Jan-Philip Hermes: Ein 29-jähriger Sozi aus der CDU-Hochburg Frohlinde startet durch

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Jan-Philip Hermes. Schon mal gehört? Nein? Dann sind Sie selbst in der SPD Castrop-Rauxel in guter Gesellschaft. Und die Partei sollte ihn kennen, denn der Mann startet da gerade durch.

Castrop-Rauxel

, 30.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jan-Philip Hermes ist eines der noch neuen Gesichter in der SPD Castrop-Rauxel. So neu, dass selbst eine Genossin beim Stadtverbandsparteitag im November wissen wollte, wen sie denn da als Kandidaten für den Kommunalwahlkreis 23 Schwerin, Frohlinde, Dingen wählen sollte.

Er ist ein Sozi aus Frohlinde, jenem Stadtteil, in dem die CDU in Castrop-Rauxel traditionelle mit ihre besten Resultate einfährt, bei der Kommunalwahl 2014 weit über 40 Prozent einsammelte. Ein Sozi, dessen Vater in der Pharmaindustrie arbeitet, dessen Mutter mal im Einzelhandel selbstständig war. Wie passt das?

„Mehrgenerationen-Haus“ in Frohlinde

Geboren ist dieser Mann am 26. März 1990 in Frohlinde in einem „Mehrgenerationen-Haus“, wie er es nennt. Dort wohnt er heute noch. Mit seiner Freundin unter dem Dach. Unten leben die Eltern mittlerweile bei und mit der Oma. Und im Untergeschoss wohnt noch sein Bruder. Alles unter einem Dach also.

In Frohlinde besuchte er auch die Lindenschule, machte dann am Adalbert-Stifter-Gymnasium Abi. Mit den Leistungskursen Englisch und Geschichte. Mathe wurde erst später wichtig in seinem Leben. Denn anschließend stieg er beim Kreis Recklinghausen in den Verwaltungsdienst ein, landete in der Buchhaltung. „Trocken, aber wichtig“, wie Hermes es formuliert, „denn ich bin schon ein Zahlenmensch.“

Es folgte ein berufsbegleitendes Studium in Betriebswirtschaft und seit 2017 eine Abordnung zur Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, um ab 2020 in den gehobenen Verwaltungsdienst einsteigen zu können.

Mit Schwerin bis in die Westfalenliga

Beim FC Frohlinde lernte er auch das Fußballspielen, kickte dort auf allen möglichen Positionen in allen möglichen Altersklassen. Auf Schwerin, wo er es später immerhin bis in die Westfalenliga brachte, habe man versucht, ihn zum Knipser zu machen. Das sei aber nicht gelungen, richtig wohl gefühlt habe er sich in Abwehr und Mittelfeld.

Richtig wohl gefühlt hat er sich auch bei seinen Großeltern. Die waren 35 Jahre lang Gastwirte, hatten ursprünglich den „Alten Fritz“ an der Frohlinder Kirche, führten später viele Jahre lang den „Kronentreff“ an der Grimbergstraße auf Schwerin.

„Ich habe die solidarischen Grundwerte quasi vorgelebt bekommen.“
Jan-Philip Hermes

„Da bin ich schon früh mit den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten in Kontakt gekommen“, erzählt der 29-Jährige. Außerdem ist die Oma seit über 40 Jahren auch in der SPD. „Das hat mich alles schon mit geprägt. Ich habe die solidarischen Grundwerte quasi vorgelebt bekommen.“

Also passe das mit dem Sozi, seiner Familie und Frohlinde letztendlich schon ganz gut zusammen.

Ein Sozialdemokrat ist er schon seit rund elf Jahren, ein Sozialdemokrat mit ausgewiesenem Finanz-Know-How und Verwaltungserfahrung aber. Sehen wir da den nächsten Kämmerer oder gar eines Tages Bürgermeister? Da wehrt Jan-Philip Hermes lachend ab. Ambitionen habe er schon, das will er nicht verleugnen. „Verantwortung zu übernehmen, das reizt mich schon“, so der Frohlinder. Aber jetzt stehe er erst einmal vor dem nächsten Schritt.

Kandidat für den nächsten Stadtrat

War er bisher nur in seinem Ortsverein aktiv und zuletzt als Pressesprecher des Stadtverbandes tätig, so soll 2020 der Schritt in den Rat folgen. Im Idealfall über ein Direktmandat in seinem Wahlkreis. Zur Not aber auch über die Reserveliste, auf der ihm die Jusos den aussichtsreichen Platz 5 besorgt haben und auf der er mit dem 24-jährigen Fabian Abitz und dem 31-jährigen Juso-Vorsitzenden Daniel Djan die neue Sozi-Generation abbildet.

Jan-Philip Hermes: Ein 29-jähriger Sozi aus der CDU-Hochburg Frohlinde startet durch

Jan-Philip Hermes (3.v.r.) wurde von seinem Ortsverein als Kandidat für Frohlinde aufgestellt, Sebastian John als Kandidat für Dingen, Ann-Katrin Bludau (2.v.l.) als Kreistagskandidatin und Katrin Lasser-Moryson für den Wahlkreis auf Schwerin. © SPD

Warum Kommunalpolitik? Besonders gestreichelt wird man dafür in der Öffentlichkeit ja nicht. Hermes findet es nach eigenen Worten eine schöne Sache, „sich in einem Bereich ehrenamtlich zu engagieren, in dem ich tatsächlich etwas gravierend bewegen kann. Und das ist in der Kommunalpolitik der Fall.“

Mit seinem Fachgebiet Finanzen sei er dabei in einem Bereich angesiedelt, der für die Kommunalpolitik wesentlich sei: „Ohne Geld können wir nichts bewegen.“

Trotzdem will er sich nicht auf den Zahlenmann einschränken lassen. Als Sozialdemokrat, der zwei Mal für das neue Parteivorstands-Duo Norbert-Walter Borjans und Margret Eskens votiert hat und den Einfluss des Juso-Chefs Kevin Kühnert auf seine Partei sehr wohltuend und positiv findet, will sich Hermes auch bei Sozialfragen einbringen.

Vielfältige Aufgabengebiete im Blick

Als Beispiele dafür, was in und für Castrop-Rauxel auf seiner Agenda steht, nennt der Nachwuchsmann folgende Bereiche:

ÖPNV: Der ÖPNV ist aus seiner Sicht eine Katastrophe. Von der Zeit her, die man von A nach B braucht. Aber auch von den Preisen her. Das müsse attraktiver werden. Auch und gerade aus Sicht des Klimaschutzes.

„Wir müssen den Menschen noch besser zuhören.“
Jan-Philip Hermes

Kinder und Alte: Man dürfe in Castrop-Rauxel niemanden abhängen, dürfe kein Kind in Armut leben lassen, müsse für alle Kinder eine Betreuungsmöglichkeit bieten. Aber auch alte Menschen müssten hier weiter am Leben teilnehmen können und müssten, ganz wichtig, bezahlbaren Wohnraum finden.

Digitalisierung: Breitbandausbau muss her, ein digitales Rathaus, in dem man alle möglichen Anträge online stellen kann. Und eine digitale Bürgerbeteiligung, um gerade für jüngere Menschen neue Wege zu gehen. Und schließlich eine nachhaltige digitale Ausrüstung der Schulen über die Grundausstattung hinaus.

So viel zu den Inhalten. Und was ist Jan-Philip Hermes noch wichtig? „Wir müssen den Menschen noch besser zuhören, um anschließend Beschlüsse zu fassen, die die Menschen akzeptieren.“

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