Familienleben in Coronazeiten: Der neue Alltag von Castrop-Rauxels Vize-Bürgermeisterin

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Eine 4-Jährige, die die Extra-Familienzeit genießt, eine 16-Jährige, die langsam die historische Dimension von Corona begreift, und eine Mutter, die sich wie eine Hamster-Einkäuferin fühlt.

Schwerin

, 02.04.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Katrin Lasser-Moryson ist stellvertretende Bürgermeisterin, zudem leitet sie das Castrop-Rauxeler Frauenhaus und ist Mutter von zwei Kindern. Da fängt der Kopf schon mal an zu rauchen, wenn „holterdipolter“ Schule und Kindergarten schließen.

Ihr Mann als Gesamtschullehrer muss an seiner Schule in Gelsenkirchen hin und wieder die Notbetreuung übernehmen. Theoretisch könnten die 4-jährige Lilja und die 16-jährige Maybritt auch in ihre Einrichtungen gehen, aber: „Wir wollten sie aus dem System rausziehen“, erklärt Katrin Lasser-Moryson, zum Schutz der Gesellschaft vor dem Coronavirus.

Dennoch muss sie jetzt von Woche zu Woche schauen, wie das Familienleben organisiert wird. Nebenbei gilt es nämlich noch die Mutter von Katrin Lasser-Moryson zu versorgen, die frisch operiert und auf Hilfe angewiesen ist. „Die kann derzeit gar nicht rausgehen, wir übernehmen die Einkäufe.“

Wie erlebt die 16-jährige Maybritt diese Zeit? „Noch ist sie gut gelaunt“, findet ihre Mutter. Maybritt sei sehr selbstständig, erledigt ihre Schulaufgaben und hält sich an die Regeln. Sie geht nicht raus, telefoniert aber „so viel wie nie“ mit ihrer engsten Freundin. Über den Virus informiert habe sie sich hauptsächlich über die Sozialen Medien. „Sie begreift langsam die historische Dimension“, erklärt Katrin Lasser-Moryson. Und sie versteht, warum es so wichtig ist, zu Hause zu bleiben.

Die 16-jährige Maybritt versteht langsam die historische Dimension von Corona.

Die 16-jährige Maybritt versteht langsam die historische Dimension von Corona. © Lasser

An Heiligabend ist Maybritts Uroma gestorben und auch ihr Opa, an dem sie sehr gehangen habe, lebt nicht mehr. Das hat geprägt. Die stellvertretende Bürgermeisterin appelliert an alle: „Passt auf eure Eltern auf, alles ist zerbrechlich und fragil.“

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Derweil versucht sie ihrer Großen viel Aufmerksamkeit zu schenken, Zeit mit ihr zu verbringen oder ihr zum Beispiel mit einer Haarpackung etwas Gutes zu tun. Auch die Kleine genießt jetzt die Aufmerksamkeit ihrer Eltern, buddelt mit ihrem Vater im Garten und hat ein eigenes Blumenbeet zugewiesen bekommen. „Ohne die Krise wären wir das Projekt Hochbeet im Garten wahrscheinlich gar nicht angegangen“, sagt Katrin Lasser-Moryson, die versucht das Positive zu sehen.

Chicken-Nuggets und Käsespätzle

Doch die Arbeit ist mehr geworden. Katrin Lasser-Moryson sagt: „Man muss viel mehr kochen, soll aber nicht so oft einkaufen.“ Manchmal fühlt sie sich wie eine Hamster-Käuferin im Supermarkt, aber eine vierköpfige Familie, die man rund um die Uhr versorgt, braucht eben viel, hinzu kommen die Einkäufe für ihre Mutter. Die Vierjährige liebt Chicken Nuggets und ihr Mann habe sich selbst gemachte Käsespätzle gewünscht.

Katrin Lasser-Moryson ist nicht nur stellvertretende Bürgermeisterin Castrop-Rauxels, sondern auch Leiterin des Frauenhauses und Zweifachmutter.

Katrin Lasser-Moryson ist nicht nur stellvertretende Bürgermeisterin Castrop-Rauxels, sondern auch Leiterin des Frauenhauses und Zweifachmutter. © Lasser

Katrin Lasser-Moryson kocht und organisiert, arbeitet, tröstet und betont: „Wichtig ist, dass man jetzt zusammenhält.“

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