Hafthaus 9 einsturzgefährdet: Darum mussten 34 Häftlinge nach Bielefeld verlegt werden

mlzJVA Meisenhof

Aufsehen erregte der Autokonvoi, der sich am Mittwoch in Ickern in Bewegung setzte: Bullis der Justiz, die 34 Gefangene aus der JVA Meisenhof beförderten. Sie kommen vorerst nicht zurück.

Castrop-Rauxel

, 12.09.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Justizvollzugsanstalt Castrop-Rauxel musste schnell reagieren: Am Mittwochnachmittag um 15.30 Uhr gab es den Anruf aus Münster. Eines der Gebäude auf dem Meisenhof-Gelände in Ickern sei einsturzgefährdet. 35 Gefangene müssen verlegt werden.

Kurzes Telefonat mit Nachbar-JVA und eine schnelle Lösung

Julius Wandelt, der die JVA leitet, wusste sich zu helfen: Er griff zum Telefonhörer, rief seine Kollegin aus der Haftanstalt Bielefeld-Senne an, die ebenfalls einen Offenen Strafvollzug leitet, und war nach einer Minute handelseinig, sagte er am Donnerstag gegenüber unserer Redaktion.

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Die JVA Bielefeld schickte drei ihrer Bullis, die JVA Gelsenkirchen packte noch mal ein paar drauf - und am Abend gegen 19.30 Uhr setzte sich ein Autokonvoi nach Ostwestfalen in Bewegung. Vorn ein Lastwagen mit dem Gepäck der Häftlinge, dahinter acht Kleinbusse mit 34 Insassen.

Erste Hinweise auf bauliche Probleme schon Mitte August

Was war der Grund dafür? Schon Mitte August wies Julius Wandelt den zuständigen Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW in Münster darauf hin, dass an Hafthaus 9 erhebliche Schäden in den Außenwänden aufgetreten seien. Risse, die innen und außen zu sehen waren. Die untere Ecke eines der Häuser sei schon schräg und man erkenne auch einen Versatz der Wände.

Hafthaus 9 einsturzgefährdet: Darum mussten 34 Häftlinge nach Bielefeld verlegt werden

Risse im Gebäude auf dem Meisenhof-Gelände: Die Gefangenen können in diesem Haus nicht bleiben. © JVA Meisenhof

„Wir vermuten, dass es sich dabei um Bergschäden handelt“, erklärte Wandelt am Donnerstag im Gespräch mit unserer Redaktion. Jedenfalls habe die Behörde einen Gutachter geschickt und auf Basis des Gutachtens entschieden: Das Gebäude ist nicht mehr sicher, es ist zu brenzlig und muss geräumt werden.

Diese Gefangenen waren im Haus 9 untergebracht

Im Hafthaus 9 sind Gefangene untergebracht, die im Kurzvollzug sind: Sie könnten eine Geldstrafe nicht bezahlen und sitzen darum Ersatzfreiheitsstrafen ab. Das Gebäude ist mit dem Ensemble zusammen in den 1950er-Jahren gebaut worden. Zum Teil leben die Häftlinge in Zimmern mit fünf Betten zusammen.

Hafthaus 9 einsturzgefährdet: Darum mussten 34 Häftlinge nach Bielefeld verlegt werden

Ein Autokonvoi von acht Bullis und einem Lastwagen setzte sich am frühen Abend aus dem Gefängnisgelände in Gang. Es ging nach Bielefeld-Senne. © JVA Meisenhof

Die Räumung kam für alle trotz des Vorwissens plötzlich: „Wir haben die Fahrzeuge organisiert, die Gefangenen haben ihre Sachen in Umzugskartons verpackt - und dann ging es los. Das war für die Gefangenen schon spektakulär“, so Wandelt.

567 Haftplätze hat die JVA Meisenhof eigentlich

35 Insassen von den 567 hier einsitzenden Personen waren eigentlich betroffen. Doch beim Packen fiel einer der Männer aus Unachtsamkeit von der Laderampe des Lasters und verletzte sich schwer am Bein. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt wird er nun intern in ein anderes Haus verlegt, musste also nicht mit den anderen 34 nach Bielefeld fahren.

Nachbarhäuser von Hafthaus 9 seien bisher nicht betroffen, obwohl nur fünf, sechs Meter entfernt das nächste steht, so Wandelt. Der Liegenschaftsbetrieb wird sich die Risse nun genauer ansehen und dann entscheiden, ob saniert oder abgerissen wird. Für das Personal in Ickern oder die Abläufe habe die Sperrung des Gebäudes und die Verlegung keine Auswirkungen.

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