Faustschlag ins Gesicht endete für BVB-Fans mit einem Nachspiel vor Gericht

mlzGericht

Auf dem Weg von einem BVB-Heimspiel zurück nach Castrop-Rauxel ist ein Fan am Bahnsteig niedergeschlagen worden. Jetzt wurde das Urteil gesprochen.

Castrop-Rauxel

, 29.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich hatten die Borussen-Fans am 9. März allen Grund zur Freude. Hatte ihr Club doch den Gegner, VfB Stuttgart, mit 3:1 besiegt. Aber im Sonderzug Richtung Düsseldorf über Castrop-Rauxel war die Stimmung nicht überall gut.

Mehr noch, auf dem Bahnsteig in Castrop-Rauxel wurde ein 31-Jähriger mit einem Faustschlag niedergestreckt. Er ging bewusstlos zu Boden.

Pöbeleien im Zug

Zuvor hatte es im Zug Pöbeleien gegeben, wohl auf beiden Seiten. Der Geschädigte hatte angegeben, sich eingemischt zu haben, als der 49-jährige Angeklagte eine Frau anmachte. Von diesem dann als „Schwuchtel“ tituliert, soll er angedeutete Küsschen in dessen Richtung geschickt haben.

So stellte sich die Situation vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel nach Anhörung etlicher Zeugen dar, einige aus der Gruppe hiesiger Fans, zu denen auch der Angeklagte zählt, der geschädigte Personalberater hatte zwei Arbeitskollegen benannt, die mit ihm den Heimweg angetreten hatten.

Allein, den eigentlichen Vorfall, die Schläge, hatte niemand gesehen. Während die beiden Kollegen des Opfers mit dem Zug weitergefahren waren, bekundeten alle Castrop-Rauxeler BVB-Fans, den Zug vor dem Angeklagten verlassen und nichts bemerkt zu haben.

Opfer suchte Täter selbst

Doch die Verletzungen des 31-Jährigen sprachen eine deutliche Sprache. Nasenprellung und eine schwere Gehirnerschütterung attestierte der Arzt. Das Opfer war den Bahnsteig entlang gewankt und hatte um Hilfe gerufen, so die Zeugen, die die Polizei riefen.

Das Gesicht des Peinigers hatte sich dem Verletzten ins Gedächtnis eingebrannt, wie er aussagte. Und so suchte er in den sozialen Netzwerken, nachdem die Polizei das Verfahren gegen Unbekannt eingestellt hatte.

Er wurde fündig, erkannte den Mann auf dem Foto eines Castroper Fanclubs und ging abermals zur Polizei. Einen Schlag hatte der Angeklagte bei seinem Verhör gegenüber der Kripo zugegeben. Im Gericht war an beiden Verhandlungstagen kein Wort von ihm zu hören. Er ließ allein seinen Anwalt sprechen.


Verteidiger wollte Freispruch

Und der wollte für seinen Mandanten einen Freispruch. Äußerte erhebliche Zweifel. Stellte infrage, dass die Täterschaft seines Mandanten ausreichend bewiesen sei. Unterstellte dem Geschädigten dagegen die Absicht, sich bereichern zu wollen. Denn der hatte angedeutet, in einem Zivilverfahren zusätzlich eine fünfstellige Summe als Verdienstausfall fordern zu wollen.

Dessen ungeachtet hegten sowohl die Staatsanwaltschaft wie auch der Richter keine Zweifel am Hergang. Das Urteil: 10 Monate Freiheitsstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung, ausgesetzt zur Bewährung. Und 1000 Euro Schmerzensgeld für das Opfer.

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