Exotischer Garten von Dietmar Goldbeck (59) wirkt wie eine fremde Welt

mlzGartenserie „Querbeet“

Wer durch das Gartentor von Dietmar Goldbeck geht, betritt eine abenteuerliche Welt – mit Palmen, Bananenstauden und seltenen Heilpflanzen. Erstaunlich: Der Garten befindet sich in einer Kleingartenanlage.

Castrop-Rauxel

, 18.07.2020, 05:00 Uhr

Kleingärtner wollte er nie werden. Das erzählt Dietmar Goldbeck und lacht: „Ich habe mich immer gewehrt. All diese Regularien...“. Doch seit 2009 ist er Kleingärtner, wenn auch einer der besonderen Sorte. Denn hinter seinem Gartentor findet der Besucher einen Exotengarten.

Dietmar Goldbeck ist Gärtner aus Leidenschaft. Zum Auftakt einer Serie, in der die Redaktion für ihre Leser Tore zu privaten Gärten öffnet, waren wir bei ihm in der Kleingartenanlage Schellenberg zu Gast. Die Vorurteile, die er einst gegen Kleingärten hatte, sind längst ausgeräumt.

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Im Exotengarten von Dietmar Goldbeck

Und auch die Kleingärtner rundherum akzeptieren ihn – auch wenn bei ihm nichts in Reih und Glied blüht. Im vergangenen Jahr wurde sein Kleingarten zum schönsten der Anlage gewählt, 2017 erhielt er einen Preis für Gartengestaltung vom Bezirksverband. Auch in anderen Parzellen wächst es wild und bunt. Aber so exotisch wie bei dem 59-Jährigen ist es nirgends.

Der Rote Baron hat rotes Fruchtfleisch und bringt 2020 keine Ernte

„Ich habe damals alles gerodet“, erzählt er von den Anfängen. Nur ein Apfelbaum der Sorte „Der rote Baron“, der Früchte trägt, die nicht nur eine rote Schale haben, sondern auch rotes Fruchtfleisch, durfte bleiben. Dieses Jahr wird Goldbeck nicht ernten. Der späte Frost hat alle Blüten vernichtet.

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Im Exotengarten von Dietmar Goldbeck

Einmal um die ganze Welt kommt man in Dietmar Goldbecks Exotengarten. Er gibt einen Einblick in sein 400 Quadratmeter großes Reich, das sich in der Kleingartenanlage "Am Schellenberg" befindet. Vor allem für Palmen begeistert sich der Castrop-Rauxeler.
18.07.2020
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Dietmar Goldbeck ist Kleingärtner der besonderen Art. Wer durch sein Gartentor schreitet, gerät in einen Exotengarten mit Pflanzen aus der ganzen Welt.© Ronny von Wangenheim
Dietmar Goldbeck ist Kleingärtner der besonderen Art. Wer durch sein Gartentor schreitet, gerät in einen Exotengarten mit Pflanzen aus der ganzen Welt. Vor allem liebt er Palmen.© Ronny von Wangenheim
Auch eine Kartoffeltonne gehört in den Garten von Dietmar Goldbeck. In mehreren Schichten hat er Kartoffeln gepflanzt, im Herbst wird die Tonne einfach ausgeleert und geerntet. © Ronny von Wangenheim
Dietmar Goldbeck ist Kleingärtner der besonderen Art. Wer durch sein Gartentor schreitet, gerät in einen Exotengarten mit Pflanzen aus der ganzen Welt.© Ronny von Wangenheim
Die dreiblättrige Zitrone ist kleiner und runder als die Exemplare, die man aus dem Laden kennt. Wenn sie reif ist, ist sie gelb. Neben Marmelade kann man aus ihr auch Zitronat herstellen.© Ronny von Wangenheim
Die brasilianische Guave (Acca) hat geschmackvolle Früchte. Aber auch die weißen Blütenblätter sind süß und lecker.© Ronny von Wangenheim
In einem Beet hat Dietmar Goldbeck Ingwer in verschiedenen Sorten angepflanzt, in der Mitte steht eine Ginseng-Pflanze.© Ronny von Wangenheim
In seinem Versuchsbeet wächst alles, was Dietmar Goldbeck selbst heranzieht oder geschenkt bekommt, auch Lavendel gehört zurzeit dazu.© Ronny von Wangenheim
Sehr spitz sind die Blätter der Yucca-Palmen, weshalb Dietmar Goldbeck die Spitzen, die nah am Weg stehen stutzt.© Ronny von Wangenheim
Die Früchte der großen Hanfpalme sind nicht essbar.© Ronny von Wangenheim
Dietmar Goldbeck ist Kleingärtner der besonderen Art. Wer durch sein Gartentor schreitet, gerät in einen Exotengarten mit Pflanzen aus der ganzen Welt.© Ronny von Wangenheim
Wespen haben am Stamm einer Palme ein Nest gebaut.© Ronny von Wangenheim
Dietmar Goldbeck ist Kleingärtner der besonderen Art. Wer durch sein Gartentor schreitet, gerät in einen Exotengarten mit Pflanzen aus der ganzen Welt.© Ronny von Wangenheim
Dietmar Goldbeck ist Kleingärtner der besonderen Art. Wer durch sein Gartentor schreitet, gerät in einen Exotengarten mit Pflanzen aus der ganzen Welt.© Ronny von Wangenheim
Das Besondere am Heiligen Bambus: Er trägt gleichzeitig rote (und giftige) Früchte und weiße Blüten.© Ronny von Wangenheim
Dietmar Goldbeck ist Kleingärtner der besonderen Art. Wer durch sein Gartentor schreitet, gerät in einen Exotengarten mit Pflanzen aus der ganzen Welt.© Ronny von Wangenheim
Dietmar Goldbeck ist Kleingärtner der besonderen Art. Wer durch sein Gartentor schreitet, gerät in einen Exotengarten mit Pflanzen aus der ganzen Welt.© Ronny von Wangenheim
Dietmar Goldbeck ist Kleingärtner der besonderen Art. Wer durch sein Gartentor schreitet, gerät in einen Exotengarten mit Pflanzen aus der ganzen Welt.© Ronny von Wangenheim
Dietmar Goldbeck ist Kleingärtner der besonderen Art. Wer durch sein Gartentor schreitet, gerät in einen Exotengarten mit Pflanzen aus der ganzen Welt.© Ronny von Wangenheim

In der Nähe steht noch eine Birnenquitte, eine von zehn Pflanzen, die er nach einem Umzug aus seinem Hausgarten in die 400 Quadratmeter große Parzelle mitgebracht hatte. Lange hatte er damals vergeblich nach einem Grundstück für einen Garten gesucht. „Der Schellenberg war meine letzte Hoffnung.“

Während Dietmar Goldbeck durch seinen Garten führt, zeigt er hier auf eine kleine Blüte, dort auf einen Busch, nimmt bei ein paar Kräutern eine Handduftprobe und warnt vor der Yucca-Palme mit ihren gefährlich spitzen Blättern, auch wenn er sie teilweise „entspitzt“ habe.

Ursprünglich habe er den Garten nach Ländern angelegt – Nordamerika, Südamerika, Ostasien, Vorderasien, Mittelmeer –, doch das konnte er nicht durchhalten, so erzählt er. Zu viele Pflanzen finden den Weg in seinen Garten. Rund 100 Exoten sind es, so Goldbeck.

Subtropischer Gürtel um die Welt versammelt sich auf wenigen Quadratmetern

„Ich bin Palmensammler“, sagt Goldbeck über sich. Der subtropische Gürtel rund um die Welt ist in seinem Garten auf Schellenberg in Form von Pflanzen präsent. Sie gedeihen bei ihm gut, trotzen auch kalten Wintern. Kein Wunder: Goldbeck ist gelernter Gärtner, übt den Beruf aber seit Langem nicht mehr aus. Heute ist er in einem Textilgroßhandel tätig. Während der Ausbildung konnte er auch in einem Tropenhaus Erfahrungen sammeln. Das hat seine Vorliebe für Exoten geprägt.

Das Besondere am Heiligen Bambus: Er trägt gleichzeitig rote (und giftige) Früchte und weiße Blüten.

Das Besondere am Heiligen Bambus: Er trägt gleichzeitig rote (und giftige) Früchte und weiße Blüten. © Ronny von Wangenheim

Verschiedene Hanfpalmen stehen in seinem Garten. „Eine kommt in China nur an steilen Marmorklippen vor“, erzählt er. Eine Blaue Wüstenpalme bekommt in jedem Winter ein Regendach, denn Regen kann sie anders als Kälte schlecht vertragen. „Eigentlich kann man sie nicht auspflanzen, aber ich habe sie schon zehn Jahre und sie ist ordentlich gewachsen“, sagt er mit hörbarem Stolz. Die Hanfpalmen auf seiner kleinen Terrasse tragen viele Früchte. Die sind aber nicht essbar.

Die blauen Früchte der Hanfpalme sind nicht essbar.

Die blauen Früchte der Hanfpalme sind nicht essbar. © Ronny von Wangenheim

Wir suchen Traumgärten

  • Die Redaktion der Ruhr Nachrichten möchte gerne für ihre Leser Blicke in Gärten, auf Terrassen oder Balkone werfen, die sonst der Öffentlichkeit verborgen bleiben.
  • Haben Sie ein grünes oder bunt blühendes Paradies? Züchten oder hegen Sie besondere Pflanzen oder Gemüse?
  • Wer seinen Garten vorstellen möchte, wird gebeten, sich per E-Mail an castrop@lensingmedia.de an die Redaktion zu wenden.

Dietmar Goldbeck weist auf einen anderen Baum: „Das ist eine Indianerbanane, auch Pawpaw genannt. Sie kommt aus Nordamerika und kann bis minus 26 Grad überstehen.“ Sie sehe aus wie eine Banane, vereine im Geschmack aber Banane mit Pfirsich und Ananas. Auch verschiedene Ingwersorten und Ginseng wachsen bei ihm, chinesische Datteln (Jujube), Feigen, brasilianische Guaven und die dreiblättrige Zitrone, aus der man auch Zitronat machen kann.

Aus Kräutern mischt sich Dietmar Goldbeck viele verschiedene Tees

Er hat auch anderes Obst, auch so „gewöhnliches“ wie schwarze Johannisbeere. Aus den Maulbeeren hat er im vergangenen Jahr einen leckeren Aufgesetzten gemacht. Auch Marmelade kocht er. „Am liebsten aber mache ich Tee“, erzählt er. Dafür mischt er verschiedene Kräuter, die oft auch eine Heilwirkung haben und die sich an vielen Stellen in seinem Garten finden. In einem kleinen Gewächshaus gedeihen ayurvedische Kräuter.

Die dreiblättrige Zitrone ist klein und rund und wird noch leuchtend gelb, wenn sie reif ist.

Die dreiblättrige Zitrone ist klein und rund und wird noch leuchtend gelb, wenn sie reif ist. © Ronny von Wangenheim

Gerne würde er auch seine Wollemia Nobilis präsentieren. Doch in der Nähe des immergrünen Baumes haben am Stamm einer Palme Wespen ein großes Nest gebaut. Also erzählt er lieber aus der Ferne von diesem Baum, der erst 1995 zufällig von einem Australier in einer Schlucht entdeckt wurde. „Bis dahin gab es von ihm nur viele Millionen Jahre alte Versteinerungen. Die Pflanze galt als ausgestorben.“

Die ersten Sämlinge wurden für eine Million Euro verkauft, erzählt er weiter. Da war er natürlich nicht dabei. Aber inzwischen hat er sich eine 20 Zentimeter hohe Pflanze gekauft. Das war ihm auch 200 Euro wert.

Rasen bietet grade mal Platz für einen Liegestuhl

Das alles macht viel Arbeit. Aber eben auch viel Spaß. „Ich bin jeden zweiten Tag im Garten“, sagt Dietmar Goldbeck, „Schneide- und Pflegearbeiten sind schon viel. Aber Unkraut hat bei mir keine Chance.“ Zum einen stehen die Pflanzen dicht zusammen. Zum anderen mulcht er. „Das hält die Feuchtigkeit und die Mineralien bleiben im Boden“, erklärt er. Dafür verwendet er alles, was er so abschneidet und anschließend durch den Häcksler jagt.

Ach ja, Rasen hat Dietmar Goldbeck auch. „Einen Alibirasen“, nennt er ihn lächelnd. Das Grün bietet genau Platz für einen Liegestuhl. Aber nicht in diesem Sommer. Denn jetzt haben dort Wespen ein weiteres Nest gebaut.

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