Ickern: Das sind das Martins-Pferd und St. Martin(a)

Umzug der Kita St. Barbara

Wenn Inga Gelesch (30) am Donnerstag ihre Norwegerstute Paula besonders herausputzt, weiß auch das Pferd, dass heute ein besonderer Tag ist. Als Sankt Martin(a) zu Pferde begleitet Gelesch den Umzug der Kindertagesstätte St. Barbara in Ickern. Das ist inzwischen Familientradition geworden.

ICKERN

, 10.11.2016, 05:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ickern: Das sind das Martins-Pferd und St. Martin(a)

Inga Gelesch und Paula reiten auf dem Martinsumzug der Kindertagesstätte St. Barbara in Ickern.

Der Sankt-Martins-Umzug der Kindertagesstätte St. Barbara hat, wie viele andere Umzüge auch, Tradition. Seit Jahren ziehen die Kinder mit ihren Laternen durch die Straßen, begleitet von einer Musikkapelle. Vorne weg reitet, seit 2001, Inga Gelesch im Martinskostüm. Ihre Mutter Agathe Dickhöfer begründete die Familientradition des Martinsrittes bereits 1973. „Meine Schwester hat da im Kindergarten St. Barbara als Erzieherin angefangen und kam auf die Idee“, sagt Agathe Dickhöfer. Ihre Tochter Inga wurde mit dieser Tradition groß, zunächst als Kindergartenkind, später als Begleitperson für das Pferd.

2001 übernahm Gelesch die Zügel von ihrer Mutter und schlüpft seitdem jedes Jahr in die Rolle von Sankt Martin. Den Mantel teilt sie dabei nur im übertragenen Sinne. „Die Kinder spielen die Martinsgeschichte während des Gottesdienstes in der Kirche nach. Ich übernehme dann im fliegenden Wechsel für den Umzug.“

Der Trubel ist eine Herausforderung für das Pferd

Für ein Pferd ist die Veranstaltung immer eine besondere Herausforderung, die viel Vorarbeit in der Erziehung benötigt. „Naturgemäß sind Pferde Fluchttiere. Die Blaulichter des Polizeiwagens, die Musik und auch der allgemeine Trubel sind für sie ungewohnt“, sagt Inga Gelesch. Deswegen mussten sie und ihre Mutter mit dem Tier lange üben, bevor es das erste Mal zum Umzug ging.

Die neunjährige Norwegerstute Paula ist jetzt seit vier Jahren als Martinsross im Einsatz. „Wir haben ihr Musik vorgespielt und auch mit blinkenden Lichtern geübt“, so Dickhöfer. Je häufiger man Tiere mit dem Ungewohnten konfrontiere, desto gelassener würden sie damit umgehen. Aber auch das Gemüt des Pferdes spiele eine große Rolle. „Wenn wir uns nicht absolut sicher sind, dass das Tier mitspielt, würden wir das nicht machen“, versichern beide.

Der Star darf auch gestreichelt werden

Zusätzlich reitet Gelesch vor dem Umzug mit Paula vom Hof bis zur Kirche St. Barbara. „Sie ist dann schon 40 Minuten unterwegs und etwas müde, da kommt sie erst recht nicht auf dumme Gedanken.“ Während des Umzugs bleibt Agathe Dickhöfer nah beim Pferd, sodass sie schnell eingreifen kann, sollte Paula doch einmal durchgehen. „Das ist uns aber noch nie passiert, auch nicht mit Paulas Vorgänger Cäsar“, sagt Dickhöfer. Am Awo-Seniorenzentrum lernen die Kinder Ross und Reiter aus der Nähe kennen. Und zum Ende des Umzugs darf Paula auch gestreichelt werden.

Dass Sankt Martin in Wahrheit eine Sankt Martina ist, falle dem ein oder anderen Kind schon auf – die Enttäuschung halte sich aber in Grenzen. „Paula ist beim Streicheln sowieso der Star und Sankt Martin wird ja vorher auf dem Umzug mit den Gesängen der Kinder wortgewaltig unterstützt.“

Die nächste Generation fürs Martinsreiten steht derweil schon in den Startlöchern. Die Nichte von Inga Gelesch übt fleißig Reiten, und sollte das Martinsross Paula in den Ruhestand gehen, wird auch hier für Nachfolge gesorgt.

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