„Radio Ruhrpott - das Ruhrical“: Die Idee von Bernd Böhne für ein neues Musical nimmt weiter Formen an. Inzwischen steht die Besetzung fest. Wir trafen die Crew am Schweriner Hammerkopfturm.

Castrop-Rauxel

, 29.03.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wie viele Karten an den Vorverkaufstellen bisher abgesetzt wurden, will keiner so ganz genau verraten. Nur Bernd Böhne aus Kamen, der Chef, der Ideengeber, der Initiator des Ruhrgebiets-Musicals, lässt sich ein wenig in die Karten schauen, wenn er sagt: „Es läuft gut mit dem Verkauf der Karten.“ Zahlen nennt er nicht, aber scheint doch guter Dinge zu sein, dass die drei Vorstellungen Anfang Mai in der Castrop-Rauxeler Stadthalle gut besucht sein werden. Optioniert, sagt er, habe er dieses Jahr insgesamt 20 Termine. Ob sie kommen, hängt vom Start ab.

Aber wer steckt eigentlich hinter der Crew, die das Musical mit den Songs aus dem und für das Ruhrgebiet auf die Beine stellen soll? „Eine Besonderheit ist“, heißt es in der Ankündigung: „Alle Darsteller, Sänger und Artisten sind Ruhrpott-Originale.“

Der Macher

Da ist zum einen Bernd Böhne selbst. Der Kamener ist selbst Künstler und bekannt in seiner Rolle als Erwin Machulke, dem Hausmeister aus dem Ruhrpott. Er wirkt euphorisch, wenn er von seinen Plänen erzählt, und agiert auch so beim Medientermin am und im und auf dem Hammerkopfturm: Er selbst versucht zunächst, das riesige Banner auf dem Umgang des Hammerkopfes zu lupfen - für das Foto mit dem „Cast“, wie sie die Crew nennen. Das aber geht schief: zu viel Wind, zu wenig Halt, es will einfach nicht richtig runterhängen. Böhne managed alles. Nicht allein, er hat Hilfe. Aber schon in Eigenregie. Er hatte die Idee zu diesem Musical. Und er stellt sie nun auf die Beine. Peter Breuer, Geschäftsführer der Forum GmbH und damit Vermieter der Stadt- und Europahalle, sagt über ihn genau das, was man denkt, wenn man ihn sieht: „Er ist begeistert von seiner Idee. Manchmal muss man ihn vielleicht ein wenig bremsen, aber grundsätzlich ist Begeisterung für ein Projekt ja ein guter Anfang.“ Böhne ist aber nicht nur Macher, sondern auch künstlerischer Leiter.

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Sind Ihre Ruhrical-Pläne übergeschnappt, Herr Böhne?

An der Seite von Böhne arbeitet Michael Mohr im Projekt mit: Er ist selbständiger PR-Berater und regelt die Öffentlichkeitsarbeit. Mohr arbeitet eigentlich in Remscheid, aber ist oft mit Böhne unterwegs. Er lädt zu Presseterminen ein, die bisher auch gut wahrgenommen werden. Es ist vermutlich die Verrückheit und Chuzpe, zu versuchen, ein Musical in Castrop-Rauxel fest etablieren zu wollen und im Zusammenhang mit Bochum und Oberhausen vom „Broadway des Ruhrgebiets“ zu sprechen, die für die Medienaufmerksamkeit sorgt. Mohr unterstützt das mit seiner Arbeit.

Die Crew im Hintergrund

Im Hintergrund, aber bei der Arbeit mit den Sängern und Tänzern ist Choreograf Benjamin Isankunya tätig. Er studiert den Tanz ein und sorgt für die richtige Inszenierung auf der Bühne. Wolfgang Pentinghaus ist der Ton-Ingenieur des Stücks und auch beim Termin am Hammerkopfturm mit dabei. Claudia Pentinghaus macht die Kostüme. Dann ist da noch Sängerin Claudia Stern, die das ganze Team mit ihrer Expertise zum Beispiel beim Casting unterstützte, sowie Bandmitglieder und weitere Mitglieder in der Backstage-Crew. Die musikalische Leitung haben Andreas Döbbe und Michael Meier.

Die Crew auf der Bühne

Wichtiger für die, die am Ende zusehen werden, ist aber die Crew, die auf der Bühne steht - der „Cast“, wie Fachleute sagen.

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Die Crew von "Radio Ruhrpott" stellt sich vor

  • Der schillerndste von ihnen bei der Vorstellung am Hammerkopfturm ist Kevin „O‘Neal“, so sein Künstlername, oder Glasmann, so sein bürgerlicher Nachname. Er ist Dortmunder, 27 Jahre alt und wurde vor fünf Jahren erstmals und später wiederholt Deutscher Beatbox-Meister. Das ZDF nannte ihn mal Aushängeschild seiner Zunft. Beatboxing, das bedeutet: Er macht allein mit dem Mund Geräusche, die wie ein ganzer Song wirken. Seine zwei Kostproben auf Schwerin klingen vielversprechend.
  • Eine Schauspielerin und Sängerin aus Castrop-Rauxel gehört zum Team: Julia Breier aus dem Stadtteil Becklem, 26 Jahre alt, ist über das Casting vor einigen Wochen zum Team gestoßen. Sie gehört dem Ensemble an, singt also mit, und spielt als Ersatz die Hauptrolle Petra, wenn die Erstbesetzung nicht auftreten kann. „Ich glaube“, sagt sie, „dass es ein Erfolg wird, weil es ein Musical für den Ruhrpott noch nicht gab.“ Es werde eine breite Masse ansprechen, weil Musik aus mehreren Jahrzehnten dabei ist - und viele Evergreens von Partys.
  • Die „Petra“ mimt sonst eigentlich Romy-Maria Gülich, gebürtige Dortmundern und heute wohnhaft in Köln. Sie glaubt, dass das Musical erfolgreich wird, weil die Truppe viel Herzblut investiere „und wir einfach eine Super-Truppe sind. Das wird überschwappen.“
  • Markus Psotta (34) „aus dem wunderschönen Bottrop“ (O-Ton Psotta) glaubt, dass Radio Ruhrpott ein Erfolg wird, weil sich jeder damit identifizieren könne - „und wir eine Mega-Sause machen“.
  • Katja Kutz, Sängerin, Schauspielerin und Vocal-Coach aus Dortmund, wird im Musical verschiedene Lieder darbieten: „Blaue Augen“ von Ideal wird wohl dabei sein, ebenso wie „Shilly Shally“ von Fritz Brause - Mega-Stars der 80er-Jahre, wie sie sagt. „Ich glaube, dass es ein Erfolg werden kann, weil wir so etwas noch nicht hatten und viele Leute die Geschichte und dann auch die Musik lieben werden.“
  • Tlako Mokgadi mimt den Radiomoderator Sam Maldock. Er kommt aus Altena im Märkischen Kreis, ist 53 Jahre alt und findet, dass es sich um „ein hervorragendes Stück mit einer Super-Story“ handelt. „Darum wird das ein Straßenfeger!“
  • Karl Hölscher ist der Opa der Crew: Er ist 70 Jahre alt, kommt aus Datteln und spielt im Stück den Vorsitzenden des Kleingartenvereins. Er kennt Bernd Böhne seit zehn Jahren und sagt: „Ich weiß, dass es ein Erfolg wird, weil es so ruhrgebietsmäßig verpackt ist und in Castrop-Rauxel stattfindet - das muss gut werden.“ Er ist Musiker und hat eine Rockband.
  • Roger Leonhard (47) stammt aus Dortmund, spielt die Hauptrolle Ritchie im Stück. Er ist auch ansonsten Teil des Ensembles, das die Musik darbietet, und findet, dass mit dem Stück „ein jeder was anfangen kann“. Leonhard ist ausgebildet in Gesang, Tanz und Schauspiel und hat schon auf verschiedenen Bühnen gestanden - unter anderem mehrere Saisons im Movie Park in Bottrop.
  • Auch Seven-Cent-Frontmann Marc Stahlberg (42) ist als Künstler mit von der Partie. Er interpretiert „Bochum“ von Herbert Grönemeyer und ein Medley der Songs von Helge Schneider.

Das ist die Geschichte

Die Story des Stücks, das im Mai Premiere feiert, ist schnell erzählt: Mit dem Radiomoderator Sam Maldock geht es auf eine Reise im „Radio Ruhrpott“ zurück in die Zeit. Der Zuschauer erlebt die Jahrzehnte musikalisch, modisch und szenisch. Getragen wird das Musical von der Liebesgeschichte zwischen Petra von Bodelschwingh, der Tochter eines Reviersteigers, und dem Bergmann Peter „Ritchie“ Richards. Diesem Ruhrgebiets-Musical sind viel „Maloche und Kumpelmentalität“ beigemischt. Es gibt Songs von Herbert Grönemeyer („Bochum“) über Helge Schneider bis Nena, Künstler aus dem Ruhrpott, die längst nicht nur das Ruhrgebiet begeistern.

Die Aufführungen: Donnerstag, 2. (20 Uhr), Samstag, 4. (20 Uhr) und Sonntag, 5. Mai 2019 (16 Uhr), Stadthalle Castrop-Rauxel, Europaplatz 1. Die Ruhr-Tourismus unterstützt das professionell aufgezogene Projekt.

Tickets: Um 34,90 Euro im Ticketshop der Ruhr Nachrichten in Dortmund, Silberstraße 21, Tel. 0231/90595959, der Dorstener Zeitung und Halterner Zeitung sowie bei Pro Ticket, Tel. 0231/9172290. Auch im Forum-Ticketshop in der Castroper Altstadt gibt es Karten.

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