Der Impfstoff von Pfizer-Biontech gegen Covid-19 wird in diesem Werk im belgischen Puurs für die ganze Welt hergestellt, bis auf die USA. Die Produktionsstätte wird aufgrund der riesigen Nachfrage erweitert. Vorübergehend führt das zu Ausfällen. © dpa
Coronavirus

Impfstopp verhängt – doch das Impfen geht weiter: Das ist der neue Fahrplan

Am Mittwoch drang bis in die letzten Winkel von NRW durch: Impfstopp! Krankenhäuser reagierten verärgert, Pflegeheime enttäuscht. Doch das Impfen geht weiter, nach einem neuen Fahrplan.

Genau 825 Impfungen sind am Mittwoch (20.1.) im Kreis Recklinghausen verabreicht worden. Für einen Tag, an dem das Land NRW eigentlich in die Fläche hinein einen Impfstopp proklamierte, noch ganz schön viele. Dabei stieg die Zahl der Geimpften im Kreis RE allerdings „nur“ um 465. Denn an jenem Tage begann etwas Neues: Die ersten 360 Bürger erhielten per Spritze ihre zweite Impfdosis. Wenn diese ihre Wirkung voll entfaltet, gelten sie als komplett geimpft.

Das Impfen geht also weiter, auch wenn der Ärger am Mittwoch groß war. Krankenhäuser wie das Evangelische Krankenhaus in Herne hatten ihren Impftermin schon vorbereitet, wollten losimpfen – ehe keine fünf Stunden vorher die offizielle Mitteilung des Gesundheitsministeriums kam. „Die Entscheidung ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar“, sagte zum Beispiel Rochus-Geschäftsführer Clemens Galuschka.

„Wir sind sehr enttäuscht und fühlen uns im Stich gelassen.“ Seine Ärzte und Pflegenden, „die an der Front Corona-Patienten versorgen, bleiben bis auf weiteres ohne Impfschutz. Das ist eine sehr unbefriedigende Situation für alle, die sich Tag für Tag in der Behandlung von infizierten Patienten engagieren und sich dabei selbst einer Ansteckungsgefahr aussetzen.“

Die Zweitimpfungen laufen weiter

Doch das Impfen pausiert lediglich teilweise: Die Krankenhäuser wurden vertröstet auf neue Termine Anfang Februar. Die Impfzentren fangen wahrscheinlich eine Woche später als geplant an, Menschen über 80 Jahre und andere der Impf-Priorität 1 zu impfen. Und die Zweitimpfungen laufen weiter.

Vanessa Pudlo, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe mit Sitz in Dortmund, sagte am Donnerstag auf Anfrage: „Es ist jetzt so, dass die Erstimpfung ab Freitag storniert wurden. Aktuelle Neuimpfungen sind die Resttermine.“

„Alle Zweitimpfungen, die anberaumt waren, finden statt. Das Land NRW hat dafür den Impfstoff zurückgehalten.“

Vanessa Pudlo, KVWL-Sprecherin

Ab Freitag sind also alle Erstimpfungen in Pflegeheimen storniert. Bei den Zahlen könnte es dennoch noch über Tage hinweg kleine Aktualisierungen geben, weil die Ärzte und Pflegeheime ihre Impfzahlen nicht immer ganz aktuell an die KVWL melden. Und: „Alle Zweitimpfungen, die anberaumt waren, finden statt. Das Land NRW hat dafür den Impfstoff zurückgehalten.“ Genau die Menge, so Pudlo, die in der Erstimpfung verimpft wurden, also fast 10.000 Impfdosen für den Kreis RE, damit die Zweitimpfung stattfinden kann.

Zudem habe das NRW-Ministerium angekündigt, dass in der nächsten Woche zwar keine Erstimpfungen mehr stattfinden könnten, dass es aber Anfang Februar weitergehen werde. So hatte auch der US-Pharmakonzern Pfizer, Partner der Impfstoff-Entwickler-Firma Biontech aus Mainz, das am 15. Januar angekündigt: Man müsse im Pfizer-Werk im belgischen Puurs die Produktion wegen Umbauarbeiten vorübergehend einstellen. Dort wird der mRNA-Impfstoff mit dem kaum bekannten Namen Cominarty hergestellt, der außerhalb der USA eingesetzt wird, also auch in der kompletten EU.

Die von dort bereits zugesagte Liefermenge für die nächsten drei bis vier Wochen könne man nicht vollständig einhalten, hieß es, um dann ab Mitte Februar erhöhte Kapazitäten zu haben und schneller produzieren zu können.

KVWL muss nun umplanen

„Wir sind davon auch überrascht worden“, sagt die KVWL-Sprecherin Vanessa Pudlo, „aber das Ministerium, das die Logistik verwaltet, ist natürlich gezwungen, auf diese Produktions-Einschränkung zu reagieren. Das ist für uns schwierig, weil man umplanen muss, aber das kann man nicht ändern. Wir tun das nun in enger Abstimmung mit dem Ministerium.“

Am bisherigen Rekordtag 16.1. wurden mehr als 1000 Impfdosen in Pflegeheimen im Kreis Recklinghausen injiziert. Am 19.1. waren es 64, am 20.1. wieder über 800. Das Impftempo bis September wird entscheiden, ob wir im Herbst eine neue Corona-Welle erleben werden oder nicht.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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