Fleischerei Schmidt: Haufenweise Müll nach Einführung der Bon-Pflicht in Castrop-Rauxel

mlzNeues Gesetz

Kunden der Fleischerei Schmidt in Castrop-Rauxel können ihre eigenen Dosen für den Einkauf mitbringen. Der Umwelt zuliebe. Dann kam die Bon-Pflicht – und der Kassenzettel aus Thermopapier.

Castrop-Rauxel

, 09.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viel wurde in den vergangenen Tagen über die seit Jahresanfang neu eingeführte Bon-Pflicht diskutiert. Bei jedem Kauf, der mit einer elektronischen Registrierkasse registriert wird, muss der Verkäufer dem Kunden einen Bon anbieten. Für jedes Brötchen, für jede Kleinigkeit am Kiosk, für das Fischbrötchen auf dem Markt.

Der Staat will mit dem neuen Gesetz vermeiden, dass Händler Teile ihrer Umsätze an der Steuer vorbei erwirtschaften; Händler und Kunden haben in den vergangenen Tagen die Berge an unnützem Thermopapier kritisiert, die durch die Bons anfallen. Wir haben uns angesehen, wie Castrop-Rauxeler Händler mit der neuen Bon-Pflicht umgehen.

Viel Sondermüll bei 300 bis 400 Kunden pro Tag

Manch einer muss sich an die neue Regelung wohl noch gewöhnen. Im Imbiss an der Ecke bekommen wir für unseren Mittagsimbiss zum Mitnehmen schon mal keinen Bon angeboten.

Bei der Fleischerei Schmidt am Markt dagegen landet der Bon gleich mit in der Tüte des Kunden. Hier werden bei jedem Einkauf sogar zwei Bons gedruckt, weil die Waage einen ausstellt und die Kasse auch einen, der die Mehrwertsteuer ausweist, erklärt Filialleiterin Jutta Holz.

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„Wir kleinen Betriebe haben gar nicht die Chance, ein Brötchen am Finanzamt vorbei zu verkaufen“, sagt Jutta Holz. Zum Ermitteln des Preises werden die Fleischwaren gewogen. Diese Umsätze werden in der Registrierkasse gespeichert. Der Betrieb müsse die eingetippten Umsätze dann zehn Jahre speichern. Außerdem müsse das Finanzamt jederzeit die Umsätze auslesen können, sagt Jutta Holz.

Den zweiten Bon aus der Kasse wollen die meisten Kunden nicht haben. Den schmeißen die Mitarbeiter dann weg, sagt Jutta Holz. Bei 300 bis 400 Kunden in der Filiale am Markt pro Tag komme da ganz schön viel Sondermüll zusammen. Denn das Thermopapier darf nicht über den Papiermüll entsorgt werden.

Dabei bemüht sich Schmidt am Markt, etwas für die Umwelt zu tun. Ein Schild im Laden weist die Kunden darauf hin, dass sie zum Einkauf die Dosen von zu Hause mitbringen können, um Plastikmüll zu sparen. „Das werden auch immer mehr Kunden, die das nutzen“, sagt Jutta Holz.

Um wenigstens ein paar Bons einzusparen, will sie Ende des Monats mit dem Hersteller der Kasse reden, ob es technisch möglich ist, den Bon nur noch auf Wunsch auszudrucken, nicht mehr automatisch. Schließlich druckt die Waage ja schon den gesetzlich vorgeschriebenen Zettel aus.

Fleischerei Schmidt: Haufenweise Müll nach Einführung der Bon-Pflicht in Castrop-Rauxel

Ein Fischbrötchen auf die Hand – aber die wenigstens Kunden auf dem Markt möchten auch den Bon mitnehmen. Ausstellen müssen die Händler mit Registierkasse ihn trotzdem. © Jessica Hauck

Wer dem Finanzamt Umsätze verschweigen will, hat dazu noch immer die Möglichkeit. Denn wer keine elektronische Kasse nutzt, muss auch keine anschaffen. Beispielsweise auf dem Wochenmarkt, wo nicht jeder Händler eine Registrierkasse nutzt. Einige sammeln das Geld auch in offenen Kassen oder in Portemonnaies. An diesen Ständen ändert sich mit dem neuen Gesetz nichts.

Die meisten Marktkunden verzichten auf den Bon

Anders bei Tevil‘s Fischwerk, wo Suat Akkus am Dienstag auf dem Markt am Lambertusplatz Fisch verkauft. Eine Registrierkasse hatte der Stand vorher schon, nun sind Akkus und seine Kollegin verpflichtet, jedem Kunden den Bon anzubieten. Daran müssten er und seine Kollegin sich auch noch gewöhnen.

„Das hält von der Arbeit ab, wenn es am Stand sehr voll ist“, sagt Akkus. „Aber es ist ja Pflicht.“ Doch 85 bis 90 Prozent der Kunden wollen den Bon nicht haben, sagt seine Kollegin. Eine große Tonne steht jetzt im Fischstand. Dort landen die unerwünschten Kassenzettel dann.

Doch nicht nur die Bonpflicht war Teil des neue Gesetzes. Auch die Kassen selbst müssen so aufgerüstet werden, dass sie manipulationssicher sind. Bis September müssen die Kassen umgerüstet werden. Die Bonpflicht ist aber schon zum Jahreswechsel in Kraft getreten.

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