Zwischen Stress und reibungslosem Ablauf: Kita-Neustart nach Corona-Krise

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Seit dem 8. Juni sind die Kitas in Castrop-Rauxel für alle Kinder offen. Die Regelungen sind aufgrund der Corona-Infektionsgefahr andere als üblich. Der Starttag lief mit gemischten Gefühlen.

von Nora Varga, Tobias Weckenbrock

Castrop-Rauxel

, 09.06.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für viele der rund 2000 Kita-Kinder in Castrop-Rauxel war der Montag ein besonderer Tag: Seit dem 18. März, also 82 Tage lang, konnten die meisten von ihnen nicht in den Kindergarten gehen. Die Ausbreitung des Coronavirus sollte eingegrenzt werden. Da das gelungen ist, sind seit dem 8. Juni alle Kitas wieder geöffnet.

Am Morgen in Frohlinde hört man vor dem Schutzengel-Kindergarten schon das altbekannte Stimmengewirr. Einige Fenster der Dino-Gruppe zum Spielplatz hin sind geöffnet, genauso wie die Tür daneben, von der die Kinder eigentlich nur zum Spielen auf den Spielplatz gehen. Hier ist heute auch Ein- und Ausgang.

Denn was ab diesem Montag unter anderem neu ist: Jeder der drei Gruppen dieser Kita und aller anderen Kindertageseinrichtungen in Castrop-Rauxel hat einen eigenen Zugang. Am Haupteingang kommen nur die Kinder der Bärengruppe herein. Auf einem Stehtisch steht Desinfektionsmittel. Leiterin Agathe Swoboda kommt den Kindern und ihren schon mit Mund-Nase-Schutzmaske entgegen.

Formular entgegen genommen

Sie begrüßt hier alle Bären-Kinder, nimmt ein unterschriebenes Formular entgegen, auf dem die Eltern selbst bescheinigen, dass sie und die Kinder gesund sind und von ihnen somit keine Ansteckungsgefahr ausgeht. Die Eltern, das ist das Signal, sollen draußen bleiben. Bei manch einem Kind klappt das gut, es hat sich auf die Rückkehr in die Kita gefreut. Aber es fließen auch ein paar Tränchen, wie man sie sonst eigentlich nur von der Eingewöhnungsphase in einem neuen Kindergartenjahr so richtig kennt.

Der Betrieb läuft reibungslos, doch die Auflagen werden eingehalten: Die drei Gruppen und ihre Mitglieder sowie die Eltern der Kinder sollen sich nicht vermischen und gegenseitig begegnen. In den Gruppen selbst müssen dafür die Abstände nicht eingehalten werden. Sollte eine Infektion ausbrechen, wäre so gewährleistet, dass sich maximal eine Gruppe ansteckt, nicht gleich die ganze Einrichtung mitsamt der Erzieherinnen.

Doch für die Eltern bedeuten die neuen Regeln auch Veränderungen. Um 13.45 Uhr herrscht organisierte Betriebsamkeit vor dem katholischem Kindergarten St. Rochus in Castrop. Autos fahren vor, die Eltern tragen Masken, man hält auch beim kleinen Plausch Abstand.

Vor dem Eingang wartet Johanna B. auf ihre fünfjährige Tochter, die nach den Sommerferien eingeschult werden soll. In ihren Augen ist die Kita-Öffnung gerechtfertigt. „Wenn auch Spielplätze geöffnet sind“, sei es schließlich vollkommen in Ordnung, wenn auch die Kindergärten wieder öffnen dürfen, findet die Mama.

Vorsichtsmaßnahmen in den Gruppen

In den Gruppen werde ja auch Abstand gehalten, die Kinder würden sich oft die Hände waschen. Die Organisation des Kindergartens findet sie gut. „Man gibt die Kinder morgens mit Abstand ab und kann sie dann mittags wieder abholen. Wie die Abschlussfeier der Kinder aussieht, die jetzt den Kindergarten verlassen, ist unklar, ebenso wie die Einschulung ein paar Wochen später.

Andre B. hat gleich dreimal Nachwuchs im Kindergartenalter, auch er hält die Maßnahmen nicht für verfrüht. Die Organisation des Kindergartens ist in Ordnung. Zwar sei die Situation für die Kinder etwas distanzierter, aber sie gehen trotzdem in den Kindergarten.

Um uns herum wird es betriebsamer, aber von Hektik oder unkoordiniertem Verhalten ist weder auf der Seite der Eltern noch auf der Seite der Erzieher oder Kinder etwas zu spüren. Kinder verlassen die Kita und schenken ihren Eltern ihre heutigen Kunstwerke. Wenn nicht alle Masken trügen, könnte man meinen, es wäre ein ganz normaler Kitatag.

Einen andere Mutter sieht die Öffnungen kritisch: Auf der einen Seite werde viel gelockert, auf der anderen Seite habe sie trotzdem manchmal ein mulmiges Gefühl. Man höre zwar von einigen Kindergärten, in denen die Organisation nicht optimal laufe, aber im St. Rochus findet sie das Management sehr gut.

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Ihre fünfjährige Tochter freue sich zwar, wieder in den Kindergarten gehen zu dürfen, aber die Kinder seien auch ein wenig ängstlich, vor allem die Älteren, die die ganze Situation schon begreifen und verfolgen.

Berufstätige haben ein Problem

Anche G. holt gerade ihren Sohn ab und auch sie findet es richtig, dass die Kinder wieder in die Kita gehen dürfen. „Wenn solche Demos genehmigt werden und alles gelockert wird ist das richtig so.“ Sie gibt allerdings zu bedenken, dass die verkürzte Betreuungszeit bis Mittags vor allem für berufstätige Eltern ein echtes Problem ist. „Da war die Notbetreuung schon besser“.

Zum Abschluss gibt es dann noch ein Statement von jemandem, der wissen muss, wie es läuft. Der dreijährige Jannik bringt seinen Tag und damit auch die gesamte Situation vor dem Kindergarten St. Rochus auf den Punkt: „Gut“, sagt er.

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