Die Corona-Krise hat Unternehmen in Castrop-Rauxel unterschiedlich hart getroffen. Einige haben sich bietende Chancen genutzt, andere konnten die Herausforderungen kaum bewältigen. Ein Überblick.

von Nora Varga

Castrop-Rauxel

, 14.06.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einige Unternehmen konnten die langen Schließungen, die die Politik angesichts des grassierenden Coronavirus verordnete, nicht durch Rücklagen und Hilfen auffangen. In Castrop-Rauxel gibt es einige Verlierer der Corona-Krise.

Viele Menschen verzichten dieses Jahr auf Urlaube im Süden.

Viele Menschen verzichten dieses Jahr auf Urlaube im Süden. © dpa

  • Die Verkehrsunternehmen: Castrop-Rauxels Verkehrsunternehmen müssen durch Corona mit Millionen-Verlusten rechnen. Bei gleich bleibenden Kosten und stark gesunkenen Fahrgastzahlen steuern die drei Verkehrsbetriebe Bogestra (Bochum), die Dortmunder DSW21 und die Vestische auf ein großes Minus zu. Die Bogestra hatte im April 80 Prozent weniger Fahrgäste, die DSW21 Verluste von rund 3 Millionen Euro zu verzeichnen. Auch wenn seit Mai wieder mehr Menschen in den Bussen sitzen, ist die Durstrecke noch nicht überwunden.

Die Europa- und Stadthalle in Castrop-Rauxel steht unter enormem Druck.

Die Europa- und Stadthalle in Castrop-Rauxel steht unter enormem Druck. © Tobias Weckenbrock

  • Veranstalter: Die Europa- und Stadthalle steckt durch Corona tief in der Krise. Erhoffte Hilfen des Landes blieben aus. Geschäftsführer Peter Breuer kann noch nicht einmal die Grundkosten abdecken, sagt er. Feste Termine, wie Abiturfeiern, die viel Umsatz bringen, fallen weg. Die Branche steckt in einer Krise, die einige Existenzen fordern könnte. Die Forum GmbH hat einen Vorteil: Sie ist städtisch und verfügt damit über Rückgrat, das freie Unternehmen nicht haben.

  • Kulturbetriebe: Exemplarisch für die Probleme der Kulturlandschaft in Castrop-Rauxel steht das Westfälische Landestheater. Über 100 Vorstellungen mussten in den drei Monaten Stillstand abgesagt werden. Proben waren nicht möglich. Doch das WLT blickt hoffnungsvoll voraus. Erste Veranstaltungen unter freiem Himmel können wieder stattfinden.

  • Handwerk: Kreishandwerksmeister Hans-Joachim Drath sieht unter den Handwerkern in Castrop Rauxel gar keine Gewinner. Die Friseure konnten monatelang nicht öffnen. Die Abnehmer von Bäckereien und Fleischereien wurden nicht beliefert. Diesen Branchen stehen hohe Verluste ins Haus. Das Bauhandwerk wurde durch Vorgaben ausgebremst, Mitarbeiter mussten zum Teil zu Hause bleiben. Hans-Joachim Drath fürchtet zudem die Langzeitfolgen für das Bauhandwerk. „Wer jetzt aus der Kurzarbeit kommt, überlegt sich genau, ob er dieses Jahr den Hausanstrich oder die Heizung machen lässt oder nächstes Jahr“, befürchtet er. Viele Aufträge könnten durch die klammen Klassen der Menschen entfallen. Die Leute würden im Garten eher selbst Hand anlegen, wovon vor allem die Baumärkte und Gartencenter profitieren.

Die Burgerbude "Acht 34" musste schließen, so hat es das Team auf Facebook bekanntgegeben.

Die Burgerbude "Acht 34" musste schließen, so hat es das Team auf Facebook bekanntgegeben. © Thomas Schroeter

Trotz der vielen Herausforderungen, die die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat, man denke an Masken, Abstände und Desinfektionsmittel, haben es einige Unternehmen in Castrop-Rauxel geschafft, in der Krise zu wachsen und jetzt als Gewinner dazustehen.

  • Fahrradläden: Die Castrop-Rauxeler haben in der Krise ihre Liebe zum Fahrrad entdeckt. Dementsprechend haben 2Rad Anderl und Zweirad Schmitz bei ihren Wiedereröffnungen (die Werkstatt konnte sogar geöffnet bleiben) einen Kundenansturm erlebt. Die Nachfrage ging so hoch, dass Reparaturen kaum noch gestemmt werden konnten und die Mitarbeiter quasi rund um die Uhr im Einsatz waren.

Das Team von 2Rad Anderl muss dem neuen Ansturm gerecht werden.

Das Team von 2Rad Anderl muss dem neuen Ansturm gerecht werden. © 2Rad Anderl

Der altmodische Schrebergarten erlebt in der Corona-Zeit eine echte Renaissance. Die Menschen können hier ihren Wohnungen entfliehen und an der frischen Luft sein.

Der altmodische Schrebergarten erlebt in der Corona-Zeit eine echte Renaissance. Die Menschen können hier ihren Wohnungen entfliehen und an der frischen Luft sein. © Stephan Schuetze

Das WLT ist froh, dass Aufführungen zumindest mit Abstand und im Freien wieder gestattet sind.

Das WLT ist froh, dass Aufführungen zumindest mit Abstand und im Freien wieder gestattet sind. © Matthias Langrock

Die Gastronomen in Castrop Rauxel blicken mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die vergangenen Wochen zurück. Einige Küchen konnten Liefer- und Abholservices einrichten und sich so über Wasser halten. Trotzdem mussten viele Restaurants Kurzarbeit anmelden und weiterhin hohe Mieten zahlen.

  • Gastronomie: Das Martins Am Markt 3 lässt sich weder als Verlierer noch als Gewinner bezeichnen. Die Wochen vor dem Lockdown waren für das Restaurant sehr erfolgreich. Der Shutdown hat das Lokal natürlich eingeschränkt, aber der Inhaber schaut optimistisch in die Zukunft, auch wenn man durch die Vorgaben und die Angst der Kunden momentan noch eingeschränkt sei.

Die Coronakrise hat in Castrop-Rauxel Gewinner und Verlierer hervorgebracht. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wie es mit ihnen weitergeht und für welche Betriebe Corona vielleicht sogar das Ende bedeutet.

Was fehlt in unserer Übersicht? Melden Sie sich gern, wenn Sie Tipps haben: castrop@lensingmedia.de

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