Geschäftstreibender verunsichert: Muss er wegen Corona schließen oder nicht?

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Uwe Wortmann ist verunsichert: Muss er nach dem Erlass der Landesregierung sein Fotostudio schließen? Mit dieser Frage ist er nicht allein. Solange der Betrieb auf ist, ist es teuer für ihn.

Castrop

, 16.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem Fotostudio bekommt man keine Dinge des täglichen Bedarfs. So viel steht fest. Uwe Wortmann, Inhaber des Fotostudios Keepsmile an der Ringstraße in Castrop, ist jedoch unsicher, ob er jetzt nach Angaben der NRW-Landesregierung schließen muss oder nicht. Vernünftig wäre es, aber es geht, wie so oft ums Geld.

In dem Erlass heißt es unter anderem: „Damit die Versorgung mit Lebensmitteln, Bargeld, Bekleidung, Medikamenten und Dingen des täglichen Bedarfs sichergestellt ist, bleiben Banken, Einzelhandelsbetriebe, insbesondere für Lebens- und Futtermittel, Apotheken und Drogerien geöffnet.“

„Wenn ich schließen muss, bekomme ich finanzielle Untersützung zugesichert, nicht aber, wenn ich freiwillig schließe“, so der Fotograf, der daran erinnert, dass auch die (Solo-)Selbständigen von Schul- und Kindergarten-Schließungen betroffen sind. Wortmann: „Wir können kein Kurzarbeitergeld beantragen.“

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In der vergangenen Woche war sein Fotostudio noch ziemlich voll. Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Für diese Woche wurden vier Fotoshootings abgesagt. „Die Mütter haben keine Möglichkeit, ihre Kinder unterzubringen“, erklärt Wortmann. So gehen ihm 2000 Euro durch die Lappen.

Für das Wochenende stehen zwei Hochzeiten in seinem Kalender, auf denen er fotografieren sollte. Hinzu komme ein Junggesellenabschied und die gestrichenen Termine für Bewerbungs- und Passbilder. Die Kosten für Gehälter, Mieten, Versicherungen und Leasingverträge laufen aber weiter. „Ich kann meine Mitarbeiter nicht einfach entlassen. Erstens brauche ich die nach der Krise noch und zweitens ist das auch nicht meine Art.“

Uwe Wortmann hat am Montag verzweifelt versucht herauszufinden, ob er schließen muss oder nicht. Er habe sich erst mit Kollegen ausgetauscht, die ebenfalls verunsichert waren, dann habe er beim Ordnungsamt, der Staatskanzlei und beim Gesundheitsamt angerufen. Eine klare Aussage bekam er nicht.

Am Dienstag (17.3.) ist die Situation klarer - für den Moment. Handwerksbetriebe dürften weiter Dienstleistungen erbringen, das hat Uwe Wortmann mittlerweile herausgefunden. „Ich bin in der Handwerkskammer, also darf ich weiter arbeiten“, sagt er. Aber er sagt auch: „Der Kalender leert sich.“

Auch am Mittwoch, nach einem weiteren Erlass der NRW-Landesregierung bleibt es dabei: Wortmann lässt sein Fotostudio geöffnet. „Ich habe mit der Service-Stelle in Castrop-rauxel gesprochen und meine Situation geschildert. Da ich keinen Verkauf habe (also keinen Einzelhandel), gelte ich als Dienstleister und darf weiterhin öffnen – was ich auch machen werde“, so der Fotograf. Es werden sicherlich ruhige Tage, aber er bleibe erstmal gelassen.

Auf Rücklagen zurückgreifen

Was er sich wünschen würde: Dass schnell geklärt werde, welche Hilfen er zu erwarten habe. Im Moment verlange zum Beispiel das Finanzamt weiter seine Umsatzsteuer-Vorauszahlung, man wisse noch nicht, unter welechen Bedingungen die KfW-Bank Darlehen vergebe.

Uwe Wortmann wird erst einmal auf seine Rücklagen zurückgreifen müssen. Ein paar Monate könne er das stemmen, dann werde es knapp. Zu seinem Glück führt er noch eine Webagentur, da könne man gut aus dem Home Office arbeiten und habe so ein zweites Standbein.

„Irgendwie müssen wir da durch“, sagt Wortmann. Wenn sich die Lage beruhigt habe, würden die Kunden wiederkommen. Dann werde wieder geheiratet, gefeiert und man könne auch wieder reisen - und brauche Passbilder.

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