Unternehmen suchen Fachkräfte. Oder junge Leute, die sie ausbilden können. Wir stellen drei Menschen vor, die von Lehrern empfohlen werden. Finden sie nichts, weil sie „Asylanten“ sind?

Castrop-Rauxel

, 01.08.2019, 15:49 Uhr / Lesedauer: 4 min

Sie sind Schüler am Berufskolleg Castrop-Rauxel (BKCR). Sie sind extrem engagiert, wie ihre Lehrer ihnen bescheinigen. Sie haben schlechtere Startvoraussetzungen, als so manch anderer Schüler - allein schon, weil sie Deutsch lernen mussten.

Einen Ausbildungsplatz haben die drei jungen geflüchteten Menschen nicht. Liegt es an ihrer Hautfarbe? Oder an komplizierten Bedingungen, die man als Arbeitgeber hat, wenn man Asylbewerber einstellt? Wir stellen drei junge Menschen vom BKCR vor:

Jennifer Osemwengie: Suche Ausbildungsplatz im Gesundheitswesen

Fleißig, willig, unversorgt: Warum finden diese jungen Menschen keinen Ausbildungsplatz?

Jennifer Osemwengie sucht einen Ausbildungsplatz zur Krankenpflegerin oder zu medizinischen Fachangestellten, © Uschi Bläss


Ihre Geschichte in Kurzform:
Ein Jahr war die 24-jährige Jennifer Osemwengie von Benin (Nigeria) nach Deutschland auf der Flucht. An die schlimmen Erlebnisse in dieser Zeit möchte sie nicht mehr erinnert werden. Es war für sie sehr schwierig, die nötigen Ausweispapiere zu bekommen. Jetzt ist sie seit drei Jahren in Deutschland und lernt fleißig Deutsch. Auf dem Berufskolleg hat sie den Hauptschulabschluss nach der 9. Klasse erreicht. Ihre Lieblingsfächer sind Englisch und Religion. Jetzt will sie unbedingt arbeiten und endlich Geld verdienen.

Das sagt ihre Lehrerin Nathalie Franitza-Linek: Jennifer ist im letzten Jahr sehr aufgeblüht. Gerade im Fach Deutsch ist sie sehr motiviert und hat sich spürbar verbessert. Ihre Hausaufgaben vergisst sie nie. Mit Spaß verfolgt sie ihre Ziele.

Ihr Berufswunsch: „Ich wünsche mir eine Ausbildung als Fachkraft für Krankenpflege“, sagt Jennifer Osemwengie. Auch der Beruf als medizinische Fachangestellte sei eine gute Perspektive für die 24-Jährige. In ihrer Heimat wollte sie eigentlich Bankkauffrau werden. „Doch als Frau war das in Nigeria unmöglich“, berichtet sie. Noch dazu stand sie ohne Eltern, nur mit ihrer kleinen Schwester ganz alleine da. „Da hast du keine Chance auf ein menschenwürdiges Leben“, so Jennifer.

Das macht sie sonst so: In ihrer Freizeit singt Jennifer Osemwengie in einem Chor in der Kirche mit. Die Kirche sei für sie sehr wichtig, weil sie dort die Gemeinschaft der anderen genießt, sagt sie.

Kontakt: OsemwengieJenny25@gmail.com

Justine Makoko: Suche Ausbildungsplatz in der Pflege

Fleißig, willig, unversorgt: Warum finden diese jungen Menschen keinen Ausbildungsplatz?

Justine Makoko spricht sehr gut Deutsch und wünscht sich eine Ausbildung in der Kranken- oder Altenpflege. © Uschi Bläss


Ihre Geschichte in Kurzform:
Justine ist 31 Jahre alt. Die junge Frau aus dem Kongo ist seit 2013 in Deutschland. Sie hatte in Kigali (Ruanda) einen Aufenthalt von sechs Monaten. In Casablanca war sie drei Monate. Über Karlsruhe und Hemer landete sie in Castrop-Rauxel. „Während der ganzen Zeit habe ich immer nur Deutsch gelernt“, sagt Justine. Mathe, Englisch und Deutsch hätten ihren Kopf frisch gemacht, erzählt sie. Lernen mache ihr großen Spaß. So könne sie ihre Probleme aus dem Heimatland und von der Flucht vergessen. Auf dem Berufskolleg hat sie den Hauptschulabschluss (9. Klasse) erreicht.

Das sagt ihre Lehrerin Nathalie Franitza-Linek: Justine steht fest im Leben. Außerdem ist sie hochmotoviert. In ihrer Schulklasse ist Justine der ruhende Pol. Sie ruht in sich und ist sehr erwachsen. Ich kann mir Justine sehr gut in der Pflege vorstellen.

Ihr Berufswunsch: „Ich möchte sehr gerne in der Kranken- oder Altenpflege arbeiten“, sagt Justine Makoko. „Ich vermisse Oma und Opa, und es gefällt mir sehr gut, mit alten oder kranken Menschen zu arbeiten.“ Dabei spricht sie aus Erfahrung. Im Rochus-Hospital hat sie ein zweimonatiges Praktikum absolviert. Dort war sie in der Notfallambulanz. Während eines einjährigen Praktikums bei einem Pflegedienst wurde ihr sogar ein Ausbildungsplatz angeboten. Das ging damals aber wegen des Aufenthaltsstatus‘ nicht. Mit den Pflegebedürftigen sei sie sehr respektvoll und professionell umgegangen, heißt es von dort.

Das macht sie sonst so: Ihre Freizeit verbringt Justine zum großen Teil in ihrer Kirchengemeinde. Auch sie singt in einem Chor mit.

Kontakt: helsiemak@gmail.com

Mohammad Louay Edlbi: Suche Ausbildungsplatz im IT-Bereich

Fleißig, willig, unversorgt: Warum finden diese jungen Menschen keinen Ausbildungsplatz?

Mohammad Louay Edlbi sucht nach Abschluss seiner Fachoberschulreife im Bereich Wirtschaft einen Ausbildungsplatz in der Computerbranche. Aber auch der Beruf des Mechatronikers Klima- und für Kältetechnik würde ihm sehr gut gefallen. © Uschi Bläss


Seine Geschichte in Kurzform:
Mohammad ist 22 Jahre alt. Vor dreieinhalb Jahren kam er aus Damaskus (Syrien) nach Deutschland. Über seine Flucht hat er dramatische Erlebnisse zu berichten. Seine Reise war lang. Von der Türkei aus gelangte er mit einem viel zu kleinen Boot nach Griechenland. Von dort aus ging es über Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland. In Ungarn musste er sogar zwei Tage im Gefängnis verbringen, erzählt Mohammad Louay Edlbi. Danach durfte er nach Abgabe seiner Fingerabdrücke weiterreisen. In Castrop-Rauxel hat er zuerst fleißig Deutsch gelernt. Auf dem Berufskolleg hat er seine Fachoberschulreife im Bereich Wirtschaft und Verwaltung absolviert.

Das sagt sein Klassenlehrer Manfred Liedtke: Mohammad ist ein richtig guter Schüler. In den Hauptfächern Englisch, Mathe und Deutsch hat er einen Notendurchschnitt von „befriedigend“ erreicht, in Mathe sogar eine „zwei“. Die Fachlehrer loben Mohammad für seine Zielstrebigkeit und sein freundliches Auftreten. Störungen im Unterricht kommen für Mohammad nicht in Frage. „Ich will hier etwas erreichen“, sagt er selbst.

Sein Berufswunsch: „Mich interessieren vor allem Computer“, so Mohammad. System- und Anwendungsentwicklung oder alles was mit Netzwerken oder überhaupt mit Hard- und Software zu tun hat, wünscht er sich für seine berufliche Zukunft. In Syrien hat er bei einem Freund mitgearbeitet, der eine eigene EDV-Firma besaß. Die zweite Option: „Ich bin auch an einem handwerklichen Beruf interessiert. Am liebsten Mechatroniker für Kälte- und Klimatechnik.“ Dabei habe er sowohl mit Technik als auch mit Computerprogrammen zu tun. Auch der Kontakt zu Kunden oder Arbeiten im Bereich der Physik würden ihm gefallen.

Das macht er sonst so: In seiner Freizeit treibt Mohammad viel Sport. Er geht gerne Schwimmen oder besucht mit Freunden ein Fitnessstudio.

Kontakt: Louaymi110@gmail.com

Gut vier Jahre ist die große Welle nun her, als viele Flüchtlinge nach Castrop-Rauxel kamen. Viele junge Migranten suchten ihr Glück in unserer Stadt. Wir stellen Menschen vor, die ihre Schullaufbahn in Castrop-Rauxel erfolgreich absolviert haben. Jetzt sind sie auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Denn obwohl Arbeitgeber Schwierigkeiten beklagen, gute Auszubildende zu finden, haben es Migranten nach wie vor nicht leicht, einen Ausbildungsplatz zu ergattern. So ergibt sich vielleicht doch noch die Möglichkeit, junge Menschen mit Begeisterung und Ehrgeiz in ein Ausbildungsverhältnis zu vermitteln.

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