Bürgermeisterkandidat Mario Rommel: Kita-Öffnung bis 22 Uhr ermöglichen

mlzInterview

Mario Rommel möchte am 13. September Castrop-Rauxels Bürgermeister werden. Im Gespräch fordert er die Abschiebung nicht anerkannter Flüchtlinge - und sieht sich nah an einer Grünen-Position.

Castrop-Rauxel

, 28.08.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 5 min

Mario Rommel sorgt in den Sozialen Netzwerken immer wieder für Furore mit kontroversen Aussagen zur Migrationspolitik. Im Interview spricht er über seine Einstellung zu Flüchtlingen und erklärt, wie er gemeinsam mit anderen Städten Schulden abbauen möchte.

Warum möchten Sie am 13. September Bürgermeister von Castrop-Rauxel werden?

Ich möchte Veränderungen für Castrop bringen. Es gibt so viele Probleme hier in Castrop, das muss endlich angepackt werden.

Welche Probleme stehen für Sie im Vordergrund?

Die Familie muss mehr in den Vordergrund gestellt werden. FFF wird für Castrop eine andere Bedeutung bekommen. Future for Family, das ist für mich der Wahlspruch.

Und für Sie ist Familie der Kernpunkt?

Richtig, die Familie ist gerade jetzt in Corona-Zeiten die wichtigste Gemeinschaft und die muss in den Vordergrund gestellt werden.

Zur Person

Mario Rommel wurde in Eisenach geboren, lebt aber seit mehr als 20 Jahren in Castrop-Rauxel. Der 51-Jährige ist geschieden und hat zwei Kinder, die er nach eigenen Angaben nicht sehen darf. Seit 35 Jahren arbeitet er als Lokführer bei der Deutschen Bahn.

Was schwebt Ihnen konkret vor?

Die Öffnungszeiten der Kitas und der Ganztagsschulen müssen auf alle Fälle den Bedürfnissen der Eltern angepasst werden.

Sie würden dafür plädieren, mehr Personal einzustellen, damit weitere Betreuungszeiten garantiert werden können?

Die Öffnungszeiten muss man an den Bedarf anpassen. Und zwar dahingehend, dass bei der Befragung, wo die Leute ihr Kind anmelden wollen, auch die Bedürfnisse abgefragt werden – ob man sein Kind in der Kita bis 17 Uhr, 18 Uhr, 20 Uhr, vielleicht sogar 22 Uhr abgeben möchte.

Das würde Geld kosten. Woher soll das kommen?

Ich bin auf alle Fälle dafür, dass wir die Verschuldung der Stadt angehen, und zwar durch interkommunale Zusammenarbeit. Das ist auf jeden Fall eines der wichtigsten Probleme, das wir angehen müssen.

Was bedeutet das konkret?

Interkommunale Zusammenarbeit heißt: Wenn ich Bürgermeister werde, werde ich alle Bürgermeister des Kreises einladen und ein Tool erstellen, wo dann Bestellungen der Städte zusammengefasst werden und dadurch höhere Rabatte herausgeholt werden, um dadurch die Entschuldung anzugehen.

Ich weiß nicht, wie viel die Stadt Castrop-Rauxel pro Jahr für Material ausgibt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es bei weitem nicht ausreichen wird, neue Arbeitsplätze zu schaffen und zum Beispiel neue Erzieherinnen zu bezahlen. Da müsste wahrscheinlich mehr kommen.

Ja natürlich, man muss auch mal nachschauen, wo die Möglichkeiten sind in der Stadt noch einzusparen. Und zwar geht es da unter anderem um die Dienstwagen. Es muss ein Fuhrpark-Management bei der Stadt installiert werden.

Wenn man sich Ihre kommunalpolitischen Ziele anguckt, die sie bei Facebook verkündet haben, dann steht an erster Stelle „Das Problem der Horrorhäuser anpacken.“ Was schwebt Ihnen da konkret vor?

Natürlich muss man die Probleme angehen. Die Leute sind es mittlerweile leid, von den Politikern immer wieder das Gleiche zu hören. „Mir sind die Hände gebunden“ und solche Sachen. Das geht gar nicht. Denn zum Beispiel die Lange Straße in Habinghorst ist mittlerweile rechtsfreier Raum. Wenn ich lese, dass in der Langen Straße Rennen stattfinden, da hört bei mir der Spaß auf. Und da muss man mit direkter Polizei-Präsenz dort öfter erscheinen.

In dem konkreten Fall eines Rasers ist die Polizei sehr schnell vor Ort gewesen. Die haben den Raser gestoppt, die haben den Raser bestraft. Wie stellen Sie sich das vor, wenn Sie von ständiger Polizeipräsenz reden und wie wollen Sie damit Rasen verhindern?

Ja, da muss man endlich mal öfters dort Kontrollen durchführen. Ich habe es schon selbst erlebt, dass gerade die berühmt-berüchtigten weißen Transporter dort rücksichtslos fahren. Und wenn ich dort wirklich die 20 km/h fahre, werde ich von diesen Fahrzeugen bedrängt. Da muss endlich die Polizei öfters präsent sein, um da für Recht und Ordnung zu sorgen.

Auch das würde mehr Geld kosten - ebenso wie ein weiterer Punkt, den Sie bei Facebook nennen, nämlich den Umbau der Schulen und den Neubau einer Grundschule. Sie wären trotzdem dafür?

Ja, natürlich ist das richtig. Mein Enkel geht unter anderem in die Cottenburgschule. Dort sind Klassen mittlerweile von 30 und mehr Kindern in der Grundschule in der ersten Klasse, das ist eindeutig zu viel. Die Zukunft von Kindern ist eindeutig die Schule. Und wenn man das Problem nicht angeht, dann werden die Probleme immer größer.

Viele Ihrer Forderungen kann nur das Land ändern: Haben Sie irgendeine Chance, an solchen Forderungen zu schrauben, sollten Sie gewählt werden?

Natürlich, man muss endlich mal anfangen, die Klassen zu verkleinern. Es kann nicht sein, dass jetzt auch eine 5. Klasse in der Gesamtschule hier in der Bahnhofstraße, da sind 35 bis 38 Kinder in einer Klasse. Das ist eindeutig zu viel. Was soll da aus unseren Kindern werden?

Ich verstehe die Forderung. Und die Aussage, dass 35 bis 38 Kinder zu viel sind, würden wahrscheinlich auch viele teilen, dennoch noch mal die Frage: Sie können als Stadt Castrop-Rauxel keine Lehrer einstellen. Was können Sie tun?

Ich kann natürlich darauf hin wirken, dass man sich mit dem Schulministerium auseinandersetzt, dass dort Quereinsteiger eingestellt werden. Das wird ja zurzeit propagiert.

Was wäre denn als Bürgermeister Ihre allererste Amtshandlung?

Dass ich mich mit sämtlichen Bürgermeistern zusammensetze, mit dieser interkommunalen Zusammenarbeit, um endlich die Verschuldung anzugehen und um endlich wieder finanzstark zu sein.

Für wie wahrscheinlich halten Sie, dass Sie gewählt werden?

Die Möglichkeit ist natürlich da. Es hat jeder von den vier Mitbewerbern die Möglichkeit. Und da ich ja noch parteilos bin, habe ich auch diese Pfründe nicht, die zurzeit gepflegt werden von der herrschenden SPD.

Wie möchten Sie überhaupt Mehrheiten organisieren, wenn Sie Bürgermeister werden sollten?

Ich bin in allen möglichen Richtungen unterwegs. Sprich: Castrop muss endlich fahrradfreundlicher werden, da bin ich bei den Grünen dabei. Ich bin auch dafür, dass diese GeWo gegründet wird, um Miethaien endlich Paroli zu bieten. Die Bürger in Castrop-Rauxel sind mittlerweile ausgeliefert, diesen Miethaien.

Bei Facebook kommentieren Sie häufig Themen, die weit über Kommunalpolitik hinausgehen. Insbesondere fällt auf, dass Sie viele kritische Kommentare entweder geliked oder auch selbst verfasst haben zu Flüchtlingen und auch zur Flüchtlingspolitik des Landes. Was stört Sie konkret an der Flüchtlingspolitik des Landes und was stört Sie an Flüchtlingen?

Mich stört nichts an Flüchtlingen. Ich finde es nur nicht korrekt oder sowas, dass man Leute leider nicht abschiebt, wenn sie nicht anerkannt sind.

Wenn man im Moment bei Facebook nachsieht, sieht man das Fake-News-Bild eines Flüchtlings, das Sie geteilt haben ...

Ich kann nur sagen, dass man auch hetzt geben mich, unter anderem [der Castrop-Rauxeler SPD-Politiker, d.Red.] Daniel Djan, der in einer ganz üblen Art und Weise in einer Gruppe, ich will sie hier mal nennen „Du bist Castroper, wenn...“, mich menschenverachtend betitelt hat. Sowas finde ich unmöglich. So etwas will gewählt werden, als SPDler? Ich kann da nur eins sagen dazu, das ist pfui.

Diesen Post müssten wir uns gemeinsam angucken, aber gefragt habe ich nach Ihren Posts. Um es mal konkret zu machen: Was würde Ihre Wahl bedeuten für Flüchtlinge, die in Castrop-Rauxel leben?

Bei Flüchtlingen, die jetzt geduldet sind, muss man schauen, ob man die nicht in die Länder zurückführt, aus denen sie hergekommen sind.

Machen wir es konkret: Wären Sie als Bürgermeister bereit, Kinder aufzunehmen aus den griechischen Flüchtlingslagern, die aktuell auf Lesbos sitzen?

Wenn diese Kinder wirklich so sind, wie sie dargestellt werden: Ja. Wenn ich sehe, was für Kinder kommen, dann sind das 17-, 18-jährige junge Männer und nicht diese Kinder, die man gerne den Leuten zeigt. Kinder mit 4, 5, 6 und 7 Jahren, die bin ich gerne bereit aufzunehmen.

Video
Bürgermeisterkandidat Mario Rommel im Video-Interview

Also junge Kinder Ja, aber Jugendliche und insbesondere junge Männer Nein. Warum?

Weil diese Männer gerne in ihren Ländern für den Aufbau ihrer Länder wieder da sein können.

In denen aber ja teilweise Krieg herrscht, weswegen sie momentan in Griechenland leben... Ein anderes Thema: Wir sind gerade schon kurz darauf zu sprechen gekommen, dass Sie für keine Partei antreten. Fühlen Sie sich denn einer Partei, die in Castrop-Rauxel auf dem Wahlzettel steht, nahe?

Nein überhaupt keiner Partei, deswegen trete ich ja als Parteiloser an, um einen ganz neuen frischen Wind nach Castrop zu bringen.

Wenn Sie nicht gewählt werden, würde das etwas in Ihrem Leben ändern?

Nein überhaupt nicht. Ich habe meinen Beruf, bin jetzt am 1.9. seit 35 Jahren bei der Bahn. Ich weiß nicht, ob das von den Mitbewerbern einer vorzuweisen hat. Das zeigt ja schon, dass ich stetig bin.

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