Hunderte Paketdienst-Transporter vom Knepper-Gelände über Anwohner-Straßen?

mlzKraftwerksbrache

10.000 Kraftfahrzeugfahrten täglich auf dem Knepper-Gelände sind zunächst eine Prognose und Grundlage für Verhandlungen mit Straßen.NRW. Anwohner und Politiker haben aber große Bauchschmerzen.

Castrop-Rauxel, Oestrich

, 06.02.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer sich auf dem Knepper-Gelände an der Stadtgrenze Dortmund/Castrop-Rauxel ansiedeln wird, ist noch völlig offen. Ein Verkehrsgutachten rechnet aber bereits mit täglich fast 10.000 Kraftfahrzeugen. Das Thema ist brisant – wie die Sitzung der Bezirksvertretung Mengede am Mittwoch (5.2.) zeigt.

Wann ist ein Kraftfahrzeug ein Lkw, wann „nur“ ein Transporter? Wie tragfähig ist der Ausbau der Autobahn-Anschlussstelle Bodelschwingh an der A45 und der A42? Welche Berücksichtigung findet das bisherige Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen 2, 42 und 45? Und: Wieviel Verkehr fließt letztlich doch über Schleichwege – und damit durch die Wohngebiete von Mengede und Castrop-Rauxel?

Straßen.NRW muss noch mit ins Boot

Fragen, die Politikern und Anwohnern unter den Nägeln brennen. Im Fokus: Verkehrsgutachter Dr. Lothar Bonzio. Zunächst erklärt er: In den täglich 9336 „Kraftfahrzeug-Fahrten“ seien die 3862 Lkw-Fahrten bereits enthalten. Mit der trotzdem hohen Zahl wollen Stadtplaner, Projektentwickler und Gutachter aber auf der „sicheren Seite“ sein.

Jetzt lesen

Das Gutachten ist Grundlage für Verhandlungen mit Straßen.NRW. Klar ist: Der Landesbetrieb hat eine Schlüsselfunktion bei der Bewältigung der Verkehrsströme zum Knepper-Gelände. Er entscheidet über den Ausbau von Auf- und Abfahrt am Autobahnanschluss Bodelschwingh sowie der Landesstraßen Königshalt im Südosten sowie Nierhaus- und Oststraße im Nordwesten.

Jeden Tag das gleiche Bild: Stau auf der A 45 – morgens in Richtung Süden, nachmittags in Richtung Norden.

Jeden Tag das gleiche Bild: Stau auf der A 45 – morgens in Richtung Süden, nachmittags in Richtung Norden. © picture-alliance / dpa

Und es geht um die drei Autobahnen. Sie machen das Knepper-Areal, so Bonzio, zu einem „Filetstück im Ruhrgebiet“, zu einem „absoluten Top-Standort“. Aus Sicht der Anwohner und Politiker liegt hier aber genau ein Problem. Schon jetzt staut sich der Verkehr auf der A 45 zwischen den Kreuzen Dortmund-Nordwest und Hafen: morgens in Richtung Süden, nachmittags Richtung Norden – mit Rückstaus auch auf der A 42.

So geht es weiter

  • In der kommenden Woche beraten der Dortmunder Stadtrat und der Umweltausschuss in Castrop-Rauxel die Verkehrsplanungen.
  • Anschließend gehen beide Städte, Verkehrsgutachter und die Entwickler des Areals in Verhandlungen mit Straßen.NRW.
  • Derweil läuft beim Regionalverband Ruhr das Änderungsverfahren zum Regionalplan. Eine Entscheidung könnte im Sommer fallen.
  • Die Firma Hagedorn Revital, die das Knepper-Gelände aufbereitet, und Vermarkter Segro möchten bis Ende 2020 gültiges Planungsrecht.
  • Dafür will die Stadt Castrop-Rauxel einen Bebauungsplan aufstellen, Dortmund einen bestehenden ändern. In diesen Verfahren gibt es auch eine Bürgerbeteiligung.
  • Das Unternehmen Segro rechnet mit der Fertigstellung des Gewerbe- und Industriegebiets im Jahr 2024.

Lkw-Fahrer wollen schnell auf die Autobahn

Schlussfolgerung: Ohne einen Ausbau der A 45 werden Staus weiter zunehmen. Dafür ist allerdings das Bundesverkehrsministerium zuständig. Der Bundesverkehrswegeplan 2030 führt den 8,6 Kilometer langen Abschnitt zwar als „vordringlichen Bedarf“, jedoch „ohne Planungsbeginn“.

Viele Sorgen der Anwohner und Politiker kann der Gutachter nicht zerstreuen. Wenn Lkw- und Autofahrer bei Stau auf der Autobahn Schleichwege suchen oder eine Abkürzung zwischen A42/45 und A2 durch Mengede suchen.

Lothar Bonzio weist das zurück: Nur 20 Prozent der Autos sollen durch Mengede rollen – die von Arbeitnehmern auf dem Knepper-Gelände. „Lkw-Fahrer haben das Ziel, schnell ins Autobahnnetz zu kommen“, erklärt er. Da stelle sich jeder doch eher in den Stau.

Interessant in dem Zusammenhang: Als Lkw zählt das Gutachten jedes Fahrzeug mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen. Sie sollen nur über den Langenacker und direkt zur Anschlussstelle Bodelschwingh fahren.

Transporter haben Zufahrt aus allen Richtungen

Ein Viertel der Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen werde dagegen von Norden auf das Industrie- und Gewerbegebiet kommen, rechnen die Verkehrsgutachter. Eine Höhenbegrenzung an der Nierhaus-/Oststraße soll den Lastverkehr verhindern. Transporter haben jedoch unter 3,5 Tonnen Gesamtgewicht.

Schwerlastverkehr belastet die Pallas- und die Oststraße schon jetzt. Kommen künftig tausende Autos und Transporter auf dem Weg zum Knepper-Areal hinzu?

Schwerlastverkehr belastet die Pallas- und die Oststraße schon jetzt. Kommen künftig tausende Autos und Transporter auf dem Weg zum Knepper-Areal hinzu? © Thomas Schroeter

Und wenn sich, wie geplant, Logistik auf dem Areal ansiedelt, könnten täglich hunderte von Paketdienst-Transportern das Areal anfahren – aus allen Richtungen. Ralf Pyszny vom Investor Segro nannte einen Paketdienst als möglichen Ansiedler. Segro wird das Knepper-Areal vermarkten.

Bei allen Bedenken riefen einige Informationen auch Zustimmung hervor: Die Oestricher Straße und die Kreuzlohsiedlung sollen baulich vom Durchgangsverkehr ausgeschlossen werden. Ein ausgebauter Radweg wird von Castrop-Rauxel aus über das Gelände führen und es über die Emsinghofstraße an den Bahnhof Mengede anbinden.

Lesen Sie jetzt