinner

Um nicht wieder so viele Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner zu bekommen, hat die Stadt Castrop-Rauxel Fallen aufgestellt. Ein Fachmann bemängelt allerdings die Montage der Fallen.

Castrop-Rauxel

, 11.05.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Eichenprozessionsspinner (EPS) sind wieder aktiv. Anfang April befestigte die Stadt Castrop-Rauxel insgesamt 20 EPS-Fallen an Eichen, die bereits im letzten Jahr vom Schädlich befallen waren.

„Die Fallen sind viel zu tief am Stamm angebracht“, so die Aussage unseres Lesers Peter Langensiepe. Der gelernte Forstwirt und zertifizierte Baumkontrolleur vertreibt die neuartigen EPS-Fallen. Er bemängelte auch die einwandfreie Montage der Fallen. Das sei auf dem Foto, welches wir in unserem Artikel veröffentlichten, deutlich zu sehen.

Wir haben uns mit den beiden Fachleuten, Peter Langensiepe und Klaus Breuer, Leiter des Bereichs Stadtgrün, zu einem Klärungsgespräch getroffen.

Langensiepe behauptet, dass die Falle zu tief hängt

An einem Baum neben der Wilhelmschule begutachteten Langensiepe, Breuer und Antonius Mertenskötter, Baumspezialist der Stadt, die Montage der Raupenfalle. „Ich bin der Meinung“, so Langensiepe, „dass die Falle viel zu tief angebracht wurde.“ Allerdings räumte er ein, dass der perfekte Sitz an diesem Baum gewährleistet sei. „Wichtig ist es“, so fachsimpelte er, „dass der Schlauch mit dem entsprechenden Dichtungsmittel ohne Lücken an der Borke angebracht werden muss.“

Der Eichenprozessionsspinner legt seine Eier im September im Feinastbereich der Baumkrone ab. Dort entwickelt sich die Brut in den Wintermonaten zu vollständig ausgewachsenen Raupen. Witterungsbedingt und in Wechselwirkung mit dem Blattaustrieb verlassen die Raupen ihre Eier und gehen auf Fresstour.

Jetzt kommt die EPS-Falle zum Einsatz. Bei ihrer Wanderung baumabwärts treffen die Tiere dann auf die Falle und werden in einem Beutel aufgefangen. Der Beutel wird kontrolliert und die verendeten Tiere entsorgt. Die gefährlichen eiweißhaltigen Härchen, die für den Juckreiz auf der menschlichen Haut verantwortlich sind, werden unschädlich gemacht.

Beutel hängen für Menschen unerreichbar an den Bäumen

„Ob der Beutel einen Meter höher oder tiefer hängt, ist für die Sicherheit der Menschen völlig egal“, sagte Breuer zu dem Vorwurf. „Wichtig ist, dass die Falle so hoch angebracht ist, dass sie niemand erreichen kann und dass die Menschen von den Raupenhärchen nicht gefährdet werden. Darauf haben unsere Mitarbeiter selbstverständlich geachtet.“

Breuer wies auf einen Meisenkasten hin, der in der Nähe des Baumes hängt. „Das ist gar nicht gut“, erklärte Langensiepe. Dort, wo EPS-Fallen hängen, sollen keine Meisenkästen angebracht werden.

Auch diesen Vorwurf lässt Breuer nicht gelten. „Der Bacillus thuringiensis, der sich in den Fangbeuteln befindet, ist für Vögel und Menschen völlig harmlos. Nur bei Insekten wirkt er tödlich. Wir haben die Brutkästen beim Berufsbildungszentrum in Dingen gekauft und dann an Schulen und Kindergärten verschenkt. Wir haben den Hinweis gegeben, dass sie nicht in der Nähe von befallenen Bäumen angebracht werden sollen.“

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Der dritte Vorwurf, den Langensiepe vorbrachte: „Die Stadt gibt an, dass die Kosten für eine Baumfalle 50 Euro betragen. Das ist nicht ganz richtig. Denn dieser Betrag gilt für drei bis fünf Jahre. So lange ist die Falle im Einsatz.“

„Das stimmt“, bestätigte Breuer. „Wenn man aber auch noch die Kosten für den Arbeitseinsatz der Mitarbeiter berechne, ist unsere Aussage richtig. Vielleicht habe Langensiepe ja die Vorwürfe geäußert, so mutmaßte Breuer, weil die Stadt verpflichtet sei, für die Beschaffung von Material stets den günstigsten Anbieter zu wählen. Und darum sei die Wahl auf einen anderen Mitbewerber gefallen.

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