Joana Klein unterrichtete ein Jahr lang Kinder in Südafrika

Freiwilligendienst

FROHLINDE Im Vorfeld der Fußball-WM 2010 blickt die Welt zusehends auf Südafrika – Joana Klein hingegen hält bereits Rückschau. Anfang Oktober beendete die Frohlinder Lehramtsstudentin ihren entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Pretoria.

von Von Michael Fritsch

, 20.10.2009, 23:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Genauer gesagt in einer Grundschule mit 600 Schülerinnen und Schülern mitten in Mamelodi, dem mit einer Million Einwohnern größten Schwarzen-Township im Osten der Hauptstadt. Mit den bekannten Blechhütten-Unterkünften (shacks) also nicht gerade ein Fleckchen Erde, den man als Europäer gemeinhin mit einem Wohlfühl-Ort in Verbindung bringt.Joana Klein hat Mamelodi lieb gewonnen Doch, um die Bilanz des einjährigen Aufenthalts gleich vorweg zu nehmen: „Ich habe dieses Land lieb gewonnen. Die Menschen sind einfach toll“, bringt die angehende Grundschullehrerin für Deutsch und Englisch ihr erlebnisreiches Praxis-Jahr zwischen Bachelor und Master-Abschluss an der TU Dortmund auf den Punkt.Ein Leben mit Einschränkungen Zwar hat Joana Klein sowohl bei ihrem Förderunterricht mit Lernschwachen als auch im Alltagsleben lernen müssen, zu improvisieren und mit empfindlichen Einschränkungen zu leben.   „Am Anfang hatte ich schon Schiss“, räumt die Frohlinderin ein. Im Nachhinein hält sie die anhaltenden Warnungen angesichts einer katastrophalen Sicherheitslage im Land im Vorfeld der WM jedoch für übertrieben. Fußball-Begeisterung Bei den Spielen um den Confederation Cup im Sommer, von denen sie drei besucht hat, haben ihr statt dessen die unglaubliche Begeisterung der zumeist schwarzen Fußball-Fans imponiert. Man müsse zwar stets vorsichtig sein und in der Dunkelheit nicht mehr nach draußen gehen, sagt Joana. Allerdings hätten sich selbst ihre besorgten Eltern bei einem Besuch zu Weihnachten vergewissern können, dass ihre Tochter in der Fremde nicht ständiger Gefahr ausgesetzt sei. Täglich zwei Heiratsanträge Und daran, dass man sich als weiße junge Frau täglich mindestens eines Heiratsantrags erwehren musste, habe man sich schließlich gewöhnt, sagt Joana. Viele Menschen, denen sie auf ihrer täglichen Fahrt mit dem Minibus-Taxi von ihrer Unterkunft, der Deutschen Schule in Pretoria, zu ihrem Arbeitsplatz nach Mamelodi begegnet sei, hätten mit der Zeit gewusst, dass sie keine Touristin sei, sondern als Lehrerin tätig und sie daraufhin ansprachen.Aufbau einer neuen Bibliothek Dass ihr die Arbeit trotz der bisweilen beschwerlichen Rahmenbedingungen gleichwohl viel Spaß gemacht hat ist aus den Fotos unschwer abzulesen. Viele junge Schwarze, die von der dritten Klasse an Englisch als Pflichtfach haben, seien sehr lernbegierig, versichert Joana Klein. So sei die von ihr eingerichtete Bibliothek sehr gut angenommen worden. Die Vorzüge des Zuhause-Seins in Deutschland weiß sie erst jetzt so richtig zu schätzen, gewinnt Joana auch der Heimkehr positive Seiten ab. Allerdings ist der nächste Auslandsaufenthalt schon in Planung: Diesmal soll es allerdings „nur“ nach Prag gehen . . . 

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