Die Maske ist Alltagsgegenstand geworden. Aber jetzt müssen wir mehr tun, meint unser Autor Thomas Schroeter. Wir müssen in die Ausgangssperre. © Thomas Schroeter
Meinung

Keine Ausreden mehr: Her mit der Ausgangsperre, Herr Landrat Klimpel

Der Kreis Recklinghausen und die Stadt Dortmund scheuen vor der Ausgangssperre zurück. Das ist verantwortungslos, meint unser Autor. Jetzt muss alles Mögliche gegen das Virus getan werden.

Seit dem 16. Dezember gilt der harte Lockdown, mussten Läden schließen, dürfen Restaurants weiter nicht öffnen. Man schickte Schüler und Lehrer in die frühen Weihnachtsferien. Ziel: Die Möglichkeiten, sich anzustecken, minimieren, damit sich weniger Menschen infizieren und die Kliniken entlasten werden.

Eine Woche später stehen wir im Kreis Recklinghausen an der gleichen Stelle. Die Corona-Zahlen sinken nicht etwa, schon gar nicht zügig. Sie steigen sogar wieder weiter an. Am Dienstag hatte der Kreis Recklinghausen eine Inzidenz von 256,9 vorzuweisen, ist damit Schlusslicht im Regierungsbezirk Münster, liegt sogar im Bundesland NRW unter 53 Kommunen und Kreisen auf dem sechsletzten Platz.

Die Menschen sterben immer weiter

Kreisweit wurden am Dienstag zwölf weitere Todesfälle gemeldet. Während in Datteln, Dorsten und Recklinghausen jeweils ein Mensch starb, wurden in Herten, Oer-Erkenschwick und Waltrop zwei zusätzliche Todesfälle registriert. In Marl hat der Virus sogar drei weitere Opfer gefordert. Insgesamt sind im Kreis mittlerweile 212 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Viele davon in den letzten Tagen.

Dortmund liegt bei einer Inzidenz von 205,4, Bochum hat am Dienstag 219,6 gemeldet, Herne 257,0. Aber der Kreis Recklinghausen, die Stadt Dortmund und der Kommunalrat des Regionalverbands Ruhr stecken weiter den Kopf in den Sand, machen auf Weihnachtsfrieden.

Ist eine Ausgangssperre Freiheitsentzug?

„Es macht keinen Sinn, dass wir als Kreis Recklinghausen Maßnahmen erlassen, an die sich in den Nachbarstädten nicht gehalten werden muss. Besonders im Ballungsraum Ruhrgebiet führt das zu einer Verlagerung des Problems, nicht zu einer Lösung“, sagte Landrat Bodo Klimpel zum Start des harten Lockdowns.

Seitdem sterben hier weiter Menschen am oder mit dem Virus. Eine Ausgangssperre aber, die als mögliche Maßnahme vom Land für Kommunen benannt wurde, sei „ein Freiheitsentzug und demnach eines der letzten Mittel“, so die Landräte und Bürgermeister.

Wie lange aber wollen die Damen und Herren denn zuschauen, ob der Lockdown nicht doch irgendwann irgendeine Wirkung zeigt? Bis zum 5. Januar, bis ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten die Entscheidung bei ihrer nächsten Sitzung abnehmen?

Ist die Maxime hier in der Region: Bloß nichts tun. Denn wenn man etwas tut, könnte man ja etwas Falsches tun? Ist das die Verantwortung, die ein Landrat Bodo Klimpel zu tragen hat? Ein Oberbürgermeister in Dortmund? Und ein Bürgermeister in Castrop-Rauxel?

Wir müssen jetzt ALLES gegen das Virus tun

Was spricht denn gegen eine zusätzliche Ausgangssperre? Die Menschen sitzen doch eh schon zu Hause. Natürlich wird das ein schlimmes Weihnachten. Aber wird es schlimmer mit einer Ausgangssperre? Sollte man jetzt nicht einfach ALLES unternehmen, um das Virus einmal zu stoppen, bis die Impfungen ihre Wirkungen entfalten können, die noch gar nicht begonnen haben?

Wir brauchen Zeit im Kampf gegen das Virus. Zeit, die wir jetzt gerade alle haben, weil wir sowieso nichts anderes tun können als zu Hause zu hocken, Filme zu gucken, Bücher zu lesen, zu spielen, zu viel zu essen. Aber dann lasst uns das doch jetzt auch mit aller Konsequenz tun, um im neuen Jahr hoffentlich aus dem Schlamassel heraus zu kommen.

Nichts tun ist im Augenblick erste Bürgerpflicht. Aber nicht erste Politikerpflicht. Lasst doch die Unbelehrbaren motzen, dass jetzt auch noch die Ausgangssperre kommt. Die motzen sowieso. Aber alle Menschen, die bei klarem Verstand sind, verstehen, dass man das Virus nur mit Konsequenz bekämpfen kann. Also her mit der Konsequenz, her mit der Ausgangssperre. Auch wenn es furchtbar weh tut.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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