Soda-Brücke: Sie ist hässlich und sinnlos – wann kommt sie endlich weg?

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Die Soda-Brücke ist vielen Menschen auf Schwerin und in Frohlinde ein Dorn im Auge: hässlich und gefährlich. Ist jemals damit zu rechnen, dass sich hier noch etwas tut? Es gibt drei Optionen.

Castrop-Rauxel, Schwerin, Frohlinde

, 12.02.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Soda-Brücke trägt diesen Namen, weil sie „einfach so da ist“: Sie ist eine Überführung der Dortmunder Straße zwischen den Castrop-Rauxeler Ortsteilen Schwerin und Frohlinde – aber es gibt keinen Straßenanschluss. Sie erfüllt also keinen Zweck.

Vor rund 40 Jahren wurde die Brücke erbaut, um die Umgehungsstraße L654n zu realisieren: Vom „Königshalt“ aus mit Anschluss an die Autobahnen A42 und A45 bei Dortmund-Bodelschwingh sollte es über den „Neuen Hellweg“ über die Felder und Teile des Golfplatzes zur Brücke gehen.

Die Straße sollte dort über die Dortmunder Straße hinweg an den „Neuen Hellweg“ bis nach Merklinde angeschlossen werden. Und von dort als „Ortsumgehung Merklinde“ westlich der B235 weitergeführt werden bis Bochum-Gerthe.

Eigentlich gibt es drei Optionen

Sollte. Drei Optionen gäbe es heute: Entweder man baut die Straße und nutzt die Soda-Brücke für ihren eigentlich gedachten Zweck. Oder sie wird abgerissen. Oder, dritte Möglichkeit: Sie bleibt einfach „so da“ stehen.

Jetzt wird es kompliziert: Die Straße sei aus dem Landesstraßenbedarfsplan gestrichen, hieß es im Februar 2016. Eigentlich. Doch fragt man heute bei Straßen.NRW nach, bekommt man eine andere Antwort. Melanie Nölke, die als Abteilungsleiterin Straßenbau in Bochum tätig ist, sagt nun: „Der Sachstand ist unverändert, die Maßnahme ruht.“ Unverändert zu was?

Hier links von der Soda-Brücke beginnt der Neue Hellweg, der in Merklinde schon wieder endet. Die Umgehung war mal als längere Straße geplant: Sie sollte von Bochum-Gerthe aus bis zum Autobahnkreuz A42/A45 führen.

Hier links von der Soda-Brücke beginnt der Neue Hellweg, der in Merklinde schon wieder endet. Die Umgehung war mal als längere Straße geplant: Sie sollte von Bochum-Gerthe aus bis zum Autobahnkreuz A42/A45 führen. © Jens Lukas

„2011 teilte das Ministerium mit, dass die Brücke erst abgerissen werden kann, wenn die Maßnahme aus dem Landesstraßenbedarfsplan raus ist“, sagt sie. „Es gilt aber noch der Plan von 2006. In Bezug auf die Einstufung gibt es keinen veränderten Sachstand“, so Nölke.

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Sie dementiert damit, was ein Sprecher der Regierung Anfang 2016, genau vor vier Jahren, sagte. „Derzeit lässt sich nicht absehen, ob und zu welchem Zeitpunkt mit einer Planung, möglicherweise auch auf einer anderen Linie, wieder begonnen wird“, hieß es im Februar 2016.

Und weiter: „In Abstimmung mit unserem Haus wurden daher im letzten Jahr Verhandlungen über die Rückübertragung beziehungsweise den Verkauf der betroffenen Grundstücke begonnen. In einem Fall ist bereits ein Vertrag geschlossen worden, bei den weiteren dauern die Verhandlungen an.“

„Operative Abwicklung erledigt Straßen.NRW“

Aber, nicht unwichtig in diesem Zusammenhang: Die operative Abwicklung erledige die Niederlassung Bochum von Straßen.NRW. Deren Straßenbau-Verantwortliche Melanie Nölke sagt heute: „Weil die Straße noch Teil der Planung ist, sind keine Haushaltsmittel vorgesehen.“ Nicht für einen Abriss, aber auch nicht für den Straßenbau.

„Es ist der eine Schritt vor dem anderen zu machen“, so Nölke. Und: „Grundvoraussetzung wäre die Anpassung des Plans. Wenn das vollzogen ist, kann man über einen Abriss wieder sprechen.“

Ein Beschluss des Stadtrates von 2011, der ohnehin erfolglos war, ist damit auch letztendlich hinfällig: Damals stimmte der Rat mit 33 zu 13 Stimmen für einen SPD-Antrag, die Stadtverwaltung möge Gespräche mit Straßen.NRW über den Rückbau führen.

Unser Fazit

Fazit: Die Brücke bleibt stehen bis zur politischen Überarbeitung des Landesstraßenbedarfsplans, sprich der Streichung der Ortsumgehung. Ob danach Geld da ist, um die Brücke abzureißen, darf getrost mit einem Fragezeichen versehen werden. Sie ist aus massivem Stahlbeton, gebaut für eine halbe Ewigkeit. Ein Abriss könnte also teuer werden.

Zur Sache

Langer politischer Streit

  • Die Brücke wurde schon vor rund 40 Jahren gebaut. Ob sie überhaupt noch tragfähig wäre, ist fraglich.
  • Um die L654n hatte sich schon in den 80er-Jahren ein intensiver Streit entwickelt. Es ging um Flächenverbrauch, die Senkung von Verkehrsaufkommen in Frohlinde und Merklinde und andere Dinge.
  • Die Brücke wurde schon errichtet, als noch kein politischer Beschluss vorlag. Man war sich sicher, dass die L654n kommt. Unter anderem wegen der Klage eines Landwirtes kam es anders.
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