Hitzige Debatte über Flüchtlinge in Castrop-Rauxel

Bürger und Politiker diskutierten

In einer zum Teil sehr hitzigen Debatte haben sich am Donnerstagabend SPD-Parteichef Rajko Kravanja und Castrop-Rauxels Bürgermeister Johannes Beisenherz den Fragen von Anwohnern der Aapwiesen gestellt. Im Mittelpunkt stand die Unterbringung von 144 Flüchtlingen in der Turnhalle der Janusz-Korczak-Gesamtschule.

CASTROP-RAUXEL

, 24.07.2015, 14:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Turnhalle der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Ickern sind derzeit knapp 150 Flüchtlinge untergebracht. Aus diesem Grund entwickelte sich eine hitzige Debatte zwischen Politikern und Anwohnern.

In der Turnhalle der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Ickern sind derzeit knapp 150 Flüchtlinge untergebracht. Aus diesem Grund entwickelte sich eine hitzige Debatte zwischen Politikern und Anwohnern.

Im mehr als dreistündigen Verlauf am Parkplatz der ehemaligen Grundschule innerhalb des JKG-Komplexes blieben manche Fragen offen und Gräben bei der grundsätzlichen Herangehensweise an die Flüchtlingsproblematik taten sich auf. Gleichwohl, davon zeigte sich Kravanja überzeugt, hätten die Gespräche für größeres Verständnis gesorgt.

Planung: Flüchtlinge sollen nur bis zum Ferienende bleiben

Was die Bürger vor allem umtreibt, sind Sorgen. Sorgen um Sicherheit, Sorgen um Werteverlust ihrer Häuser, Sorgen um die Zukunft der JKG, wenn die letzten Schüler nach dem längst beschlossenen Aus 2017 das Schulgebäude verlassen haben. Beisenherz verdeutlichte noch einmal, dass die Anwohner nicht eher über die Unterbringung der Flüchtlinge hätten informiert werden können, da die Stadt selbst erst Dienstagmorgen erfahren habe, dass sie bis zum Abend desselben Tags 150 Plätze bereitzustellen hatte.

Die Unterbringung an der Waldenburger Straße sei wegen der Legionellenprüfung und der mangelnden Größe anderer Hallen alternativlos gewesen. Die Bezirksregierung hat wissen lassen, dass die Unterbringung bis zum Ende der Schulferien geplant sei. Danach sollen die Flüchtlinge auf andere Kommunen verteilt werden. Eine Aussage, der etliche Bürger keinen Glauben schenken mochten. „In unserer Hand liegt das nicht“, versicherte Beisenherz. Kravanja sprach davon, dass man in der Tat einen Plan B brauche.

Bürger fühlen sich bedroht

„Wenn Sie Probleme haben, sprechen Sie die Polizei an, sie ist sensibilisiert“, appellierte Kravanja, nachdem einzelne Bürger geschildert hatten, dass sie sich bedroht fühlten. Zeitnah soll es der Bürgermeister ermöglichen, dass es ein kleines Fest zum Kennenlernen der Flüchtlinge geben soll.

Wie viele zu den jetzt rund 650 noch nach Castrop-Rauxel kommen könnten, ist eine Frage, die keiner beantworten kann. Wie viele tatsächlich aus Kriegsgebieten kommen und wie viele aus wirtschaftlicher Not, kann auch nicht genau beziffert werden. Den Erfahrungen nach sei das etwa die Hälfte, so Kravanja.

Spendenbereitschaft ist ungebrochen

Bei den Hilfsorganisationen laufen unterdessen die Bemühungen weiter, den Lebensalltag möglichst pannenfrei in den Griff zu kriegen. Die Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung ist ungebrochen. Besonders gefragt sind Babysachen bis Größe 74 und Hygieneartikel. Die Caritas bittet um Spenden auf ihr Hilfskonto, um damit etwa gezielt Windeln einkaufen zu können.

Unterdessen platzt der Lagerraum der Facebook-Gruppe „Refugees welcome to Castrop-Rauxel" aus allen Nähten. Nachdem auch am Freitagvormittag so viele Kleidungsspenden eingegangen sind, gibt es keinen freien Platz mehr. Die Gruppe bittet deshalb mögliche Spender darum, zunächst die Sachen zuhause zu behalten. Die Caritas nimmt hingegen weiter Kleiderspenden an: montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr am Lambertusplatz 16.

Die Facebook-Gruppe hat sich aufgespalten, die neue Gruppe nennt sich „Flüchtlingshilfe Castrop-Rauxel“. Beide Gruppen wollen ihr Engagement für die Flüchtlinge uneingeschränkt aufrecht erhalten.

Spendenkonto
Geldspenden sind auf das Konto der Caritas unter dem Vermerk „Flüchtlingsarbeit“ möglich, IBAN DE 33426501500000813386.

 

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