Henrike Tönnes lebt in Dorf Rauxel, ist als Sprecherin aber in der gesamten Republik unterwegs. © Andel Goy
Porträt

Henrike Tönnes ist Moderatorin, Sprecherin und bei Bedarf auch Scrooge

Kann eine Frau Scrooge sein, jener bitterböse Alte aus Charles Dickens berühmter Weihnachtsgeschichte? Henrike Tönnes aus Castrop-Rauxel beweist, dass das geht. Und das für den guten Zweck.

Henrike Tönnes ist in Castrop-Rauxel in den vergangenen zwei Jahren von einer großen Unbekannten zu einem Gesicht und einer Stimme geworden, die man kennt, wenn man sich für das gesellschaftliche Leben hier interessiert. Nicht etwa als Charity-Lady oder It-Girl, wie es neudeutsch heißt, sondern als Moderatorin der Jubiläumsveranstaltung zu 50 Jahre Europastadt, des letzten Neujahrsempfangs, aber auch von Facebook-Sprechstunden des Bürgermeisters.

Und diese Henrike Tönnes leiht ihre Stimme nun in einem Adventskalender auf YouTube auch noch jenem Ebenezer Scrooge, der als böser Alter in Charles Dickens Weihnachtsgeschichte eine märchenhafte Wandlung durchmacht. Das fragt man sich schon: Wer ist diese Frau? Wieso taucht sie auf einmal in Castrop-Rauxel auf? Und was soll das mit Scrooge? Und da muss sie auch schon lachen, diese Henrike Tönnes.

„Ich bin ein richtiges Ruhrgebietskind“

„Ich bin ein richtiges Ruhrgebietskind. Geboren in Bochum, aufgewachsen in Wanne-Eickel“, erzählt sie. Und 2014 eben in Castrop-Rauxel gelandet, genauer gesagt in Dorf Rauxel. Mit Mann und inzwischen zwei Kindern.

Henrike Tönnes als Moderatorin bei der Veranstaltung zum 50. Jahrestags des Votums von Castrop-Rauxel für Europa.
Henrike Tönnes als Moderatorin bei der Veranstaltung zum 50. Jahrestags des Votums von Castrop-Rauxel für Europa. © Jennifer Motte © Jennifer Motte

Zwischen Bochum und Wanne-Eickel lagen allerdings ein paar bemerkenswerte Stationen. Neben dem Studium an der nahen Ruhr-Universität (Englisch und Komparatistik) gehörten zu ihrem Lebensweg etwa ein Praktikum an der renommierten Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München und eine Ausbildung an der Christian Rode Sprecherschule in Berlin.

Denn das Sprechen, das Moderieren, das Singen ist Henrike Tönnes Profession. Ob in Hörspielen, in Hörbüchern oder für Computerspiele, ob bei der Produktvorstellung einer Firma oder der Abendveranstaltung einer Organisation, ob in der Cover-Band oder der Jazz-Combo: Wenn es um das gesprochene oder gesungene Wort geht, ist Henrike Tönnes dabei. Und wieso dann Castrop-Rauxel?

„Wieso nicht?“ fragt die 1984 geborene Tönnes zurück. Erstens, weil ihr Mann hier als Lehrer arbeitet, zweitens, weil man hier ein schönes Zuhause gefunden habe und drittens: „Wir haben hier die A42 und die A2: Wo ich arbeiten muss, bin ich von hier aus ganz schnell.“

„Das ist eine fast familiäre Branche“

In ihrer Sprecher-Arbeit ist sie bestens vernetzt. „Das ist eine fast familiäre Branche. Da kennt man sich gut von vielen gemeinsamen Projekten, hat eine gemeinsame Facebook-Gruppe“, erzählt die Frau, auf die das Bürgermeisterbüro von Rajko Kravanja aufmerksam geworden ist, als sei beim Auftaktfest zum Projekt „Bündnis für Demokratie“ vom WDR interviewt wurde. „So kam der Kontakt für die Moderationen hier zustande, zumal ich mich gern ehrenamtlich engagiere“, erinnert sich die zweifache Mutter.

Die Cast der Sprecherinnen und Sprecher, die Dickens Weihnachtserzählung aufgenommen haben. © Voices!2020 © Voices!2020

Seit ihre Kinder etwas größer sind, kann sie sich wieder mehr Zeit für solche Nebentätigkeiten, aber auch für ihren eigentlichen Job nehmen. Dazu gehören auch Dozententätigkeiten an ihrer Alma Mater, der Ruhr-Uni in Bochum, aber auch in Essen. Und da sie sich nebenbei auch noch als Theaterpädagogin hat ausbilden lassen, kann sich Henrike Tönnes über Beschäftigung nicht beklagen.

Von einer ausgesprochen spannenden und zugleich caritativen Beschäftigung können sich jetzt auch alle Castrop-Rauxeler ein Bild und einen Ton machen. „Im Kreis der Sprecherkollegen ist irgendwann die Idee aufgekommen, in dieser Corona-Zeit etwas gemeinsam zu machen, das anderen Menschen hilft“, erzählt Henrike Tönnes.


Dabei heraus gekommen ist unter der Leitung der Initiatorinnen Dorothea Anzinger und Diana Gantner das Projekt „Voices!2020“, in dem sich 18 Kolleginnen und Kollegen aus der Welt der Sprecher, Schauspieler, Synchronsprecher und freischaffenden Künstler zusammengeschlossen haben, um 24 Tage lang Kapitel aus Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte zu lesen, zu erzählen und durch ihre ganz eigene Art zu prägen.

Henrike Tönnes ist in drei Kapiteln dabei

Seit dem 1. Dezember wird nun täglich auf YouTube ein Klangtörchen geöffnet, ist ein Kapitel der berühmten Erzählung zu hören. „Ich bin bei drei Kapiteln dabei, zweimal als Erzählerin und einmal als Scrooge, worüber ich mich sehr gefreut habe“, so die Dorf Rauxelerin.

Mit dem Projekt möchten die Sprecherinnen und Sprecher zwei Organisationen unterstützen. Man sammelt Spenden für die „Coronakünstlerhilfe – Ihre Hilfe, damit Kunst und Kultur leben kann“ und den „LeseLounge e.V.“, einen Verein, der sich um die Leseförderung bei Kindern bemüht. In jedes Video des Adventskalenders werden Spendenbuttons integriert, die sowohl zur Coronakünstlerhilfe als auch zur LeseLounge führen. Die Hörer können so selbst entscheiden, wem und wie viel sie dem jeweiligen Projekt spenden möchten.

„Ich glaube, da haben wir ein tolles Projekt auf die Beine gestellt“, ist sich Henrike Tönnes sicher. Zumal man mit dem Sprecher und Stimmenimmitator Roland Geiger noch jemanden gewinnen konnte, der für „Voices!2020“ in die Haut der verschiedensten Prominenten schlüpft, um täglich mit einer „Was bisher geschah“-Einleitung das neue Kapitel zu eröffnen.

„Wir wollen damit etwas für die Menschen in dieser komischen Zeit tun, etwa, damit man es sich zu Hause doch noch nett machen kann“, so Henrike Tönnes, die sich selbst als Fan der Weihnachtszeit bezeichnet.

Literarischer Adventskalender

  • Die „Voice!2020“ Charity Lesung als literarischer Adventskalender ist seit dem 1. Dezember bis zum Heiligabend im YouTube-Kanal des Ensembles zu finden.
  • Jeden Tag gibt es ein neues Kapitel, aber auch alle alten Kapitel kann man natürlich noch sehen und hören.
Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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