Gewaltschutzgesetz ignoriert: Sohn kam Mutter zu nah

600 Euro Geldstraße

Die Mutter hat eine „Bannmeile“ um sich gezogen. Ihr 48-jähriger Sohn darf ihr laut gerichtlicher Verfügung nicht näher als 20 Meter kommen. Weil er das im April ignoriert hat, erstattete die 68-Jährige Anzeige. Vor dem Strafrichter kamen sich die beiden jetzt näher als die Verfügung erlaubt. Aber das waren ja andere Umstände.

CASTROP-RAUXEL

von Von Gabriele Regener

, 17.10.2011, 12:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zunächst war nur seine Freundin und Mutter des gemeinsamen kleinen Sohns in die Gaststätte gegangen. Sie wollte, so die 29-Jährige im Zeugenstand, endlich wissen, warum man vom Enkelkind nichts wissen wolle. „Das ist nicht unser Enkel“, soll der Lebensgefährte barsch beschieden haben. Daraufhin habe der Sohn das Gespräch gesucht. Ein Gespräch, das kurz, aber laut gewesen sein soll und – wieder – mit einer Drohung endete, so Augen- und Ohrenzeugen wie Mutter, der Lebensgefährte, Wirtin und der jüngere Bruder des Angeklagten. Der 27-Jährige fühlte sich im Zeugenstand sichtlich unwohl. „Wir wissen doch alle, dass mein Bruder ein Hitzkopf ist, was der sagt, das meint er doch gar nicht so“, erklärte er die Mentalität des großen Bruders. „Auch mit mir ist er so, doch nach einer Minute ist schon alles wieder ok. Er hat ein gutes Herz.“

Auch die Freundin wollte ihrem Partner wohl Gutes tun, indem sie vehement behauptete, vor dem Gaststättenbesuch weder dort noch bei der Mutter daheim angerufen zu haben um zu erfahren, wo sich die Frau aufhält. Das belegte aber das Display des Telefonanschlusses, zum anderen gab es für das Telefonat mit der Mutter in der Gaststätte mehrere Zeugen. Die Konfrontation war daher wohl geplant, doch der Verlauf wurde, so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer, auch von der Impulsivität des Angeklagten beeinflusst, weshalb Beleidigungen „entfleucht“ seien. Fakt bliebe aber, dass er gegen das Gewaltschutzgesetz verstoßen habe und derzeit unter laufender Bewährung stehe. Das Urteil: 600 Euro Geldstrafe. Der Freundin wurde wegen bewusster Falschaussage Post von der Staatsanwaltschaft angekündigt.

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