In den französischen Alpen wollte Henning Feigl am TDM, dem härtesten Etappenrennen der Welt für Zughunde, teilnehmen. Schon vor dem Start kam das Aus. Der Castrop-Rauxeler lief trotzdem.

Castrop-Rauxel

, 23.08.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für jeden Sportler dürfte es eine der schlimmsten Strafen überhaupt sein: Disqualifiziert bevor man überhaupt an den Start gehen darf. Henning Feigl aus Castrop-Rauxel ist genau das passiert.

Nicht, weil er betrogen hätte. Genau genommen ging es dabei noch nicht einmal um ihn selbst, sondern um seine Hunde. Feigl wollte bei der TDM (Throphee des Montagnes), dem härtesten Etappenrennen der Welt für Zughunde, das in den französischen Alpen stattfindet, an den Start gehen.

Härtestes Hunderennen der Welt: Disqualifikation hält Castrop-Rauxeler Team nicht auf

Henning Feigl mit Nox beim Etappenrennen in Oz. © Privat

Die Sportler laufen dabei zusammen mit ihren Hundepartnern. Verbunden sind die Teams über Leinen und Geschirre. Ähnlich dem Hundeschlittensport wird der Läufer von seinem Hund gezogen. Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 30 km/h erreichen die Gespanne auf gerader Strecke im Sprint. Zu Fuß wohlgemerkt.

300 Teilnehmer und Steigungen bis zu 20 Prozent

Bei einem Gebirgsrennen wie der TDM natürlich nicht. „Das waren jetzt sieben bis acht Minuten pro Kilometer, weil es teilweise doch sehr steil bergauf ging“, sagt Feigl dazu im Gespräch mit unserer Redaktion. Also rund 8 km/h.

Immer noch beachtlich. Bedenkt man, dass hier von Steigungen bis zu 20 Prozent die Rede ist oder 700 Höhenmetern auf fünf Kilometer Länge.

Zughundesport

Vollgas auf sechs Beinen

  • Als Sportart ist Canicross, also ein Geländelauf mit angeleintem Hund, aus dem Skijöirng entstanden. Dabei lässt man sich auf Skiern von einem Pferd, Schlittenhunden oder einem Fahrzeug ziehen.
  • Canicross ist besonders in Europa populär. Die erste Weltmeisterschaft im Canicross fand 2002 in Italien statt.
  • Es gibt für die Sportler viele Regeln zu beachten. So gilt für die Leine eine Richtgröße von etwa 1,90 Metern, die Geschirre für die Hunde belasten die Lunge des Hundes nur minimal und es gibt einen Panikhaken, um die Leine schnell lösen zu können.
  • Zum Schutz der Tiere sollen Rennen nicht bei über 18 Grad Celsius stattfinden.
  • Die Höchstgeschwindigkeiten beim Laufen können über 30 km/h betragen.

Bei der diesjährigen TDM gingen Anfang August rund 300 Teilnehmer an den Start. Einer davon hätte Henning Feigl sein sollen. Das Rennen war für den Ickerner allerdings schon vorbei, bevor es überhaupt begonnen hatte.

Vorzeitiges Aus beim Veterinär-Check

Beim Veterinär-Check fielen Feigls Hundepartner Nox und Summer durch. Eine neue Regelung schreibt vor, dass die Tiere eine nasale Impfung gegen Zwingerhusten haben.

„Nox und Summer sind komplett geimpft, wie das in Deutschland auch üblich ist mit der Fünffach Kombi-Impfung“, sagt Feigl. Mit der Zusatzimpfung seien die Tiere eigentlich überimpft. Die werde dennoch immer mehr zur Vorschrift. Besonders international.

„Das letzte Mal vor drei Jahren war das noch nicht vorgeschrieben. Wäre man dem französischen mächtig gewesen, hätte man das aber im Kleingedruckten lesen können“, gesteht Feigl ein.

„Der Arschtritt des Jahres“

„Ich war natürlich komplett am Boden zerstört.“ 1000 Kilometer gefühlt umsonst angereist. Ein harter Schlag. „Eigentlich wäre ich dann wieder nach Hause gefahren“, sagt Feigl. Das wollte seine mit angereiste Lebensgefährtin Inga Buschhaus aber nicht durchgehen lassen.

„Er hat sich über ein halbes Jahr darauf gefreut und vorbereitet“ sagt sie. Letztes Jahr habe er auch schon auf den Start verzichtet. „Ich war im siebten Monat schwanger. Das war uns in den Alpen dann zu gefährlich, das nächste Krankenhaus viel zu weit weg.“

Also verpasste Buschhaus dem Vater des gemeinsamen Sohns Noah „den Arschtritt des Jahres.“ Nach Rücksprache mit den Veranstaltern lief Feigl außerhalb der Wertung mit. Räumte das Feld von hinten auf.

Härtestes Hunderennen der Welt: Disqualifikation hält Castrop-Rauxeler Team nicht auf

Zusammen mit der achtjährigen Summer bei der Etappe in Villard Reculas. © Privat

Tour de France für Zughunde

„Ich hätte überall mitlaufen können. Auch vorne oder in der Mitte. Ich wollte aber Niemandem im Weg stehen.“ Denn die Wege auf der TDM seien oft sehr schmal. 50 Zentimter breit. Rechts steil berg hoch, links steil bergab.

„Die Franzosen laufen da schon härtere Sachen“, sagt Feigl. Den Profis habe er unter diesen Umständen nicht im Weg stehen wollen. Es sei eben die Tour de France im Zughundesport. Also nicht ein Rennen, sondern das Rennen.

Zehn Etappen an neun Tagen an vier unterschiedlichen Orten um etwas genauer zu werden. Eine Etappe wurde nachts gelaufen. Seine Zeit hat Feigl immer selbst gestoppt.

Zur Person

Vom Jogger zum Zughundesport

  • Seit rund fünf Jahren ist Henning Feigl im Zughundesport aktiv
  • In seiner Freizeit trainiert der Krankenpfleger zusammen mit Lebensgefährtin Inga Buschhaus, Summer (Aussie), Nox (europ. Schlittenhund) und Trevor (Aussie) im Hundesportverein HSV Castrop-Rauxel.
  • Da das Laufen mit Zughunden aber eher unter „Canicross“ als den klassischen Turnierhundesport fällt, ist Feigl auch im Verein der Hessenhounds aktiv.
  • Henning Feigl lebt zusammen mit Inga Buschhaus, Sohn Noah und den drei Hunden in Ickern.
  • Die ganze Geschichte zur TDM haben Inga Buschhaus und Henning Feigl auch auf ihrer Facebookseite Trailrox Hundesport dokumentiert.

Trotz angezogener Handbremse: Platzierung im Mittelfeld

„Da das für mich jetzt eher Training war, bin ich natürlich nicht Vollgas gelaufen. Das ging im hinteren Feld auch nicht.“ Abgeschlossen hätte Feigl so etwa auf Platz 150 von 300. Im guten Mittelfeld. „Dafür, dass wir außer Wertung mitgelaufen sind, viele Überholmanöver hatten, war das ganz gut. Und Nox hat sehr viel gelernt.“

Denn für den zweijährigen Mischlingsrüden Nox war es der erste Auftritt bei der TDM. Wobei Mischling es auch nur halb trifft. „Es nennt sich europäischer Schlittenhund“, erklärt Inga Buschhaus. Eine Kombination aus verschiedenen Jagdhunden, mit einem kleinen Husky-Anteil „für die Kopfhärte“, ergänzt Feigl.

Entsprechend viel Power hat das 35 Kilo schwere schwarze Kraftpaket mit 70 Zentimeter Schulterhöhe. Für Feigl mit 90 Kilogramm Kampfgewicht und 1,88 Metern genau das richtige. „Wir haben das jetzt auch mal mit Inga probiert“, sagt er.

„Nach meinem ersten Lauf hatte ich drei bis vier Tage Muskelkater“, muss die 33-Jährige gestehen und lacht.

Etwas routinierter und älter ist Summer. Die achtjährige Australian-Sheppard-Dame war schon vor drei Jahren auf der TDM mit dabei. Sie kann sportlich nicht mehr ganz mit Jungspund Nox mithalten, hat Feigl dafür auf den technisch anspruchsvolleren Strecken begleitet.

Härtestes Hunderennen der Welt: Disqualifikation hält Castrop-Rauxeler Team nicht auf

Bei der Etappe durch Allemont. Kurze Pause für Henning Feigl und Nox fürs Erinnerungsfoto. © Privat

2020 wieder angreifen

Am Ende ist Feigl trotzdem stolz, beim härtesten Zughundrennen der Welt mitgelaufen zu sein. 55 Kilometer und 3500 Höhenmeter haben er, Summer und Nox zusammen bezwungen. Nächstes Jahr möchte er wieder antreten. „Dann mit allen Impfungen und richtig mitmachen.“

Lesen Sie jetzt