30 Meter neben der Becklemer Brücke überquert dieses Bauwerk den Rhein-Herne-Kanal. © Tobias Weckenbrock
Rhein-Herne-Kanal

Kanalbauwerk in Becklem: Schutz bei Havarie oder Dammbruch

Zwei Türme und eine Traverse aus Stahlplatten überspannen den Rhein-Herne-Kanal in der Nähe der Becklemer Brücke. Das Bauwerk hat eine besondere Funktion und ist doch bald Geschichte.

Wer über die Becklemer Brücke über den Rhein-Herne-Kanal fährt und nach Westen schaut, entdeckt zwei Türme am Ufer. Eine Traverse aus Stahlplatten verbindet die beiden Türme des Bauwerks, das wie eine Brücke wirkt. Das ist sie aber nicht.

Das Kanalbauwerk zwischen der Becklemer Brücke und der Autobahnbrücke über die A2 ist ein Sicherheitstor. „Die gibt es an mehreren Stellen im westdeutschen Kanalnetz“, erklärt Oliver Jaswetz. Er ist der Leiter Brücken beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Meiderich in Duisburg.

Bei einem Dammbruch oder für Reparaturarbeiten fährt das WSA die Stahlplatten herunter. „Damit kann man das Leerlaufen begrenzen“, sagt Jaswetz. „Nur zwischen kleineren Abschnitten müssen dann die Schiffe auf dem Trockenen liegen.“ Ohne die Sicherheitstore liefe der Kanal zwischen zwei Schleusen leer.

Dammbruch heute ist nahezu ausgeschlossen

Die Bauwerke entstanden bereits vor dem Zweiten Weltkrieg – „als Vorsichtsmaßnahme, dass bei einem Havariefall der Schaden begrenzt wird“, erklärt Oliver Jaswetz. Eine Kriegsgefahr gebe es heute nicht mehr, und der Kanalbau sei heute sicherer – ein Dammbruch nahezu ausgeschlossen.

Der Blick von der Becklemer Brücke nach Westen fällt auf das Sicherheitstor Henrichenburg.
Der Blick von der Becklemer Brücke nach Westen fällt auf das Sicherheitstor Henrichenburg. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Das „Sicherheitstor Henrichenburg“, so heißt es im WSA offiziell, hat zudem eine besondere Lage. Nahe der Emscherquerung des Kanals schützt es im Notfall auch den Fluss. Dennoch ist das Bauwerk in einigen Jahren Geschichte.

Grund dafür ist der Ausbau des Rhein-Herne-Kanals zwischen der Wartburgstraßen-Brücke und der Dattelner Eisenbahnbrücke. Im Zuge dessen erweitert der Bund als Betreiber den Querschnitt des Kanals. Der RHK wird breiter und erhält eine Fahrwassertiefe von durchgängig vier Metern.

Damit würde das bisherige Sicherheitstor nicht mehr dicht schließen, erklärt Jaswetz. Es wird, ebenso wie die Becklemer Brücke und zwei weitere Brücken abgerissen. Während die Brücke Becklem neugebaut wird, entsteht ein neues Sicherheitstor in Datteln im Bereich Löringhof.

Neubau in Datteln beginnt 2023

„Das ist eine günstige Stelle und es passt dort gut in den Kanalquerschnitt“, erklärt Johannes Paß im Gespräch mit dieser Redaktion. Er ist Sachbereichsleiter Streckenausbau beim Wasserstraßen-Neubauamt in Datteln. Das neue Sicherheitstor entsteht im Los 1 des Ausbaus des Dortmund-Ems-Kanals – in Verlängerung des Rhein-Herne-Kanals.

Johannes Paß erklärt, dass ein Sicherheitstor nicht nur aus dem beiden Türmen am Kanalufer und den Stahlplatten besteht. Werden die Stahlplatten im Bedarfsfall heruntergefahren, treffen sie auf der Sohle des Kanals auf einen Einlass. Der Kanal ist damit dicht.

Baubeginn des neuen Sicherheitstores ist 2023. Erst nach der Fertigstellung lässt die Wasser- und Schiffahrtsverwaltung das Becklemer Tor abreißen.

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Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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