Habinghorsterin will für menschliches Miteinander sorgen

Projekt "Sozialkaufhaus"

CASTROP-RAUXEL Geben und Nehmen ohne an Profit zu denken, helfen, wo Hilfe gebraucht wird - das sind die Grundsätze, nach denen Martina Lippert seit Jahren handelt. Klein angefangen, hat die 44-Jährige inzwischen ein dichtes Netzwerk aufgebaut, das Angebot und Nachfrage für allerlei Hilfen im Alltag koordiniert und vermittelt.

von Von Gabriele Regener

, 01.10.2009, 15:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Martina Lippert sammelt für Hilfsbedürftige.

Martina Lippert sammelt für Hilfsbedürftige.

So wie sie gerade die elektrische Nähmaschine einer Frau zur Reparatur zu einem Mechaniker bringt. Kostenlos selbstverständlich. Ohne dass eine Gegenleistung erwartet wird. „Ich sorge für ein menschliches Miteinander“, beschreibt sie ihre Motivation. In die Situation Hilfebedürftiger kann sie sich nur zu gut versetzen, gehört sie doch selbst dazu. Ist seit der Insolvenz der Firma, bei der sie als Kauffrau für Bürokommunikation gearbeitet hat, arbeitslos, bezieht Hartz IV.

Rund 300 Menschen umfasst ihre Exel-Datei. Menschen, die gern geben und Menschen, die sich viele Dinge nicht einfach kaufen können. Möbel kann Martina Lippert nur annehmen, wenn sie sofort einen Abnehmer kennt, dazu reichen die Lagerkapazitäten nicht. Diese sind vollgestopft mit Bananenkartons. Rund 250, schätzt sie. Und was Außenstehende ein wenig an das Haufenprinzip der Brüder Ludolf im Westerwald erinnert, die einen erfolgreichen Schrotthandel betreiben, hat auch bei Martina Lippert System.

Kleidung, Schuhe, Bettwäsche, Küchenartikel und Geschirr, Bücher, Schallplatten und vieles mehr, alles hat seinen festen Platz. Dazu viele Kartons mit der Aufschrift „Kuriositäten“. Dinge, die man nicht unbedingt im Alltag braucht, die diesen aber durchaus bereichern. Das stetig wachsende Lager, aufgeteilt auf mehrere Standorte, gab schließlich auch den Ausschlag, einen großen neuen Schritt zu wagen.

Martina Lippert wird gemeinsam mit einigen von der Sache überzeugten Freundinnen und Freunden in den nächsten Wochen einen Verein gründen. Will ihr Anliegen, zu helfen, auf professionellere Füße stellen. Ihre Idee: Leerstände füllen. Leere Geschäftsräume nutzen dürfen für kleine Läden, wo dann Gespendetes thematisch sortiert für kleines Geld verkauft werden kann.

„Allein auf der Langen Straße in Habinghorst stehen rund ein Dutzend Geschäfte leer“, sieht die Netzwerkerin Potential. Und sieht in ihrem Projekt „Sozialkaufhaus“ die Möglichkeit, Arbeitslose wieder zu einem kleinen eigenen Einkommen zu verhelfen. Wozu sie schließlich auch selbst gehört.

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