Beim weltweiten Streik für den Klimaschutz sollen alle die Arbeit niederlegen

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Lilli Meister, Sprecherin von Fridays for Future in Castrop-Rauxel, erzählt im Interview, dass die Klimaschutz-Euphorie anhält und wie jeder Castrop-Rauxeler sofort aktiv werden könnte.

Castrop-Rauxel

, 05.06.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Lilli Meister (18), Sprecherin von Fridays for Future in Castrop-Rauxel, ist voller Eifer, wenn es um den Klimaschutz geht. Ihr Vorbild: Greta Thunberg. Und die hat für den 20. September zum weltweiten Streik aufgerufen. Dann sollen nicht nur die Schüler, sondern alle, egal ob Groß oder Klein, Schüler, Arbeitnehmer oder Rentner, auf die Straße gehen und für das Klima demonstrieren. Lilli Meister erzählt über die aktuellen Pläne der Aktionsgruppe in Castrop-Rauxel.

Streik Juristisch wird es kritisch Das deutsche Grundgesetz schreibt in Artikel neun, dass „Vereinigungen zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen“ ausdrücklich und für jedermann und alle Berufe erlaubt sind. Gemeint sind Gewerkschaften, die ihre Forderungen mithilfe von Streiks durchsetzen. Aus dem Streikrecht im Grundgesetz ergibt sich also die rechtliche Grundlage zum Arbeitskampf. Doch Fridays for Future ist keine Gewerkschaft und das Aktionsbündnis kämpft auch nicht für bessere Arbeitsbedingungen sondern für den Klimaschutz. „Normalerweise haben Arbeitnehmer eine Dienstpflicht“, erklärt der Castrop-Rauxeler Rechtsanwalt Jürgen Wischnewski. Wenn man seinen Einsatz nicht mit dem Chef abspreche, könnte es eine Abmahnung geben. Im wiederholten Fall eine Kündigung. Bevor es dazu kommt, gebe es aber noch andere Möglichkeiten. Die Arbeitszeit könne unter Umständen nachgeholt werden, oder „der Arbeitgeber kann mit gutem Beispiel vorangehen und ebenfalls streiken“, so Wischnewski. Es gehe bei Fridays for Future schließlich nicht darum, den Arbeitgeber zu „bestrafen“, sondern sich für eine gute Sache einzusetzen.
Beteiligt ihr euch am weltweiten Streik am 20. September?

Wir haben das noch nicht konkret geplant, weil es noch etwas hin ist, aber wir werden auf jeden Fall mitmachen. Wenn global gestreikt wird, sind wir immer dabei. Ich werde noch einmal mit dem Team darüber sprechen, dass wir auf die Erwachsenen zugehen. Manche unterstützen uns jetzt schon richtig, aber manche sind sehr festgebissen.

Inwiefern könnt ihr auf Betriebe zugehen und zum Streik aufrufen?
Das wird wahrscheinlich schwierig, die Schulen kooperieren ja auch nicht. Wir dürfen nicht in den Schulen für unsere Demos werben, die Schulleiter verbieten das. Die Lehrer dürfen das nur als Exkursion machen, wenn sie es als Unterrichtsthema haben und dann auch nur einmal. Es ist also schon in der Schule schwierig, dann weiß ich nicht, wie das in Betrieben ist. Da müssen wir uns erstmal erkundigen.

Hast du denn das Gefühl, die Euphorie hält an oder stagniert es eher?

Ich finde, die Euphorie hält sich noch super, das überrascht mich. Ich kann nicht einschätzen, wie lange das noch geht. Es melden sich immer wieder neue Leute, die sich in der Orga-Gruppe beteiligen wollen. Bei der ersten Demo waren ja fast 500 Leute und bei den anderen beiden 100 - obwohl eine in den Ferien war. Das zeigt, dass wir nicht nur Schule schwänzen wollen. Viele jüngere Menschen engagieren sich jetzt politisch. Ich persönlich habe mich gar nicht für Politik interessiert, bevor ich zu Fridays for Future gekommen bin.


Gab es nach der Europawahl irgendwelche Reaktionen auf euren Einsatz?

Ganz viele Erwachsene sind auf uns zugekommen und haben gesagt, wie gut das Wahlergebnis für uns ist. Auch Lehrer sind zu mir gekommen und haben gesagt, dass sie es super finden, dass wir im positiven Sinn Schuld daran sind, dass viele Jugendliche anfangen, sich zu engagieren.

Findest du, das Wahlalter sollte gesenkt werden?

Ja, ich bin dafür. Ich bin der Meinung, wenn man genug darüber in der Schule lernt und aufgeklärt wird, weiß man, welche Partei man wählen sollte, um auch in Zukunft noch gut hier leben zu können

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Die Politiker müssen handeln, aber die Menschen doch auch. Was kann jeder Castrop-Rauxeler tun, um sich für den Klimaschutz einzusetzen? Was ist einfach, was ist schwierig, was ist unmöglich?

Es fängt bei Getränkeflaschen an. Meine Trinkflasche ist aus Edelstahl. So eine Trinkflasche oder eine Glasflasche kann sich jeder anschaffen. Auch Plastiktüten kann man vermeiden. Die Stoffbeutel gibt es mittlerweile überall in den Obst- und Gemüseabteilungen.

Wir müssen versuchen, ein Umdenken zu schaffen.
Lilli Meister, Sprecherin FFF
Schwieriger finde ich es bei öffentlichen Verkehrsmitteln. In Castrop müsste der ÖPNV besser ausgebaut werden. Ich wohne in Henrichenburg, am Ende der Stadt. Da fährt irgendwann kein Bus mehr und da muss ich das Auto nehmen. Man müsste das Fahrradfahren attraktiver machen. Wenn die Autos weniger Platz haben, ist es in Castrop-Rauxel schöner Fahrrad zu fahren. Da müssten wir hinkommen. Aus Henrichenburg bleibt es weit, aber ich könnte zum Teil Bus fahren und zum Teil Fahrrad. Es müsste kostenlos sein, sein Fahrrad im Bus mitzunehmen.

Unmöglich ist eigentlich nichts. Wenn man will, schafft man das alles irgendwie. Wir müssen versuchen, ein Umdenken zu schaffen. Die Leute müssen verstehen, dass es wichtig ist, aufs Klima zu achten, wichtig, dass man positiv fürs Klima lebt. Viele sagen, es bringt nichts, wenn ein Einzelner was macht, aber wenn jeder was macht, dann bringt es viel.

Beim weltweiten Streik für den Klimaschutz sollen alle die Arbeit niederlegen

Bis zu den Sommerferien hat das Aktionsbündnis noch fünf Termine im Kalender stehen. © Iris Müller

Wie könnt ihr eure Forderungen in Castrop-Rauxel durchbringen?

Wir sind nur Schüler. Wir wissen nicht, was in der Stadt möglich ist. Wir setzen uns jetzt mit allen Parteien zusammen, um zu schauen, wie die Politiker uns helfen können, was man umsetzen kann und was die Stadt schon macht. Wir können es ja nicht alleine, wir müssen zusammenarbeiten und erstmal wissen, was es für Möglichkeiten gibt. Mit SPD und Grünen haben wir uns schon getroffen, mit der CDU haben wir noch einen Termin.
Wir sind auch offen für alle anderen, weil wir nicht an eine Partei gebunden sind. Wir würden uns jeden anhören. Viele sind jetzt aber erstmal auf uns zugekommen. Wir wollten auch erstmal lernen, was wir noch machen können oder wo noch Potenzial ist. Beim Thema Solarenergie könnte man zum Beispiel noch mehr machen in Castrop-Rauxel, wie wir erfahren haben. So können wir unsere Forderungen auch anpassen.
Wir wollen schon ein bisschen Druck machen, aber wir wollen unsere Forderungen so interessant „verkaufen“, dass wir den Rat überzeugen können. Dass die Politiker denken: „Das können wir in Castrop-Rauxel schaffen und das machen wir.“ Ich sehe da auf jeden Fall die Bereitschaft.

Glaubst du, es werden auch Taten folgen?

Die Gespräche kamen mir schon ziemlich kooperativ vor und ich kann mir gut vorstellen, dass es dazu führen könnte, unsere Forderungen in der Stadt umzusetzen. Zum Beispiel sollte jeder Ratsbeschluss darauf geprüft werden, ob die jeweilige Entscheidung gut für das Klima ist. Und wenn nicht, sollte es nicht gemacht werden.
Wir haben ja auch ein paar kleine Forderungen. Zum Beispiel würden wir gerne hier in Castrop-Rauxel Gemüse anbauen. Wir müssen das so interessant verkaufen, dass die Leute das Gemüse lieber von hier als aus Spanien kaufen wollen. Und die Erstklässler, die Brotdosen geschenkt bekommen, könnten vielleicht auch eine Trinkflasche dazu kriegen, damit die Kinder direkt von Anfang an dabei sind.
Grundsätzlich müssen wir erstmal mit allen sprechen und uns dann zusammensetzen und überlegen, was wir gut fanden, was nicht und was wir uns erhoffen.

Es hört sich auch ein bisschen nach Stress an.
Ich muss ehrlich sagen, es macht mir verdammt viel Spaß.

Die nächsten Aktionen von Fridays for Future in Castrop-Rauxel

  • Freitag, 7. Juni, 18 Uhr im Bogi’s, Leonhardstraße 2. Infoabend zur Demo am 21. Juni in Aachen.
  • Samstag, 15. Juni, ab 17.30 Uhr, Müllsammelaktion im Erin-Park über die Stadt zum Stadtgarten. Dort soll es ein abschließendes Picknick geben. Snacks und Getränke dürfen mitgebracht und/oder gespendet werden, möglichst plastikfrei.
  • Freitag, 21. Juni, 12 Uhr, weltweite Demo am Hauptbahnhof in Aachen. Aus 15 Ländern werden dort dann Menschen für eine bessere Klimapolitik demonstrieren, darunter auch Castrop-Rauxeler. Mit dabei: Culcha Candela und Harald Lesch. Alle, die mitfahren, müssen nur das Bahnticket bezahlen - die Unterkunft wird gestellt.
  • Samstag, 29. Juni, 15 bis 19.30 Uhr, Klimarkt des EUV auf dem Altstadtmarkt. Aktionen und Informationen zum Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit.
  • Freitag, 12. Juli, Fridays-for-Future-Demo in Castrop-Rauxel.
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