Frau prellt Freier - Dreifacher Mutter droht mehrjährige Haftstrafe

mlzVor Gericht

Die Anklage lautet auf Betrug. Zwei Männer hatten eine 27-Jährige aus Castrop-Rauxel angezeigt, weil die Frau für sexuelle Dienste kassiert hatte, dann aber ohne Gegenleistung verschwand.

Castrop-Rauxel

, 14.12.2019, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine 27-jährige Frau aus Castrop-Rauxel hat versucht, ihre finanziellen Probleme auf spezielle Weise zu lösen: Indem sie Freier um ihr Geld brachte, ohne die angebotenen Sex-Dienste zu leisten. Leidtragende könnten am Ende ihre Kinder sein.

Solch ein Betrug mag in manchen Fällen gut funktionieren, weil überlistete Kunden vielleicht aus Scham den Weg zur Polizei scheuen. Nicht aber die beiden, die jetzt vor dem Castrop-Rauxler Amtsgericht als Zeugen gegen die 27-Jährige aussagten.

Frau verschwand bei erster Gelegenheit

Die Mutter dreier Kinder hatte im Sommer jeweils Vorkasse verlangt, um dann bei einer günstigen Gelegenheit zu verschwinden. „Ich gebe es zu“, sagte die Angeklagte. „Ich habe mich angeboten, wollte aber nicht mit den Kunden schlafen.“

Auf Nachfrage des Richters erklärte die Frau, dass die Kontaktaufnahme für solche Dienste recht einfach sei. Sie funktionierte über das Internet auf einer Plattform ähnlich wie bei Ebay-Kleinanzeigen.

Den 51-Jährigen hatte die Frau bei ihm daheim aufgesucht, nachdem man sich über das Internet-Portal verabredet und einen Preis ausgehandelt hatte: 100 Euro.

Das Geld hatte der Kunde der 27-Jährigen bereits übergeben, als er noch mal kurz ins Bad ging. Eine Chance für die Frau, zu verschwinden. „Als ich das realisierte, bin ich sofort zur Polizei“, sagte der geprellte Kunde im Zeugenstand.

Treffpunkt in der Castrop-Rauxeler Innenstadt

Der zweite Zeuge, der ebenfalls auf dem Internetportal auf die Frau aufmerksam geworden war, kam mit seinem Auto aus einer anderen Stadt in die Castrop-Rauxeler Innenstadt zum vereinbarten Treffpunkt.

„Sie wollte mich an einen ruhigen Ort lotsen“, sagte der 28-Jährige. Auf dem Weg dorthin habe sie an einer Tankstelle gebeten, noch mal anzuhalten. Sie habe die Toilette aufsuchen wollen. Als ihm die Wartezeit zu lang wurde, schaute er sich auf dem Gelände um. Die Frau war verschwunden, mit dem Geld, dass sie in Vorkasse verlangt hatte. Dieses Mal waren es 130 Euro. Auch ihr Handy war abgeschaltet.

Vorkasse sei üblich, informierte dieser Zeuge den Richter. Eigentlich erst am Verrichtungsort, doch er habe sich nichts dabei gedacht, die Summe schon während der Fahrt zu zahlen.

Etliche Vorstrafen und laufende Bewährung

Was die beiden Männer sicher nicht wussten: Die Frau ist keine Unbekannte im Gericht. Hat bereits 15 Vorstrafen, davon einige mit ähnlichem Hintergrund. Außerdem steht sie derzeit unter laufender Bewährung.

„Eine prekäre Situation“, fasste ihr Verteidiger zusammen. Dennoch hoffte sie auf eine erneute Bewährungsstrafe. Am Ende lautete das Urteil aber neun Monate Haft - ohne Bewährung. Diese Strafe könnte sich mit den noch offenen Vorstrafen auf zwei Jahre summieren. Dann müssten die beiden jüngsten Kinder mit ihrer Mutter in das Mutter-Kind-Gefängnis in Fröndenberg umsiedeln. Ein Einspruch gegen das Urteil könnte zumindest einen Aufschub bedeuten.

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