Hört endlich mit dem permanenten Rumgeeiere in der Corona-Krise auf!

mlzKlare Kante

In der Krise suchen die Menschen Halt. Da braucht man starke Führungspersönlichkeiten. In Castrop-Rauxel muss man da gerade für das große Rumgeeiere in Düsseldorf bezahlen.

Castrop-Rauxel

, 12.05.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es entwickelt sich langsam zur miesen Angewohnheit: Die Landesregierung kündigt so wortreich und vollmundig wie möglich eine weitere Lockerung der Corona-Beschränkungen an, sieht sich aber noch lange nicht bemüßigt, dafür auch nur halbwegs rechtzeitig Ausführungsdetails zu liefern.

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Das fing an mit der schrittweisen Öffnung der Schulen. Alle Schulen waren darauf eingestellt, dass da etwas kommt. Statt aber nun zur Öffnungsmitteilung auch einen umfassenden Anordnungskatalog mitzuliefern, an dem sich die Schulen orientieren können, kamen nur Allgemeinplätze, wurde die Schulministerin zurück gepfiffen, gab es tagelang nichts aus Düsseldorf.

Und dann, als an vielen Schulen schon viele Pläne geschrieben, Konzepte überlegt und Elterninformationen vorbereitet waren, kam auf einmal noch eine Mail, die fast alle Vorbereitungen über den Haufen warf.

Konkrete Vorgaben bleiben lange Fehlanzeige

Weiter ging es nun in ganz großem Stil in der vergangenen Woche mit der Pressekonferenz des umtriebigen Ministerpräsidenten Armin Laschet, der eine Vielzahl von Lockerungen, Erleichterungen, Öffnungen ankündigte. Konkrete Angaben? Fehlanzeige. Gaststätten dürfen wieder öffnen, hieß es. Gilt das nur für Restaurants? Oder auch für Kneipen? Unter welchen Auflagen denn?

Niemand beantwortete bis zum Wochenende diese so wichtige Frage. Auch Bürgermeister Rajko Kravanja war bis zum Schluss unsicher: Das gelte wohl für Gaststätten, die in der Hauptsache Speisen anböten, so seine Auslegung der vagen Landes-Ankündigungen.

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Friseure dürfen wieder öffnen. Fußpflegerinnen dürfen wieder arbeiten. Nagelpflege darf stattfinden. Aber Tätowierer müssen warten. Warum ist das so? Begründungen bleibt das Land auch hier schuldig. Und vor Ort dürfen ein wirklich bemühter Bürgermeister und die Stadtmitarbeiter am Auskunftstelefon die Sache ausbaden. Sie dürfen Fragen beantworten, für die es keine Antworten gibt, den Kopf hinhalten für Anordnungen, die sie nicht getroffen haben, für die sie manchmal selbst kein Verständnis haben.

Verschwörungstheoretikeren wird Vorschub geleistet

Diese Politik des Landes, der wirren Öffnungen und Lockerungen, der viel zu spät kommenden Hygieneanordnungen für Gaststätten, der viel zu spät verschickten Anweisungen für Schulen, der viel zu vielen offenen Fragen sorgt gerade mit dafür, dass sich Verschwörungtheoretiker und Extremisten Gehör verschaffen können.

Denn Menschen suchen nun einmal gerade in Krisenzeiten nach Halt. Das ist eigentlich ein riesiger Vorteil für Regierende. Sie können Stärke zeigen, können als Krisenmanager Profil gewinnen.

Man denke an Helmut Schmidt, der als Macher in der Hamburger Hochwasserkatastrophe 1962 und mit seiner Stärke im Terror-Herbst 1977 ein Image prägen konnte, das fürs Leben hielt. Man denke an Gerhard Schröder, der sich als Hochwasser-Manager bei der Oderflut 2002 die Wiederwahl als Kanzler sicherte.

Wenn dann aber eine Führungspersönlichkeit wie Armin Laschet mit seinem Kabinett nicht Klarheit, sondern Rumgeeiere, nicht Struktur, sondern Chaos verbreitet, dann suchen die Menschen an anderer Stelle nach Antworten, nach Stütze, nach Halt. Und das nutzen die mit den ganz einfachen Weltsichten, mit den einfachen Feindbildern gnadenlos aus.

Kravanja muss Düsseldorfer Zeche bezahlen

Da kann ein Bürgermeister vor Ort noch so sehr versuchen, die Lage mit täglichen Berichten, Einschätzungen und Antwort-Orgien sogar auf Facebook zu sortieren: Er ist nicht in der Lage, Anordnungen zu geben, muss aber fremde Anordnungen verteidigen und umsetzen.

Um im Gastronomie-Bild zu bleiben: Vor Ort in Castrop-Rauxel darf also wieder einmal die Zeche bezahlt werden für die dicken Bestellungen, die in Düsseldorf aufgegeben wurden. Danke, Herr Laschet.

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