Notburga Henke bei der Ratssitzung im Kreise ihrer Kollegen. Alle tragen Maske, außer die Umweltausschuss-Vorsitzenden der Grünen, die im direkten Gespräch immerhin den Mund mit ihrem Halstuch bedeckte. © privat
Stadtrat

Grüne Ratsfrau unter Druck: Rücktrittsforderung nach Masken-Verweigerung

Weil sie bei einer Ratssitzung keine Maske getragen hat, steht eine Ratsfrau der Grünen plötzlich im Fokus der Kommunalpolitik. Im Internet finden sich erste Rücktrittsforderungen.

Mit Rücktrittsforderungen ist das Internet schnell zur Stelle. So auch im Fall der Ratsfrau der Grünen, die bei einer Sitzung am 3.12. in der Europahalle auf das Tragen von effektivem Mund-Nasen-Schutz verzichtet hat.

Zeitweise war Notburga Henke mit, zeitweise aber auch ohne Seidentuch vor Mund und Nase zu beobachten. Gegenüber unserem Reporter äußerte sie explizit ihre Zweifel daran, dass Schutzmasken helfen. Vor dem Coronavirus habe sie keine Angst, sagte sie wörtlich. Nun regt sich großes Unverständnis über ihr Verhalten.

Sabine Papencort schreibt bei Facebook: „Ich bin entsetzt. Abgesehen von der Maskensache, wo ich unsere Politiker, egal welcher Ebene, in der Vorbildpflicht sehe, bekommt das einen ganz anderen Beigeschmack. Die Mitarbeiter*innen der Verwaltung und des Verwaltungsvorstandes müssen während der gesamten Ratssitzung hochkonzentriert sein, damit alles den Regeln entsprechend abläuft. Dann solch ein Desinteresse zu zeigen ist glattweg unverschämt und ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die Ratsarbeit mit Herzblut machen.“

„Tolles Vorbild“

„Sowas kann ich nicht wählen“ ist da auch zu lesen. Und: „Tolles Vorbild für die Schülerinnen und Schüler, sollen diese auch einfach sagen ‚Ich halt nichts von einer Maske‘ und lassen sie einfach weg?“

Ein anderer User kommentiert kantig: „Abgesehen von dem fehlenden Mundschutz ist es unmöglich, dass sie während der Ratssitzung strickt und sich das auch noch bezahlen lässt. Mehr Desinteresse kann man nicht mehr zeigen. Vielleicht sollte sie, anstatt vorzugeben, sich politisch zu engagieren, lieber einen Strickkursus aufsuchen.“

Guido Baumann, politisch besonders interessierter Castrop-Rauxeler, kommentiert mit klarem Appell: „Untragbar, insbesondere für eine Rot-Grüne Koalition.

Das mindeste wäre ein Rücktritt als Ratsfrau.“

Dabei ist eines allerdings nicht ganz klar: Durfte eine Maskenpflicht als allgemein bekannt gelten? Auf Anfrage unserer Redaktion zweifelt Sitzungsleiter Rajko Kravanja am Freitag (11.12.) daran, ob die Regelung klar kommuniziert war. „Mir ist da ein Fehler passiert, in der Tat“, sagt der Bürgermeister auf Anfrage unserer Redaktion.

Kravanja ist sich unsicher

Er meine, dass er zu Beginn der Sitzung gesagt habe, es bestehe „keine Maskenpflicht am Platz, aber er würde darum bitten, die Maske die ganze Zeit über zu tragen“. „Das war, wenn ich es gesagt habe, falsch“, so Kravanja nun. Denn laut geltender Verordnung ist es anders, und das habe man vor der vorletzten Ratssitzung den Fraktionen schriftlich mitgeteilt.

Nämlich, dass die Maske durchgängig am Platz zu tragen sei. „Wir hatten damals sogar im Innenministerium nachgefragt, was passiert, wenn jemand dem nicht Folge leistet.“

Letztlich habe er Notburga Henke von der Bühne aus nicht wahrgenommen. Von dort aus blickte der Verwaltungsvorstand in die Gesichter der Ratsmitglieder, allerdings aus einiger Entfernung. „Hätte ich es gesehen, hätte ich es ihr sicher gesagt“, so Kravanja heute. „Ich hätte sie mindestens ermahnt.“

Konsequenzen könne es aufgrund seiner möglicherweise getätigten Ansage jedenfalls keine geben. „Das ist die logische Konsequenz“, so Kravanja. Die im Stadtrat übliche Tonaufnahme sei leider erst hinterher gestartet worden. Und seine Verwaltungskollegen wüssten seinen Wortlaut auch nicht mehr. Auf Henkes Verhalten habe ihn in der Sitzung niemand aufmerksam gemacht.

Kravanja spricht von Vorbildfunktion

Grundsätzlich halte er aber einen Punkt für zentral: „Ratsmitglieder haben eine Vorbildfunktion. Sie sollten die Maskenpflicht nicht infrage stellen.“ Sanktioniert wird dieser Fauxpas nicht. Notburga Henke sagte zu, künftig zum Schutze ihrer Ratskollegen Maske zu tragen. „Versprochen!“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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