Grundschulstart am 15. Juni: Extrem hoher Aufwand für die Schulleiter

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Der Schulbetrieb soll in den Grundschulen in Castrop-Rauxel am 15. Juni wieder aufgenommen werden. Neu ist: für alle Schüler. Die Planung stellt die Schulen vor große Herausforderungen.

von Nora Varga

Castrop-Rauxel

, 05.06.2020, 17:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Früh morgens kommt eine Nachricht des Lehrers oder der Lehrerin. Für viele Eltern in NRW beginnt dann der tägliche Kampf mit ihren Kindern. Seit Mitte März werden sie nun schon so unterrichtet. Wichtige Aspekte des Schullebens, wie das Miteinander der Schüler, der Unterricht in der Klasse und Hilfen für förderbedürftige Kinder, fallen seither weg.

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Ab dem 15. Juni soll es nun wieder losgehen. Das hat die Landesregierung am Freitag (5.6.) verkündet. Die Grundschüler in NRW sollen jeden Tag in die Schule gehen, bis die Sommerferien beginnen. Das bedeutet, dass innerhalb einer Lerngruppe kaum mehr alle Abstände einzuhalten sind. Trotzdem gelten auf den Fluren, beim Betreten des Gebäudes und in den Sanitäranlagen weiterhin spezielle Hygienemaßnahmen. Aber was sagen am Tag der Verkündung die Schulleiter aus Castrop-Rauxel?

Nach den Sommerferien ist mehr klar

Viele halten sich noch bedeckt, denn die Nachricht ist auch für sie noch zu frisch. Einige reden offen mit unserer Redaktion. „Ich glaube, dass das der insgesamten Pandemie-Entwicklung in Deutschland entspricht“, sagt Heike Wichmann, Schulleiterin der Erich-Kästner-Grundschule. „Wir müssen gucken, dass wir die Gruppen getrennt halten, damit man das Übertragungsrisiko einschränkt.“

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Nach den zwei Wochen Schule, die noch vor den Ferien anstehen, werde sich dann anhand der Infektionsentwicklung in den Sommerferien zeigen, ob diese Lockerungen so tragbar waren oder nicht. Diese Strategie der Politik vermutet jedenfalls Wichmann hinter dem Plan.

Auch an der Marktschule Ickern muss Schulleiterin Ute Lüdke sich jetzt auf neue Spielregeln einstellen. Sie spricht auf Anfrage unserer Redaktion von einem „extrem hohen organisatorischen Aufwand, das verantwortungsvoll durchzuführen“.

Die Tücke liegt im Detail

Für Ute Lüdke ist klar: „Wie immer bei diesen Mails (des Ministeriums, d. Red.) liegt die Tücke im Detail.“ Ob beispielsweise wieder Sportunterricht erteilt werden darf oder Klassen schwimmen gehen dürfen, sei nicht eindeutig geregelt. Auch die Abschlussfeiern der 4. Klassen werden weiterhin mit Abstand geplant.

Viele Detail sind noch nicht klar, bis die Kinder wieder ausgelassen und ohne Abstände spielen können wird es noch dauern.

Viele Detail sind noch nicht klar, bis die Kinder wieder ausgelassen und ohne Abstände spielen können wird es noch dauern. © picture alliance / dpa

Trotzdem ist für Ute Lüdke und viele andere Lehrer und Schulleitungen der Normalbetrieb viel einfacher zu organisieren als der derzeitige eingeschränkte Betrieb. Auch wenn die Öffentlichkeit das anders wahrnehme. Die Lehrer seien derzeit nicht nur einen Tag in der Woche in der Schule, sondern müssten neben dem Präsenzunterricht in fremden Klassen auch noch den Stoff der Kinder im Homeschooling vorbereiten und begleiten. Der Regelunterricht entlaste die stark belasteten Lehrer also sogar und verbessere zugleich die Versorgung der Kinder.

Regina Kleff, Beigeordnete für Soziales der Stadt Castrop-Rauxel, sagt auf Anfrage unserer Redaktion am Freitagabend: „Es gilt nun, gemeinsam mit den Schulleitungen, die Vorgaben der 23. Schulmail umzusetzen. Hierzu bedarf es erneut einer gut abgestimmten und organisierten Vorgehensweise. Wir werden uns in den kommenden Tagen mit den Schulleitungen besprechen.“ Wieder stehe nur ein verkürzter Vorlauf zur Verfügung. „Aber als Schulträger und als Träger der OGS werden wir alles Notwendige organisieren.“

„Die Notbetreuung endet mit Ablauf des 12. Juni 2020“, heißt es von Seiten des Schulministeriums. Dritte, zum Beispiel Eltern, Vorlese-Paten oder Theaterpädagogen, dürfen die Schulen jedoch weiterhin nicht betreten.

Klar ist: Die Öffnung der Grundschulen stellt Lehrer und Schulleiter in Castrop-Rauxel vor einen hohen planerischen Aufwand. Das kennen sie aber schon aus den vergangenen Wochen. Viele der Schüler und ihre Eltern dürften sich dagegen freuen. Das war auch schon beim Start der ersten Klassen am 7. Mai so.

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