Heerscharen von Vögeln ziehen gen Süden: Waren es Gänse oder Kraniche?

mlzHerbst-Schauspiel

Es war ein Gekrächze und fast wie Luft-Ballett, es war ein Natur-Schauspiel an unserem Himmel: Hunderte Zugvögel flogen am Wochenende über Castrop-Rauxel. Welche Tiere waren es? Wohin fliegen sie?

Castrop-Rauxel

, 09.11.2020, 14:55 Uhr

Es ist ein Naturschauspiel, das man Jahr für Jahr im Herbst und im Frühjahr beobachten kann. An diesem Wochenende (7./8.11.) war es besonders bemerkenswert: Bei herrlicher Herbstsonne überflogen vor allem am Sonntag Tausende Zugvögel Castrop-Rauxel auf dem Weg in Richtung Süden, der Sonne entgegen. Aber welche Tiere sind es?

„Das sind nun definitiv Gänse“, meinte ein Bewohner von Dorf Rauxel, der Sonntagmittag extra in den Garten hinausgekommen war. Von der Amtsstraße aus ließen sich wunderbar mit Blick vom Hang herunter gen Norden der Zug der Vögel beobachten. Ihr Krächzen war nicht zu überhören, ihr Formationsflug in V-Form sah wie Ballett in der Luft aus. Aber stimmt das wirklich: Gänse?

Wir fragten bei Thomas Krämerkämper nach. Der ist im Landesvorstand des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) tätig und beobachtete das Geschehen am Himmel auch interessiert. Er erklärte am Montag: „Das waren Kraniche.“

Traditionelle Kranich-Zugroute

„Wir haben hier eine traditionelle Kranich-Zugroute, die es auch schon seit Jahrhunderten gibt“, so Krämerkämper im Telefonat mit unserer Redaktion. „Sie ziehen hier in einer eng begrenzten Flugstraße her, ohne dass wir genau wissen, warum sie gerade hier verläuft. Man sehe 10.000 bis 15.000 Tiere, die im Herbst vorbeiziehen. Das schwanke allerdings von Jahr zu Jahr und auch der Termin ändere sich.

Auf ihrem Weg aus Nordeuropa nach Südeuropa und Nordafrika machen in diesen Wochen Tausende Kraniche über der Region auf sich aufmerksam. Meist stoppen sie in Niedersachsen (bei Vechta) und ziehen dann weiter übers Ruhrgebiet.

Auf ihrem Weg aus Nordeuropa nach Südeuropa und Nordafrika machen in diesen Wochen Tausende Kraniche über der Region auf sich aufmerksam. Meist stoppen sie in Niedersachsen (bei Vechta) und ziehen dann weiter übers Ruhrgebiet. © dpa

Sie kommen von der Nordsee- und von der baltischen Ostseeküste, vermutlich auch aus Skandinavien, so Krämerkämper. Die Zielgebiete verschöben sich mit den Jahren immer weiter nach Norden. „Sie überwintern in Südeuropa, in Italien und auf der iberischen Halbinsel“, erklärt er.

Kraniche können Tausende Kilometer am Stück schaffen. Manchmal lassen sie sich aber auch zu einer Pause zur Nahrungsaufnahme nieder, um dann ihren Zug fortzusetzen. In Niedersachsen sind sie oft in der Region um Vechta auch am Boden zu sehen.

„Kranefoer“ ist historischer Beleg

Die Zugroute verläuft zwischen dem Dortmund-Ems-Kanal im Westen und dem Ostrand der Stadt Lünen (Trianel-Kohlekraftwerk), also genau übers Waltroper und Castrop-Rauxeler Stadtgebiet. Es gibt auch historische Hinweise, nämlich die Namen einiger Bauernhöfe, die sich auf dieses Phänomen berufen: Kranefoer heißt ein Fleischereibetrieb in Waltrop, der Bauernhof von Antonius Mertenskötter an der Stadtgrenze zwischen Ickern und Waltrop hat ebenfalls den Namen Hof Kranefoer.

Die Kraniche strecken ihre Füße nach hinten. Die Beine sind länger als die der Gänse, sie haben eine größere Spannweite (bis 2,20 Meter) und sind an den gespreizten Federn am Ende ihrer Flügel zu unterschieden von Gänsen. Ihr Ruf ist zudem oft lauter und markanter als der der Gänse.

Die Kraniche strecken ihre Füße nach hinten. Die Beine sind länger als die der Gänse, sie haben eine größere Spannweite (bis 2,20 Meter) und sind an den gespreizten Federn am Ende ihrer Flügel zu unterschieden von Gänsen. Ihr Ruf ist zudem oft lauter und markanter als der der Gänse. © dpa

Aber woran erkennt man nun, welche Tiere da am Himmel ziehen? „Das Flugbild zwischen Gänsen und Kranichen ist verschieden“, so Krämerkämper: „Kraniche sind gestreckter. Man sieht aber auch, wenn sie wie am Wochenende niedriger fliegen, die schwarz-weißen Zeichen unter den Flügeln. Der Ruf der Tiere ist zwar ähnlich, aber doch unterschiedlich.“

So erkennt man die Vögel am Himmel

Grundsätzlich kann man es gut an den Füßen erkennen: Die Beine der Kraniche, die rund zwei Meter Spannweite haben und an den Enden ihrer eher eckig wirkenden Flügel abgespreizte Federn, sind länger und überragen im Flug nach hinten gestreckt die Schwanzspitze. Kraniche gelten mit ihren Rufen („krrrrru“ und „krrrrra“) allgemein als lauter als die quakenden, aber im Flug ruhigeren Gänse.

Ein Kranich auf einem Feld bei Vechta: Hier ist eine Region, in der sie sich kurz niederlassen, etwas fressen und dann weiter ziehen gen Süden.

Ein Kranich auf einem Feld bei Vechta: Hier ist eine Region, in der sie sich kurz niederlassen, etwas fressen und dann weiter ziehen gen Süden. © dpa

Auch eine Gänse-Population zieht es Jahr für Jahr von Norddeutschland und Nordeuropa nach Süden, vor allem die Saatgänse. „Die sieht man auch in Gruppen auf der gleichen Route durchziehen“, so Krämerkämper. Ihre Zugschneise sei breiter. Auch am Niederrhein gebe es größere Kolonien und im Norden an den Teichen in der Heubach-Niederung des Herzogs von Croÿ zwischen Dülmen und Haltern am See, wo Tausende der Tiere leben.

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