Der Fundus des WLT birgt viele Schätze, aus Stoff, Leder und Blech. © Ronny von Wangenheim
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Im Fundus des WLT: Schauspieler können unter Tausenden Kostümen wählen

Prinzessinnen, Räuber, Ritter, Bettler haben hier ihre Spuren hinterlassen. Alles, was bleibt von ihren Auftritten im WLT, lagert im Fundus: Manches macht schön, anderes hässlich.

Regale ziehen sich einen langen, schmalen Gang entlang. Auf mehreren Reihen liegen Schuhe. Schwarze Männerschuhe, rote Pumps, Sandalen, Clogs, schicke und abgetretene Exemplare – wie viele es sind, ist schwer zu schätzen. Sie alle wurden irgendwann von Schauspielern für Auftritte des Westfälischen Landestheaters getragen.

Im Fundus des Theaters am Europaplatz werden sie gelagert. Manche werden wieder einmal einen Einsatz bekommen. Genauso wie die vielen Kleider, die einen Gang weiter auf Bügeln hängen. Gewaltig ist die Menge der Herrenanzüge in gedeckten Farben. Bunter sind die Kleider für Frauen. Sie stammen aus vielen verschiedenen Epochen. T-Shirts, OP-Kleidung, Schwesternkittel, Schmuck, Ordensabzeichen, Matrosenmützen – viel mehr wird in Regalen, auf Bügeln oder in Schachteln aufbewahrt.

„Das stammt alles aus abgespielten Produktionen“, informiert Alessia Vit, im WLT zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Die Kleidung, die für aktuelle Inszenierungen hoffentlich bald wieder gebraucht wird, wird dagegen in Containern und Kostümschränken aufbewahrt.

Für Stücke wie „Zauberer von Oz“ werden neue Kostüme geschneidert

Gewaschen und gebügelt sind die Kleider im Fundus für einen nächsten Einsatz bereit. Das kann für eine neue Produktion sein. Doch häufig werden dafür eigene Kostüme angefertigt – wie Bilder an der Wand mit Figurinen beispielsweise für den „Zauberer von Oz“ oder „Wilhelm Tell“ zeigen.

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Adventstür WLT-Fundus

Vor allem im Probenprozess bedienen sich hier Kostümbildner und Schauspieler. Mithilfe der Probenkostüme kann man besser sehen, welche Kleidung am Ende gut zu der Inszenierung passt. Und es lässt sich bei einer Geschichte aus vergangenen Jahrzehnten gut ein Gefühl für die Zeit entwickeln, in der ein Stück spielt.

Um den Fundus kümmern sich die Kolleginnen aus der Kostümschneiderei und die Ankleiderinnen, die bei jeder Vorstellung dafür sorgen, dass jeder Schauspieler alle notwenigen Kostümteile hat und diese an der richtigen Stelle liegen, wenn das Stück erfordert, dass zwischendurch das Kostüm gewechselt werden muss.

Anproben finden übrigens häufig im Fundus statt. Von jedem Schauspieler werden die Maße festgehalten. Manchmal wird nachgemessen. „Vor allem nach den Ferien“, erzählt Alessia Vit lächelnd, „dann haben die Schauspieler meist etwas zugenommen.“

Mit Fatsuits kann jeder Schauspieler blitzschnell dick werden

Für die aufwendigeren Kostüme geht es einen Stockwerk tiefer. Hier sind die historischen Roben genauso zu finden wie üppige Ballkleider, Königsmäntel oder auch Tierkostüme. Ein Bärenkopf zieht die Blicke auf sich, Teile einer Rüstung liegen in einem Einkaufswagen. Auch einige Fatsuits hängen hier auf Bügeln. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn ein Schauspieler für eine Rolle viel fülliger aussehen soll, als er in Wirklichkeit ist.

Ankleiderin Regine Breitinger zeigt eines der vielen Kleider aus dem Fundus.
Ankleiderin Regine Breitinger zeigt eines der vielen Kleider aus dem Fundus. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Tausende Kostüme, Schuhe und Accessoires: Die genaue Anzahl lässt sich schwer schätzen. Jedes Jahr kommt etwas dazu. Manchmal wird auch weggeschmissen. Gerade jetzt in der Corona-Krise, wo der Spielbetrieb nicht läuft, war Zeit dafür, berichtet Susanne Leschni aus der Schneiderei. „Früher haben wir auch mal Versteigerungen gemacht“, erzählt Alessia Vit. Vor allem Kleidung aus den 1980er- und 90er-Jahren, also normale Alltagskleidung, wurde entsorgt, wenn sie schon sehr abgenutzt waren. Den vollen Ständern sieht man diesen Schwund nicht an.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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