Häftlinge aus der JVA Meisenhof kommen früher frei - vorübergehend

mlzGefängnis

Bestimmte Insassen dürfen nach einem Beschluss des NRW-Justizministeriums das Gefängnis Meisenhof verlassen. Allerdings nicht für immer.

Ickern

, 29.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gerade in Gefängnissen ist es schwierig, eine dauerhafte Distanz zwischen den Insassen und auch dem Personal herzustellen. Daher besteht dort eine höhere Gefahr, dass sich das Coronavirus ausbreitet.

Nach einem Erlass des NRW-Justizministers Peter Biesenbach sollen die Gefängnisse in Nordrhein-Westfalen vorerst alle Häftlinge freilassen, die eine kurze Haftstrafe von bis zu 18 Monaten verbüßen und ohnehin spätestens bis zum 31. Juli 2020 entlassen worden wären.

Die Staatsanwaltschaft hat das letzte Wort, welcher Gefangene entlassen werden kann und welcher nicht. Es kommen nur Häftlinge infrage, von denen keine Gefahr ausgeht und die sich während des Vollzuges gut geführt haben.

90 Männer unterbrechen ihre Haft

Von den rund 500 Insassen der JVA Meisenhof in Ickern betrifft das 90 Männer. JVA-Leiter Julius Wandelt betont: „Es handelt sich nicht um eine Amnestie, wie wir sie aus der Weihnachtszeit kennen; da wird Haftzeit erlassen. Hier geht es nur um einen Aufschub! Bekanntlich ist aufgeschoben nicht aufgehoben, daher kommen die jetzt Herausgelassenen irgendwann wieder.“

Neben den vorläufig Freigelassenen profitiert - vorläufig - auch eine Gruppe von Menschen, die eigentlich dieser Tage ihre Haft antreten müssten. Auch das wird aufgeschoben.

Allerdings könnte das auch negative Folgen für alle Beteiligten haben, falls nämlich nach Ende der Corona-Krise zu viele Menschen gleichzeitig in Haft sollen. „Das würde die Belegungszahlen so hoch steigen lassen, dass wir dann Probleme durch Überbelegung bekommen.“ Mit dem Instrument des Aufschubs müsse man sehr feinfühlig umgehen.

Nach Wandelts Einschätzung ist die Stimmung in der JVA erstaunlich gut. Die meisten Gefangenen hätten Verständnis für die Einschränkungen, weil diese dem Schutz aller dienen würden. „Da sitzen jetzt plötzlich alle in einem Boot: alle die inhaftiert sind und alle die hier Dienst verrichten.“

Zu den Einschränkungen gehört, dass die Häftlinge nur noch zwei Stunden in der Woche raus dürfen und auch nur zum Supermarkt.

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Der Kontakt zu ihren Familien ist unterbrochen, Wochenendausflüge und Übernachtungen außerhalb der JVA sind zu Coronazeiten unterbunden. Besuch ist untersagt. Nur, wer außerhalb des Gefängnisses arbeitet, kann dies weiterhin tun.

Für einige Häftlinge ist das schwierig. „Ich kann keinen Kontakt mehr zu meiner Familie aufnehmen, weil Handys auch verboten sind“, klagt ein Häftling, der seinen Namen nicht nennen möchte und noch in der JVA bleiben muss. Auch eine Beziehung könne man so nicht führen.

Der psychische Druck steige immens. Dass man mit einer Gruppe anderer Häftlinge eine Stunde am Tag in einem Gemeinschaftsraum telefonieren dürfe sei da keine Hilfe. „Da kann man nicht richtig was besprechen.“

Auf Julius Wandelt lässt er aber nichts kommen: „Dem Anstaltsleiter kann ich keinen Vorwurf machen, der ist absolut kooperativ.“ Er habe die Häftlinge sogar gefragt, was für sie am besten sei. Die Antwort wenig überraschend. „Alle raus.“

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Die Hygiene-Regeln seien jedoch nur schwer umzusetzen. Im Kraftraum und der Sporthalle würden sich Häftlinge sammeln, auch beim Essen komme es zu Gruppenbildungen. Ein anderen Häftling erklärt: „Wir teilen uns mit 20 Mann zwei WC und zwei Urinale.“ Es säßen bis zu fünf Insassen in einer Zelle. Auch für ihn ist die Trennung von seiner Familie das Schlimmste: „Das macht die Situation unerträglich.“

Klare Regelungen

Beide Häftlinge betonen, dass die Einschränkungen durch die kurzen Ausgänge und den Kontaktabbruch für sie wichtiger seien als die Angst vor Ansteckung. Sie fordern, mehr Menschen frei zu lassen - vor allem jene, die einer Arbeit nachgehen und eine feste Wohnung haben. Doch das NRW-Justizministerium hat klar geregelt, wer geht und wer bleibt.

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