Der Rastplatz „Holthauser Bruch“ an der A42. Hier hat der eigene Vater seinen Sohn Männern „angeboten“. © Ruhr Nachrichten
Prozess

Kindesmissbrauch auf Parkplatz: Angeklagter gibt Opfer eine Mitschuld

Auf dem Castrop-Rauxeler Autobahn-Parkplatz „Holthauser Bruch“ soll ein 46-jähriger Lüner im März 2019 ein Kind missbraucht haben. Zu Prozessbeginn verblüfft er mit seiner Aussage.

Staatsanwältin Esther Schulte-Göbel ist am Donnerstag vor dem Landgericht Dortmund davon überzeugt, dass ein 46-jähriger Lüner im Jahr 2019 ein Kind im Beisein von dessen Vater missbraucht hat.

An jenem 27. März 2019 hätten sich die beiden Männer zusammen mit dem damals elf Jahre alten Jungen in das Toilettenhaus des Parkplatzes begeben. Dort sei es dann zu sexuellen Handlungen gekommen, heißt es in der Anklageschrift.

Verteidiger verliest Aussage

Der Angeklagte erzählt jedoch eine etwas andere Geschichte. Über seinen Verteidiger Jens-Gunnar Cordes ließ er vortragen, dass er an diesem Abend ganz bewusst den Parkplatz an der Autobahn 42 in Fahrtrichtung Dortmund angesteuert habe. Der Lüner habe seit einiger Zeit homosexuelle Neigungen verspürt und gewusst, dass sich dort häufig gleichgesinnte Männer treffen.

Der Angeklagte ließ seinen Verteidiger Jens-Gunnar Cordesam Donnerstag vor dem Landgericht Dortmund eine Erklärung verlesen.
Der Angeklagte ließ seinen Verteidiger Jens-Gunnar Cordes eine Erklärung verlesen. © Martin von Braunschweig © Martin von Braunschweig

Auf dem Parkplatz will der 46-Jährige zunächst eine Zigarette geraucht und dann die Lage gecheckt haben. Schließlich habe er mit dem Vater des Jungen Blickkontakt aufgenommen, hieß es in der Erklärung des Angeklagten.

Die beiden Männer seien dann zusammen mit dem Jungen in dem Toilettenhaus verschwunden. „Der kennt das“, soll der Vater dem Lüner zugerufen haben. „Mein Mandant hat dennoch deutlich gemacht, dass er an Kindern kein Interesse hat“, sagte Verteidiger Cordes.

„Der kennt das“

In einer Toilettenkabine soll es dann zu gegenseitigen sexuellen Handlungen unter den Erwachsenen gekommen sein. Als der Vater des Kindes ihm am Ende einen Kuss gegeben habe, habe er plötzlich etwas zwischen seinen Beinen gespürt. Der Junge habe sich eigenmächtig und trotz Ablehnung an den Handlungen beteiligt. „Mein Mandant war richtig erschrocken und hat dann die Toilette verlassen“, sagte der Verteidiger.

Junge wird wohl als Zeuge gehört

Der Vorsitzende Richter Ulf Pennig reagierte auf die Erklärung des Angeklagten kühl. Diese Aussage habe den Prozess jedenfalls nicht abgekürzt, sagte er. Die Kammer wird nun wohl nicht daran vorbeikommen, den Jungen als Zeugen zu vernehmen, um von ihm zu hören, was sich wirklich auf dem Parkplatz abgespielt hat.

Der Vater des Jungen ist bereits in einem früheren Verfahren von einer anderen Strafkammer des Dortmunder Landgerichts zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Bei den Untersuchungen des Elfjährigen hatte sich nämlich herausgestellt, dass dieser Kokain im Blut hatte, als er mit den beiden Männern in dem Toilettenhaus verschwand.

Kokain im Blut

Für den Prozess gegen den 46-jährigen Mann aus Lünen haben die Richter der Jugendschutzkammer bereits zahlreiche Verhandlungstage reserviert. Ein Urteil wird nach derzeitigem Stand der Dinge frühestens im Februar 2021 gesprochen werden können.

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