Irritationen rund um Polizeieinsatz in der Castrop-Rauxeler Altstadt

Polizeieinsatz

In der Nacht zu Mittwoch soll es in der Castrop-Rauxeler Altstadt zu einer Auseinandersetzung mit einer Waffe gekommen sein. Die Aufklärung gestaltet sich kompliziert.

Castrop

, 24.05.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei einem Polizeieinsatz an der Widumer Straße kam es in der Dienstagnacht zu Irritationen.

Bei einem Polizeieinsatz an der Widumer Straße kam es in der Dienstagnacht zu Irritationen. © Marcia Köhler

Am Mittwoch erreicht unsere Redaktion eine Nachricht über eine Auseinandersetzung auf der Widumer Straße: Vier Männer sind nach eigenen Angaben von einem Mann mit einer Waffe bedroht worden.

Die Auseinandersetzung soll sich vor einem Lokal abgespielt haben. Einer der Betroffenen erzählt, schon bevor seine Bekannten und er das Lokal betraten, habe der Mann sie auf der Straße beleidigt und rassistische Kommentare fallen lassen. Die Männer hätten dies ignoriert und den Mann weggeschickt. Der Mann habe sich zunächst auch in Richtung Altstadt entfernt.

Kamera-Aufnahmen zeigen Diskussion auf der Straße

Circa eine halbe Stunde später, gegen 1.44 Uhr, sei der Mann jedoch zurück zu dem Ladenlokal gekommen und habe einen der Männer gebeten, herauszukommen.

Die Besitzer des Lokals stellten der Redaktion das Material der Außenkamera zur Verfügung. Auf diesen Aufnahmen ist zu erkennen, wie die beiden Männer auf der Straße miteinander diskutieren. Die anderen drei Männer sind im Hintergrund zu sehen und halten sich aus dem Gespräch raus.

Zunächst sieht es nach einer ruhigen Diskussionen aus. Der Mann begibt sich allerdings immer weiter aus dem Sichtfeld der Kamera, sodass man am Ende nur noch den Rücken eines anderen Mannes sehen kann, der schließlich zum Lokal zurückläuft.

Plötzlich sieht man, wie alle vier Männer aufschrecken, in das Lokal stürmen und die Tür hinter sich zuknallen.

Auf Nachfrage der Redaktion schildert einer der Männer die Situation: „Die haben diskutiert, dass der Mann doch bitte gehen soll und uns auch in Ruhe lassen soll. Das Gespräch hat sich etwas hochgeschaukelt aber ist nicht ausgeartet. Plötzlich zog der Mann eine Waffe und bedrohte uns. Wir sind sofort hereingerannt und haben die Polizei informiert.“

Die Polizei findet den Mann, lässt ihn aber wieder gehen

Die Polizei sei zunächst nett gewesen und habe die Situation ernst genommen und den Täter gesucht, erklärt einer der Zeugen.

Sicher hätten sich die vier Männer allerdings nicht mehr gefühlt.

„Wir sind alles Ausländer, wir sind anständige Menschen und ich kann guten Gewissens sagen, keiner von uns hat irgendeine kriminelle Vorgeschichte und wir wollen nicht Opfer einer rassistischen Tat mit Todesfolge werden. Das habe ich auch einer Polizistin gesagt, die noch bei uns blieb“, so einer der Betroffenen. Man habe aber das Gefühl gehabt, nicht ganz ernst genommen zu werden.

Auf dem Heimweg wurde er Augenzeuge der Festnahme des mutmaßlichen Täters. „Aber wie wir später erfahren haben, wurde bei ihm keine Waffe gefunden und er wurde einfach gehen gelassen. Das können wir nicht verstehen, er war stark alkoholisiert und die Gewaltbereitschaft dieses Mannes hat definitiv eine Gefahr dargestellt“, so der Betroffene.

Auch ein Nachbar habe sich als Zeuge bei der Polizei gemeldet, weil dieser den Mann mit einer Waffe beobachten konnte.

Polizei spricht von Streiterei ohne Waffen und Gewalt

Unsere Redaktion kontaktierte am Freitag (22.5.) die Polizei. Dort teilte man uns mit, es habe sich nur um eine Auseinandersetzung auf der Widumer Straße gehandelt. Als man den Mann gegen 1.45 Uhr gefunden habe, habe dieser keine Waffe bei sich getragen.

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Für die vier betroffenen Männer ist dies eine bittere Enttäuschung. „Nachdem der Mann gesagt hat, er habe keine Waffe, wurden alle unsere Aussagen nicht mehr ernst genommen. Wir fragen uns, warum ihm geglaubt wird und uns nicht.“

Die Besitzer des Ladenlokals sind ebenfalls schockiert. Dort sei noch nie etwas passiert.

„Das Lokal hat damit nichts zu tun und eine Vorgeschichte gibt es auch nicht. Man war scheinbar zur falschen Zeit am falschen Ort. Wir hoffen aber, dass die Polizei diesen Vorfall noch etwas ernster nimmt und uns noch glaubt. Das Konsulat haben wir zur Sicherheit auch verständigt.“

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