Kindesmissbrauch: 35-jähriger Castrop-Rauxeler muss lange in Haft

mlzUrteil

Im Missbrauchsprozess gegen einen 35-jährigen Mann aus Ickern bekommen die Kinder kurz vor dem Urteil Geld. Doch auch diese Geste bewahrt den Angeklagten nicht vor dem Gefängnis.

Castrop-Rauxel

, 10.06.2020, 14:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

In mindestens vier Fällen soll ein 35-jähriger Mann aus Castrop-Rauxel die beiden Kinder seiner früheren Lebensgefährtin sexuell missbraucht haben – zunächst in einer kleinen Wohnung in Herne, später in dem gemeinsam bewohnten Haus in Ickern.

Volles Geständnis

Schon am ersten Verhandlungstag hatte der Mann alle Vorwürfe eingeräumt und erklärt, er wolle mit diesem Geständnis den Kindern eine Aussage vor Gericht ersparen. Am Mittwoch legte er nun noch einmal nach, bat ein weiteres Mal um Verzeihung und ließ seinen Verteidiger Dieter Axmann dann einen Briefumschlag an den Anwalt der beiden Kinder übergeben. Darin steckten 4000 Euro in bar - jeweils die Hälfte für das Mädchen und den Jungen.

Uneinigkeit bei der Strafhöhe

„Das soll natürlich nur eine Anzahlung auf das tatsächlich zu leistende Schmerzensgeld sein“, erklärte Axmann. Sein Gegenüber hält eine Summe von 15.000 Euro pro Kind für angemessen. Ob der Angeklagte allerdings jemals in der Lage sein wird, so viel Geld aufzubringen, ist mehr als fraglich.

Fest steht dagegen seit Mittwoch, welche Strafe er für seine sexuellen Übergriffe erhält. Und in dieser Frage waren sich die Prozessbeteiligten überhaupt nicht einig. Den Auftakt mit den Plädoyers machte die Staatsanwältin, die in ihren Ausführungen überdeutlich machte, dass sie es zwar anerkenne, dass der Angeklagte ein Geständnis abgelegt habe.

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Eine besondere Abmilderung der Strafe dürfe damit aber nicht verbunden sein, sagte sie. „Dafür waren die Übergriffe einfach zu massiv und dafür sind die Kinder auch zu stark traumatisiert.“ Ihr Antrag: fünfeinhalb Jahre Haft.

Verteidiger regt Bewährung an

Verteidiger Axmann versuchte in seinem Schlussvortrag dennoch alles. Lange und ausführlich stellte er heraus, was sein Mandant nach dem Auffliegen des Missbrauchsskandals alles Positives getan habe. „Er hat sich entschuldigt, er hat Schmerzensgeld angeboten und letztendlich auch gezahlt“, so der Verteidiger.

Axmann sprach es zwar nicht offen aus, doch das Ziel seiner Verteidigungsrede war nicht zu überhören. Nur zu gerne hätte er gesehen, dass es die Richter noch einmal bei einer Haftstrafe von maximal zwei Jahren belassen könnten. Diese hätte dann nämlich noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden können.

Revision ist möglich

Am Ende haben der Verteidiger und der Angeklagte ihr Ziel nicht erreicht. Angesichts der Schwere der Übergriffe, die weit über verbotene Berührungen im Intimbereich hinausgingen, verhängten die Richter fünf Jahre Haft. Der Angeklagte hat nun eine Woche Zeit, um sich zu überlegen, ob er gegen diese Entscheidung Revision beim Bundesgerichtshof einlegen wird.

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