500 Schüler und Unterstützer waren Freitag beim ersten Castrop-Rauxeler „Fridays for Future“-Protest dabei. Die Demonstranten schwänzten fürs Klima die Schule. Mit markigen Sprüchen.

Castrop-Rauxel

, 15.03.2019, 17:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Regen prasselte am Freitagmittag gnadenlos auf die Köpfe der über 500 Schüler und ihrer Unterstützer, die sich mit selbst gebastelten Plakaten und orangenen Warnwesten am Castroper Marktplatz zusammenfanden. Doch die Teilnehmer der ersten „Fridays for Future“-Demonstration Castrop-Rauxels ließen sich davon nicht abschrecken.

Aufregung lag in der Luft, Lilli Meister (18), Mit-Organisatorin, lief nervös durch die Menge und begrüßte hier und da immer wieder neue Teilnehmer. „Ich bin so aufgeregt“, sagte sie. „Das ist so geil. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass so viele Leute kommen.“

Schüler des Adalbert-Stifter-Gymnasiums, der Willy-Brandt-Gesamtschule und des Ernst-Barlach-Gymnasiums liefen mit bunt-bemalten Pappen mit raffinierten Sprüchen auf dem Marktplatz auf, bereit, Richtung Rathaus durch den strömenden Regen zu ziehen. Der tat der Stimmung keinen Abbruch, und als Lilli Meister um 13.30 Uhr alle zum Singen animierte, wurde auch dem letzten der Demonstranten warm.

Video
Fridays for Future: Schülerdemo in Castrop-Rauxel

„Wer nicht hüpft, der ist für Kohle“, proklamierte die Castrop-Rauxelerin durch ihr Megafon, Anspannung und Nervosität längst vergessen. Und die Schüler hüpften los, laut den Slogan wiederholend. Doch dabei blieb es nicht: „Hopp, hopp, hopp, Kohlestopp“ ging es weiter, dann gab es einige Sicherheitshinweise. Denn: Waffen, Alkohol und Drogen lehnen die zwölf Planer der Großdemonstration kategorisch ab.

Schöne neue Welt

Auf einem großen Banner hatte das Orga-Team geschrieben: „FFF C-R“ für „Fridays for Future Castrop-Rauxel“. Und zu dem Beat von „Schöne neue Welt“ von Culcha Candela ging es dann geschlossen durch die Fußgängerzone Richtung Rathaus.

Zuschauer hatte die Demonstration einige, immer wieder blieben Passanten am Straßenrand stehen, um die ausgeklügelten Sprüche zu lesen: „Scheiß auf Kohle, ich bin heiß genug“, „Wir brauchen die Erde, sie uns nicht“, oder auch „Klima ist wie Bier – wenn‘s warm ist, is‘ es scheiße“ hieß es da.

Doch nicht nur Schüler zog es in die Kälte, um ihr Anliegen zum Schutz des Klimas kundzutun. Der wohl jüngste Demonstrant war der kleine Jakob (6), der sich, in seiner gelben Warnweste verpackt, durch den Regen schlug, mit einem Schild in der Hand: „Rettet unsere Erde!“

Hinzu kamen ältere Castrop-Rauxeler. Auch Peter und Beate Friße nahmen an der Demonstration teil. Den Abschluss der Masse bildend, hielten sie begeistert ihre Banner „Wir unterstützen euren Streik – Grandparents for future.“ Die Jugendlichen in ihrem Protestmarsch zu unterstützen, sei keine Frage, sagte Peter Friße. „Unsere Enkelkinder gehen in Herne zur Schule, trotzdem demonstrieren wir hier heute mit. Das ist eine tolle Sache“, bewertete Friße den Einsatz der jungen Generation.

Schweigen fürs Klima

Währenddessen lief Lilli Meister rastlos von der Spitze des Marschs bis zum Ende, und wieder zurück. Auch eine Schweigeminute fürs Klima hielt der Marsch ab. Ohne ein Wort zogen die Schüler am Engelsburgplatz vorbei. Am Rathaus angekommen, gab es dann noch eine Kundgebung. „Wir haben sehr viel Mut zugesprochen bekommen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen sollen, dass es unsere Zukunft ist“, sagte Lilli Meister hinterher.

Das sagen politische (Jugend-)Vertreter

Notburga Henke, Grünen-Politikerin im Stadtrad und Vorsitzende des Umweltausschusses, verfolgte die Demonstration ebenfalls. „Dass die Schüler diese Aktion durchführen, ist so viel mehr wert als ein paar Unterrichtsstunden“, sagte sie. „Vielleicht bekommen die Jugendlichen die Erwachsenen dazu, zu handeln, denn die aktuelle Politik kriegt es einfach nicht hin.“ Vertreter des Kinder- und Jugendparlaments seien für übernächste Woche zur Umweltausschusssitzung eingeladen worden, um über die Demo und ihre Meinung zu berichten.

Auch die Junge Union Castrop-Rauxel meldete sich zu Wort. Dass sich Jugendliche für die wichtigen Themen ihrer Generation einsetzten und dort ein Mitspracherecht forderten, sei großartig, müsse allerdings nicht auf die Kosten der Bildung des einzelnen Schülers stattfinden, so Robin Mainz, Castrop-Rauxeler Vorsitzender der Jungen Union. „Proteste und Demonstrationen können auch gut und gerne außerhalb der Schulzeit abgehalten werden“, so Mainz in einem Statement.

„Das hier ist nicht nur eine Demo“, kommentierte Juso-Chef Daniel Djan, „sondern ein Schulstreik. Bei einem Streik ist es nicht nur wichtig, dass etwas bestreikt wird, sondern dass die Masse mobilisiert wird. Dabei muss nicht jeder bis ins Detail über alles informiert sein.“ Dabei nahm er die Kritik von FDP-Chef Christian Lindner ins Visier. Er selbst habe bei Demos gelernt, „dass es wichtig ist, sich für seine Meinung einzusetzen, wenn man das Gefühl hat, dass etwas nicht so läuft, wie es laufen sollte“. Deswegen finde er wichtig, dass so viele junge Menschen wie möglich mitlaufen. Es handle sich um „Unterricht fürs Leben“.

Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Amtsgericht Castrop-Rauxel

Straftat offenbart traurigen Hintergrund: Warum der Richter bei einer Frau (23) gnädig war