Kampagne soll Friedhofsgärtnern Ideen liefern

Allerheiligen

CASTROP-RAUXEL Der Slogan "Es lebe der Friedhof" klingt zunächst befremdlich. Weckt Assoziationen an Halloween, an schaurig maskierte Menschen, die auf Friedhöfen ihr Unwesen treiben. Dahinter steckt jedoch eine seriöse Adresse, der Bund deutscher Friedhofsgärtner.

von von Gabi Regener

, 30.10.2009, 13:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Trends hat er in Sachen Grabgestaltung ausgemacht. Einmal, so sagt er, gebe es Menschen, die schon zu Lebzeiten entscheiden, nur ja keinem zur Last fallen zu wollen und eine pflegefreie Grabstätte oder gar ein anonymes Grab wünschten. Daneben würden aber auch vermehrt Wünsche nach ausgefallenen Gestaltungen geäußert. "Wenn man mir ein paar Stichworte zum Leben des Verstorbenen nennt, mache ich passende Vorschläge", sagt der Fachmann. Gern arbeitet er dabei mit Symbolpflanzen. Gebirgspflanzen für einen passionierten Wanderer zum Beispiel.

Zwei Trends hat er in Sachen Grabgestaltung ausgemacht. Einmal, so sagt er, gebe es Menschen, die schon zu Lebzeiten entscheiden, nur ja keinem zur Last fallen zu wollen und eine pflegefreie Grabstätte oder gar ein anonymes Grab wünschten. Daneben würden aber auch vermehrt Wünsche nach ausgefallenen Gestaltungen geäußert. "Wenn man mir ein paar Stichworte zum Leben des Verstorbenen nennt, mache ich passende Vorschläge", sagt der Fachmann. Gern arbeitet er dabei mit Symbolpflanzen. Gebirgspflanzen für einen passionierten Wanderer zum Beispiel.

  "Wenn der Friedhof schön und individuell gestaltet ist, wird er auch lieber und häufiger aufgesucht", ist Melzner überzeugt. Über mangelnden Besuch konnte man auf den Friedhöfen der Stadt in den letzten Tagen sowieso nicht klagen. Im Gegenteil: Allerorten wurde geharkt, gepflanzt und gewässert, wurden Gestecke drapiert und Kerzen angezündet. Die Hinterbliebenen, die die Gräber ihrer Verstorbenen für das Fest Allerheiligen in Schuss brachten, taten dies liebevoll. Wollten einen gepflegtes Grab. Doch das sollte, so die überwiegende Meinung, den Konventionen entsprechen.

Engelchen ja, damit hat sich inzwischen auch die ältere Generation angefreundet. Aber das sollte reichen. Die Vorschläge des Bundes deutscher Friedhofsgärtner, die Grabstätte eines zu Lebzeiten passionierten Anglers etwa in einen Seerosenteich zu verwandeln, einem Golfer mit einem Putting-Green ein ewiges Andenken zu setzen oder dem Punker einen Irokesen aus Blumen zu basteln, gehen vielen zu weit.

"Kitsch", befand auch Theresa Engemann, die auf dem Lambertus-Friedhof das Familiengrab von Laub befreite. "Dann müsste ich ja meinem verstorbenen Mann hier wie auch dem Schwiegervater einen Backofen aufs Grab setzen. Die beiden waren ihr ganzes Berufsleben Bäcker." Stattdessen, so fordert sie, sollten sich die Friedhofsgärtner lieber Gedanken über die Sicherheit auf Friedhöfen machen.

Auch Inge und Franz Otto haben es lieber "normal": Pflanzen, die der Jahreszeit entsprechen und eine Kerze für die Ampel. Agnes Winkelmann, die eine Grabreihe weiter am Werk ist, sieht das schon differenzierter. "Wenn sich jemand schon zu Lebzeiten äußert, wie er sein Grab gern gestaltet hätte, dann würde ich das gutheißen", sagt sie.

Angetan von den innovativen Ideen der Friedhofsgärtner zeigte sich dagegen Agnes Skorzewski. Die 26-Jährige kreiert spontan neue Ideen. Einen Fußball aus Blumen für den Hobbykicker könnte sie sich gut vorstellen. Und demonstriert damit, dass die jüngere Generation durchaus eine andere Vorstellung von Friedhofskultur hat.Aktiv mitgestalten

Die ist, so Friedhofsgärtner Rüdiger Melzner, sowieso im Umbruch. Eine Phase, die er aktiv mitgestalten will. Dabei leugnet er gar nicht, dass es den Friedhofsgärtnern auch um ihren Verdienst geht. Aber nicht nur: "Ich finde nichts schlimmer als eine anonyme Bestattung", gesteht er. Die vielen Blumen, die regelmäßig am Rand der Felder eins bis drei - den Stätten anonymer Gräber auf dem Waldfriedhof, abgelegt würden zeigten doch, dass die Hinterbliebenen eine Anlaufstelle suchen. Und die möchte er so passend wie möglich gestalten. Derzeit denkt er übrigens über ein "reviertypisches" Grab nach.

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