Trotz neuem Gesetzentwurf: Kobra-Besitzer von Herne darf weiter Schlangen halten

Monokelkobra

Der Schlangenhalter von Herne, dem im Sommer eine gefährliche Kobra entwischte, darf weiter Giftschlangen halten. Das ist Auffassung des NRW-Innenministeriums. Es konnte keinen Verstoß feststellen.

Castrop-Rauxel

von dpa

, 13.12.2019, 09:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
Trotz neuem Gesetzentwurf: Kobra-Besitzer von Herne darf weiter Schlangen halten

EUV-Mitarbeiter Andreas Wilczek fand die Kobra in diesem alten Kellerausgang des Hauses kurz hinter der Stadtgrenze zu Herne. © Tobias Weckenbrock

Nach der Jagd auf eine Monokelkobra in Herne dürfte sich der mutmaßliche Besitzer der Schlange neue giftige Tiere zulegen, wenn er wollte. Das geht aus einem Schreiben des Innenministeriums an den Landtag hervor.

Eine Woche lang in einem Häuserblock versteckt

Fast eine Woche hatte sich die Kobra im August in Herne in einem Häuserblock versteckt. Die Wohnungen wurden evakuiert. Ein Mitarbeiter des EUV-Stadtbetriebs entdeckte das Tier in einer alten Kellertür-Grube, als er mit einem Team von EUV-Leuten aus Castrop-Rauxel mit einem Mähroboter anrückte, um eine Wiese am Gebäude abzumähen.

Beim mutmaßlichen Besitzer der Monokelkobra wurden 21 weitere Schlangen entdeckt, die mit dem entwischten Tier bei Reptilienexperten in Recklinghausen leben, so das Innenministerium in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Dadurch seien der Stadt Herne keine weiteren Kosten entstanden.

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Aus der Antwort geht auch hervor, dass der Mann noch im Juni 2019 nach Tierschutzrecht kontrolliert worden sei. Die Kontrolle sei ohne Beanstandungen gewesen.

Keine Tierschutzverstöße nachzuweisen

Auch nach der Flucht der Kobra habe man dem mutmaßlichen Halter keine Tierschutz-Verstöße nachweisen können. „Daher wurde auch kein Schlangenhalteverbot auf Grundlage tierschutzrechtlicher Rechtsvorschriften gegen den Tierhalter erlassen“, heißt es.

Trotz neuem Gesetzentwurf: Kobra-Besitzer von Herne darf weiter Schlangen halten

Reptilienexperte Roland Byner mit der eingefangenen Monokelkobra: Am 25. August war die große Herner Geschichte vorbei. © picture alliance/dpa

Für den Tierschutz-Experten der Grünen-Fraktion, Norwich Rüße, würde sich daran auch mit dem für 2020 geplanten Gifttier-Gesetz in seinem aktuellen Entwurf nichts ändern. Denn es sieht einen Bestandsschutz für Giftschlangen-Halter vor, die ihre Tiere unter bestimmten Bedingungen behalten dürfen.

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Rüße sieht da aber noch Änderungsbedarf. „Wir sind der Auffassung“, so der Grüne, „dass Gifttiere nur von Personen gehalten werden sollten, deren Sachkunde erwiesen ist. Nur so kann eine angemessene Haltung von gefährlichen Tieren gewährleistet werden.“ CDU und FDP müssten daher dringend ihren Gesetzentwurf nachbessern, findet der Tierschutz-Experte.

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