Kliniken beruhigen Castrop-Rauxler Krebs-Patienten

Nach Medikamenten-Pfusch

Ein Bottroper Apotheker hat in den vergangenen Tagen für einen Skandal gesorgt, weil er Krebsmedikamente in betrügerischer Absicht zu niedrig dosiert haben soll. Wie groß ist die Gefahr, dass auch Krebs-Patienten aus Castrop-Rauxel die gepanschten Medikamente erhalten haben? Die Kliniken möchten da beruhigen.

CASTROP-RAUXEL

, 06.12.2016, 05:13 Uhr / Lesedauer: 1 min
Castrop-Rauxels Kliniken geben Entwarnung für Krebs-Patienten. Die Chance, dass sie von gepanschten Medikamenten betroffen sind, ist sehr gering.

Castrop-Rauxels Kliniken geben Entwarnung für Krebs-Patienten. Die Chance, dass sie von gepanschten Medikamenten betroffen sind, ist sehr gering.

Bei dieser Art von Medikamenten handele es sich um die spezielle Antikörper-Therapie, die unglaublich teuer sei, so Dr. Michael Glaßmeyer, ärztlicher Direktor des Rochus-Hospitals. So könne eine einjährige Behandlung dieser Art schnell mal um die 100 000 Euro kosten. Normale Chemotherapien seien vom Medikamenten-Pansch des Bottroper Apothekers nicht betroffen.

Michael Glaßmeyer habe erst gestern eine Patientin in der gynäkologischen Onkologie mit der modernen Antikörper-Therapie behandelt. „Die Patientin hat auch besorgt nach der Herkunft der Medikamente gefragt“, so Glaßmeyer auf Nachfrage unserer Redaktion. Für seine Patientinnen kann er aber generell Entwarnung geben. Denn das Rochus-Hospital bezieht alle Medikamente aus einer Apotheke in Dortmund-Hörde.

„Verführt zum Panschen“

Das Problem sieht Glaßmeyer bei den Krankenkassen. Sie schreiben niedergelassenen Onkologen vor, von welchen Apotheken sie ihre Medikamente beziehen sollen. Krankenhäuser sind von dieser Vereinbarung ausgenommen. Sie können sich die Apotheke selbst aussuchen. Bei der Ausschreibung bekommt der günstigste Apotheker den Zuschlag.

Und genau da liege das Problem. „Das verführt natürlich dazu, mit dem Panschen anzufangen“, so Glaßmeyer. Eine Entschuldigung sei das natürlich nicht, denn der Betrug sei moralisch höchst verwerflich. Die Kosten für die Medikamente seien zwar hoch, doch die Gewinnmargen der Apotheker durch die Ausschreibungen zu gering, meint er. „Vielleicht sollte man dieses System noch mal überdenken, um diesen Betrugsmaschen vorzubeugen.“

Apothekersprecher plädiert zunächst für Unschuldsvermutung

Am Evangelischen Krankenhaus (EvK) sei der Medikamenten-Pansch kein Thema, sagt Verwaltungsdirektor Wilfried Diekmann. Dort kommen die Medikamente aus einer Zentralapotheke in Herne. Allerdings gibt es am EvK auch keine onkologische Abteilung. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Medikamente ausgegeben wurden, schätzt er darum als absolut gering ein.

Apothekersprecher Claus Ehrensberger plädiert zunächst für die Unschuldsvermutung. „Das Spiel mit der Gesundheit der Menschen, die ihm anvertraut wurden, wiegt sehr schwer“, sagte er gestern auf Anfrage. Ob auch Castrop-Rauxeler Patienten von dem Pfusch betroffen sind und wie groß die Tragweite ist, könne er nicht einschätzen.

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