Ebay-Betrug als Freundschaftsdienst: Täterin hilft ihrer einzigen Freundin

mlzEbay-Betrug

Gleich 13 Betrugsfälle standen auf der Anklageliste der 25-jährigen Frau. Dabei handelte sie nicht aus Eigennutz. Der Staatsanwalt forderte dennoch eine harte Strafe.

Castrop-Rauxel

, 13.10.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ebay-Betrügereien in 13 Fällen – für Juristen ist das ganz klar ein gewerbsmäßiger Betrug. Eine dreiste Art und Weise, sich regelmäßig ein Zusatzeinkommen zu verschaffen. Genauso wirkte das Geschäftsgebaren einer 25-Jährigen. Sie hatte nahezu monatlich hochwertige Dinge über die Kleinanzeigen-Plattform Ebay verkauft, ohne jemals etwas zu versenden.

Darunter mehrfach eine Playstation, Nintendo-Konsolen, ein Notebook, Smartphones oder auch ein Fahrrad. Die erzielten Erlöse für die nicht vorhandene Ware variierten von 250 bis 900 Euro pro Deal, knapp 4000 Euro insgesamt.

Angesichts dieser Fakten drängt sich die Vision einer abgezockten Person auf, der der finanzielle Verlust der betrogenen Käufer vollkommen egal ist. Doch die junge Frau auf der Anklagebank im Amtsgericht von Castrop-Rauxel ist so ganz anders.

Auf die Fragen des Richters antwortet sie nur zögernd. Sie hat keinen Beruf erlernt, lebt von Hartz IV. Und sagt zu den Vorwürfen schlicht: „Ja, das stimmt, ich habe das einfach gemacht.“

Betrug als Hilfe unter Freunden

Sie hat es gemacht, aber nicht, um sich ein paar Dinge mehr leisten zu können, sondern für andere. Mehrfach wird sie von ihrem Verteidiger ermuntert, doch ein bisschen mehr von sich zu erzählen. Von ihrem Tagesablauf, ihren Gewohnheiten.

Offenkundig wird ein einsames Leben. Der Vater schon lange verstorben, zur Mutter keinen Kontakt, gibt es allein eine Bezugsperson, zu der die junge Frau täglich Kontakt hat. Eine Freundin und deren Familie. Da verbringt sie viel Zeit, hilft bei der Kinderbetreuung. Und nicht nur das. Sie unterstützt die Freundin und deren Partner auch finanziell. Hat, wie sie auf Nachfrage zugibt, rund die Hälfte ihrer Hartz IV-Bezüge regelmäßig weitergegeben.

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Dennoch forderte die Staatsanwaltschaft, basierend auf dem Aspekt der Gewerbsmäßigkeit des Handelns, eine empfindliche Strafe: Zwei Jahre und zwei Monate Haft ohne Bewährung. Der Verteidiger führte dagegen die persönlichen Umstände an wie die schwierige Kindheit und die Einsamkeit im Alltag, bat um ein mildes Urteil.

Richter hält sich an den Verteidiger

Und das gab es auch. Der Richter verhängte eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren, setzte diese aber zur Bewährung aus. Außerdem soll der 25-Jährigen drei Jahre lang ein Bewährungshelfer zur Seite stehen. Mit dessen Hilfe soll die Angeklagte zunächst auch die weitere Auflage des Urteils erfüllen.

Denn sie wurde neben der Bewährungsstrafe zu 200 Sozialstunden verpflichtet, die innerhalb der nächsten vier Monate abzuarbeiten sind. Eine soziale Entscheidung. Eine Chance für die junge Frau, einer Aufgabe nachzugehen, bei der sie zugleich Kontakte knüpfen und der Einsamkeit ein Stück entfliehen kann.

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