Kino-Geschichten: Jeder kannte Engelbert Kratochvil

Wir suchen Ihre Erinnerungen

Die Castrop-Rauxeler Kinogeschichte bewegt unsere Leser. Uns erreichen immer mehr Anekdoten und Erinnerungen zum Thema. Diesmal geht es um eine Legende: den berühmten Onkel Engelbert Kratochvil. Sein Sohn Michael erinnert sich an den Besitzer der Kurbel. Schicken auch Sie uns Ihre Geschichte!

CASTROP-RAUXEL

04.01.2016, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
War unter den vielen Kino-Liebhabern in Castrop-Rauxel eine Legende: Der berühmte Onkel Engelbert Kratochvil bei der Arbeit.

War unter den vielen Kino-Liebhabern in Castrop-Rauxel eine Legende: Der berühmte Onkel Engelbert Kratochvil bei der Arbeit.

So erinnert sich Michael Kratochvil:

Unvergessen bleiben die unzähligen Momente von großen Kinderaugen, die von meinem Vater, der Onkel Engelbert genannt wurde, zum Geburtstag eine Popcorntüte oder sonst was zum Naschen bekommen haben.

Nach einem Besitzerwechsel 1980 hatte die Unruhe meinen Vater wieder gepackt. Er pflegte zu sagen: "Der Geruch von Zelluloid und heißem Öl der Projektoren lässt einen nicht los." Das kann ich nachempfinden, stand ich doch an Wochenenden und Urlaubsvertretungen von 1983 bis 2008 selbst hinter den Kinomaschinen der Kurbel.

Besucher waren nicht nur eine Nummer

Die Kurbel war nie besonders modern, Renovierungen gab es immer nur, wenn es gar nicht mehr anders ging. Aber diese alte Dame hatte etwas Besonderes, sie hatte Stil, da war Kino was Besonderes. In diesen Zeiten hat mein Vater penibel darauf geachtet , dass kein Besucher wie eine Nummer behandelt wurde. Für ihn war Kino immer was ganz Großes. Er hat versucht, mit den geringen Möglichkeiten gegen die große Konkurrenz der Multiplex Theater anzukämpfen und ich glaube, das ist auch halbwegs gelungen.

Die Kinder unserer Stadt waren sein treuestes Publikum. Viele Generationen sind an der Kasse und an dem Süßwarenstand vorbeigekommen. Wo bekam man zur Begrüßung und zum Abschied nach der Vorstellung schon die Hand des Theaterleiters gereicht?

Hoffentlich kommt die Leinwand nicht runter

Das größte Erlebnis für mich war eine Vorstellung des Tierschutzbundes mit dem Film "Daffy und der Wal" in einer Sondervorstellung am Nachmittag in den Sommerferien Mitte der 80er-Jahre. Es war sommerlich warm und die Kurbel hatte keine Klimaanlage. Dementsprechend hitzig waren die Raumtemperaturen. Es befanden sich über 800 Kinder im Theater. Sie wurden nach Ende der Vorstellung mit Hilfe der Polizei aus allen Ausgängen geleitet. Zu dieser Zeit befanden sich im Theater noch rund 600 Stühle. Da hatte das Wort Rasierloge noch eine Bedeutung.

Nach Ende der Vorstellung konnte man an den Seitenbespannungen und am damaligen Vorhang abtropfendes Schwitzwasser beobachten. Das hat aber dem Erlebnis Kino für die Besucherschar keinen Abbruch getan. Das war das erste Mal, dass ich meinen Vater habe sorgenvoll auf die Leinwand schauen sehen, mit dem Satz: "Hoffentlich kommt der alte Lappen jetzt nicht runter." Die alte Leinwand hat gehalten, bis sie gegen die heute noch montierte Großbildleinwand ohne Vorhang ersetzt wurde. Das sind Geschichten, die der Besucher nicht mitbekommen hat.

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Machen Sie mit!

An der Kurbel hängen also viele Erinnerungen. Die Älteren erinnern sich vielleicht auch noch an das City-Theater in Ickern, das "Capitol" beziehungsweise "Casino" oder das Roxy-Theater in Habinghorst. Schreiben Sie uns Ihre Geschichte auf - was haben sie in der Zeit erlebt, als Castrop-Rauxel noch ein Kino hatte? Schreiben Sie uns Ihre Erinnerungen auf! Schicken Sie Ihre Anekdote an lokalredaktion.castrop@mdhl.de.

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