Kaum ein Theaterstück ist momentan wohl aktueller als „Noah, der Prepper“

WLT Premiere

In „Noah, der Prepper“ geht es um den Familienvater Noah, der sich auf den Weltuntergang vorbereitet und im Keller alles Überlebensnotwendige gebunkert hat. Das WLT zeigt die Premiere am Sonntag.

Castrop-Rauxel

26.06.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Szene aus „Noah, der Prepper“ mit Thyra Uhde im Vordergrund und hinten von links Luisa Cichosch, Chris Carsten Rohmann, Anne Noack und Andreas Kunz.

Eine Szene aus „Noah, der Prepper“ mit Thyra Uhde im Vordergrund und hinten von links Luisa Cichosch, Chris Carsten Rohmann, Anne Noack und Andreas Kunz. © Volker Beushausen

Kaum ein Theaterstück ist momentan wohl aktueller als „Noah, der Prepper“. Der Regisseur Peter Adrian E. Krah hat sich von WLT-Sprecherin Allessia Vit zur Premiere des neuen Jugendstück interviewen lassen, das nach seinen Worten ein skurriles und doch sehr realistisches Stück über den Umgang mit der Angst ist.

Kartenvorverkauf

"Noah, der Prepper"

Die Karten gibt es ab 9 Euro unter 02305 - 978020 oder per Mail an bock@westfaelisches-landestheater.de. Die Premiere wurde von Anfang April auf Sonntag, 28. Juni um 18 Uhr verschoben.

Wovon handelt das Stück "Noah, der Prepper"?

Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es um Noah, einen Familienvater, der sich mehr und mehr zum Prepper entwickelt hat. Prepper kommt vom Englischen ' to prepare'; Menschen also, die sich auf reale oder vermeintliche Katastrophen und Weltuntergänge vorbereiten. Er sitzt also in seinem Keller und hat sich sehr gut organisiert und macht permanent irgendwelche Übungen zu irgendwelchen Katastrophen. Seine Frau weiß davon, ist manchmal genötigt mitzumachen, steht dem Ganzen aber sehr kritisch gegenüber.

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Außerdem gibt es noch zwei Kinder, die bei „Fridays for future“ unterwegs sind, der Sohn eher intellektuell, die Tochter eher kämpferisch, sowie eine Nachbarin, die als Selbstversorgerin lebt und auch noch involviert wird. Und diese verschiedenen Charaktere prallen halt irgendwann auf einander, in diesem Haus, in dem geheimen Keller.

Wie fühlt es sich an, wenn man beim Proben von der aktuellen Lage überholt wird? Wenn es in der Realität noch viel schlimmer ist?

Es ist schon spooky, wirklich spooky. Das Stück erscheint einem eigentlich so absurd. Und plötzlich wird die Absurdität so real. Ich meine, dass die Leute überall das Klopapier leer kaufen, ist absurd. Aber diese Absurdität kommt in der Realität an. Das macht es hochaktuell. Also könnten wir es aktuell hoch und runter spielen. Eigentlich müsste man das Stück genau jetzt spielen.

Das Stück richtet sich sowohl an Jugendliche als auch an ihre Eltern. Wie wollt ihr denn beide gleichermaßen begeistern?

Ich glaube, dieses Stück kann mit folgendem Mechanismus funktionieren: nämlich, dass man es wirklich komplett als Komödie begreift und auch so inszeniert. Das heißt, dass man nicht Gefahr läuft – und die Gefahr ist immer da, auch bei einem Komödie-Stoff - zu moralinsauer zu werden, zu ernst, zu belehrend zu werden. Irgendwelche heiligen Kühe aufzubauen, die man nicht anfassen darf. Im Prinzip müssen alle Figuren überzeichnet werden in der Inszenierung, damit sie eben nicht belehrend daherkommt und sagt: 'So, das ist die richtige und das die falsche Position'.

Ein nicht ganz alltägliches Porträt von Regisseur Adrian E. Krahl

Ein nicht ganz alltägliches Porträt von Regisseur Adrian E. Krahl © Volker Beushausen

In der Leseprobe hast du schon gesagt, dass sich das Stück zum einen sehr realistisch der Angst-Thematik widmet, aber auch sehr unterhaltsam wird. Wie gelingt dieser Mix?

Er gelingt dadurch, dass ernsthafte Fragen gestellt werden, die aber durch die einzelnen Sichtweisen der Figuren so durchdekliniert werden, das sie im Grunde genommen im Absurden enden. Zum Beispiel bei der Mutter, die eben alles leugnet. Wenn der Vater sagt „Stelle dir mal vor, wir müssen unsere Lebensmittel im Keller lagern, im Geheimen und nicht in der Garage, weil da könnten die ja geklaut werden“, und die Mutter dann sagt „Dann gehen wir einfach in den Supermarkt.“

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Genauso ist es bei Noah, der sich von möglichen realen Katastrophen wie Stromausfall, Kälteeinbruch hin zum Angriff der Zombies weiter verrennt und das alles für ihn plötzlich dieselbe Qualität hat. Und das passiert eigentlich bei jeder Figur.
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