Ein Kleingärtner hielt sich nicht an eine Vorschrift und sitzt jetzt vor Gericht. © dps (Symbolbild)
Heckenschnitt

Kleingärtner missachtet Vorschriften – und landet vor Gericht

Der Kleingärtner wollte nur die Spitzen der Hecke stutzen, brach damit aber einen heftigen Streit vom Zaun. Die Folgen: Kündigung des Pachtvertrages und ein Termin vor Gericht.

Es war eine Hecke, an der sich der Streit entzündete. In einer Kleingartenanlage. Typisch deutsch? Wie die strenge Vereinsordnung?

Danach dürfen die Hecken der Anlage nur zu bestimmten Zeiten gestutzt werden. Doch ein Pächter zückte außerhalb dieser Frist die Heckenschere.

„Ich habe nur die Spitzen ein wenig geschnitten, es sollte zur Geburtstagsfeier meiner Frau doch schön aussehen“, erklärte der 55-Jährige im Amtsgericht.

Am fraglichen Tag im Juni hatte der langjährige Vereinsvorsitzende einen seiner regelmäßigen Kontrollgänge gemacht. „Das darfst du nicht“, habe er gesagt und weil sich der Pächter uneinsichtig gezeigt habe, mit einer Vorladung zur Vorstandssitzung gedroht.

Lautstarke Auseinandersetzung

Nach einem verbalen Schlagabtausch mit unfeinen Titulierungen wurden die Fäuste erhoben. Wer zuerst geschlagen hat, war nicht eindeutig zu ergründen. Trotz zahlreicher Zeugen, angelockt durch die laute Auseinandersetzung, darunter die Ehefrauen der Männer.

Durch Schubsen soll der Vorsitzende zu Boden gegangen und dort mit Fußtritten traktiert worden sein. Deshalb auch die Frage nach dem Schuhwerk des Angeklagten – bei derartigen Angriffen ein gefährliches Werkzeug.

In diesem Fall, obwohl sich nicht alle Zeugen erinnerten, eher leichte Schlappen und kein derber Schuh. Blessuren hatten am Ende beide, Atteste belegen das. Diverse Hämatome und Abschürfungen beim Zeugen, eine Kieferprellung einhergehend mit einem Riss in einer Keramikkrone beim Angeklagten.

Dabei hatten die beiden Kontrahenten, die sich an diesem Tag so unerbittlich anfeindeten, noch am Vorabend einträchtig und freundschaftlich in der Vereinskneipe gearbeitet. „Wir hatten eine schöne Zeit“, bestätigte der Angeklagte.

Kündigung ausgesprochen

Das ist vorbei, die Kündigung seines Gartens sei bereits ausgesprochen, so der Vereinsvorsitzende. Mit der Angelegenheit soll sich nun der Bezirksverband befassen.

Ein Schritt, der belegt, wie verhärtet die Fronten seither sind. Wobei die Lager durchaus gespalten sind, denn die rigide Methode kommt auch bei weiteren Pächtern nicht so gut an.

„Ich bin der Vorsitzende“, betonte der Zeuge und nannte es eine „normale Ansprache“, die er gehalten habe. Eine Ankündigung hing kurz darauf im Schaukasten des Vereins. Der Inhalt: Ab dem 1. Juli sei es offiziell erlaubt, die Spitzen der Gemeinschaftshecken zu stutzen, um ein ordentliches Gesamtbild zu erhalten. Danach war der Angeklagte leider ein paar Tage zu früh dran.

Der Strafrichter bereitete dem langen Streit ein kurzes Ende. Er stellte das Verfahren ohne Auflagen ein. Was nicht bedeutet, dass es vor dem Zivilgericht doch noch weitergehen kann.

Über die Autorin
Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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