Im Kriegsgefangenenlager zwischen Fußball und Hungertod

Zeitzeugen-Geschichten

Das Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 liegt fast 67 Jahre zurück. Damit die Erinnerungen an Hunger, Schrecken und Krieg nicht verloren gehen, schreibt unser mobiler Reporter sie auf. Jakob Maas erzählt von seiner Kriegsgefangenschaft in Frankreich.

CASTROP-RAUXEL

von Von Nico Drimecker

, 30.03.2012, 20:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jakob Maas war Gefreiter, der unterste Soldatenrang. Seine Kameraden und er wussten noch nicht, wie es um Sieg oder Niederlage stand, als sie im September 1944, einen Monat nach seinem Geburtstag, bei La Rochelle von Amerikanern zur Aufgabe gezwungen werden. „Wir wurden auf Lastwagen verladen und ins französische Hinterland transportiert.“ Die deutsch Uniformierten auf der Ladefläche ernten vom Wegesrand Beschimpfungen und Wasserfontänen.

Im von Zaun mit Stacheldraht umgebenen Gefangenenlager füllt jeder Soldat einen Bogen mit persönlichen Daten aus – Name, Geburtstag, Gewicht, Größe, Augenfarbe, Haarfarbe, Beruf, Anschrift in Deutschland. Über diese Dokumente erfährt die Stadt vom Verbleib der „Söhne unserer Heimatstadt“, wie es in einem damaligen internen Schreiben der Verwaltung heißt. Deshalb entscheidet sich 1947 die Stadt, den „Söhnen“ zum „bevorstehenden Weihnachtsfest besonders zu gedenken“. Ein „Heimatbrief“ wird aufgesetzt.Am 10. August 1945, einem Freitag, seinem 22. Geburtstag, schreibt Jakob Maas in den Kalender: „Übergabe an Franzosen“. Denn: „Der Franzose wollte wohl auch Gefangene haben, die für ihn arbeiten.“

Dort ist das Gefangenen-Leben härter. Zwar gibt es Beschäftigung, heißt: Arbeit. Aber wenig zu essen. „Wir mussten zusehen, dass wir was zu kauen hatten.“ Die Soldaten schlürfen vor allem Suppe, fast jeden zweiten Tag wurden Tote weggetragen, „die Kohldampf hatten oder so gestorben sind“. Ob und wie seine Kameraden ge- und überlebt haben, weiß Jakob Maas nicht. „In der Gefangenschaft haben wir uns nie wieder gesehen, da ist ja alles untergegangen.“ Am 9. September 1948, Jakob Maas ist frisch 25 Jahre alt geworden, erhält er sein Entlassungspapier. Ein letztes Mal wird er „abtransportiert“ – mit einem Zug ins Ruhrgebiet. Diesmal ohne Beschimpfungen.

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