Großnotunterkunft doch nicht "menschenunwürdig"

Evangelische Kirche relativiert Kritik

Die Evangelische Kirche im Kirchenkreis Herne hatte die Großnotunterkunft für Flüchtlinge an der Habinghorster Straße als „menschenunwürdig“ bezeichnet. Jetzt hat sie diese Formulierung wieder zurückgezogen und begründet, wie es zu der Einschätzung kommen konnte.

Castrop-Rauxel

, 11.01.2016, 19:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Beim Ortstermin in der Zeltstadt (v. l.): Michael Vaupel (Rotes Kreuz), Dorothee Feller (stv. Regierungspräsidentin), Pfarrer Martin Domke, Superintendent Reiner Rimkus, MdL Eva Steininger-Bludau und Bürgermeister Rajko Kravanja.

Beim Ortstermin in der Zeltstadt (v. l.): Michael Vaupel (Rotes Kreuz), Dorothee Feller (stv. Regierungspräsidentin), Pfarrer Martin Domke, Superintendent Reiner Rimkus, MdL Eva Steininger-Bludau und Bürgermeister Rajko Kravanja.

Nach einer gemeinsamen Begehung der Einrichtung am Montag sagte Superintendent Reiner Rimkus, man sei damals von einer durchschnittlichen Belegungszeit von zwei bis drei Monaten ausgegangen. Schon damals war diese Information allerdings bereits überholt und haben zu einer falschen Bewertung der Lebensumstände in der Notunterkunft geführt. Dies gelte auch im Hinblick auf den Begriff „zusammenpferchen“ sowie den Vergleich mit der Hundehaltung. Diese Bedenken würden jetzt nicht mehr gelten. 

Bemühungen, den Konflikt zu deeskalieren

„Im Hinblick auf einen Aufenthalt von zwei bis drei Wochen ist das hier akzeptabel“, erklärte Rimkus am Montag. Förmlich entschuldigten sich jedoch weder er, noch der Leiter des Eine-Welt-Zentrums, Pfarrer Martin Domke. Letzterer war im Gegensatz zu Rimkus immerhin bei der öffentlichen Begehung am 11. Dezember vor Ort. „Ich wollte niemanden ärgern“, ließ Rimkus lediglich vernehmen.

Die stellvertretenden Regierungspräsidentin Dorothee Feller, der für die Organisation verantwortliche Chef des Roten Kreuzes, Michael Vaupel und Bürgermeister Rajko Kravanja waren sichtlich bemüht, den Konflikt zu deeskalieren. Kravanja räumte ein, dass der Tag der Besichtigung zu früh angesetzt worden sei und das zu diesem Zeitpunkt noch völlig verschlammte Gelände sowie unfertige und unbeheizte Unterkünfte den negativen Eindruck verstärkt hätten. Darüber hinaus gelte es jetzt, den Blick stärker in die Zukunft zu richten, auf die Integration der Menschen in Kindergärten, Schulen und Gesellschaft. 

Langfristig vernünftige Unterbringung

In dieselbe Kerbe hieb auch die Vize-Regierungspräsidentin. Das Land habe es im Gegensatz zu anderen Bundesländern in einer Kraftanstrengung geschafft, jedem Flüchtling ein Dach über dem Kopf und eine Schlafstätte einzurichten, sagte sie. Nun gelte es, die Menschen dauerhaft vernünftig unterzubringen und in Lohn und Brot zu bringen. Gleichzeitig lobte sie das große Engagement der freiwilligen Helfer.

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Auch DRK-Chef Michael Vaupel, der seinerzeit sehr heftig reagiert hatte, gab sich gestern konziliant gegenüber der Kirchenkritik. Er verglich den Brief mit einer Gewerkschaftsforderung: „Die fordern auch zehn Prozent, um anschließend drei Prozent zu kriegen.“ Man sei mittlerweile in guten Gesprächen, sagte er.

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