Wie hier in Dortmund stehen auch in Castrop-Rauxel die Schüler vor Schulbeginn und nach Schulschluss dicht gedrängt. Um die Situation zu entzerren, setzt Bürgermeister Rajko Kravanja auf unterschiedliche Anfangszeiten. © Oliver Schaper (Archiv)
Corona-Maßnahmen

Kravanja zu Coronavirus: „Strengere Maßnahmen sind dringend notwendig“

Die Castrop-Rauxeler Corona-Zahlen haben sich in den vergangenen Tagen gebessert. Bürgermeister Rajko Kravanja mahnt dennoch zu Vorsicht – und setzt im Dezember auf schärfere Maßnahmen.

Trotz einer guten Entwicklung bei den Castrop-Rauxeler Corona-Zahlen in den vergangenen Tagen warnt Bürgermeister Rajko Kravanja vor zu viel Euphorie. Der Wochen-Inzidenz-Wert von unter 100 (Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner) sei für ihn „eine Momentaufnahme“, sagte Kravanja im Video-Interview mit unserer Redaktion.

„Definitiv“ stehe für ihn die Vorsicht im Vordergrund: „Wir wissen alle, nach dem Wochenende sind die Zahlen niedriger, weil nicht alle melden.“ Außerdem sei nicht die Castrop-Rauxeler Inzidenz entscheidend, sondern die aus dem Kreis Recklinghausen. Und die habe vor weniger als einer Woche bei mehr als 200 gestanden. Es könne also durchaus sein, dass für alle Städte des Kreises noch verschärfte Anti-Corona-Maßnahmen verhängt würden, weil der Kreis als Extrem-Hotspot gelte.

Strengere Maßnahmen halte er sogar „für dringend notwendig“: „Wir müssen dauerhaft da runterkommen, und nicht nur für ein bis zwei Tage.“ Neben schärferen Maßnahmen wolle er mehr Flexibilität bei den Anfangszeiten der Schulen.

„Können nicht dauerhaft mehr Busse fahren lassen“

Das sei nötig, damit es an den Bushaltestellen und in den Bussen morgens und nach Schulschluss nicht mehr ganz so eng sei. Andere Möglichkeiten gebe es da nicht, sagte Kravanja: Man habe mit den Verkehrsunternehmen durchgerechnet, „dass wir es nicht schaffen, dauerhaft mehr Busse auf die Straßen zu bringen. Das kann mal auf einer Strecke und zu einer Uhrzeit der Fall sein, aber eben nicht dauerhaft“, sagte er.

Kravanja betonte, es sei nicht zu beweisen, dass die Situation in den Bussen für Infektionen verantwortlich sei. Aber „ich will das Menschenmögliche tun, um Kontakte zu vermeiden“.

Der Bürgermeister räumte ein, dass es für das Ordnungsamt praktisch unmöglich sei, Schüleransammlungen nach Schulschluss durch strengere Kontrollen zu verhindern: „Wir können nicht permanent an jeder Schule und zu jeder Uhrzeit stehen. Das schaffen wir personell gar nicht.“ Deshalb nutze man Schwerpunktkontrollen, die auch die Altstadt beträfen.

Kravanja: „Richtig, Feuerwerk nicht generell zu verbieten“

Kravanja sagte aber auch, das Problem einzudämmen, habe „etwas mit Eigenverantwortung von jedem Einzelnen zu tun“. Außerdem wäre auch dafür die Entzerrung der Schlusszeiten eine Lösung: „Wenn man die Zahl derer reduziert, die gleichzeitig aus der Schule kommt, ist auch das nachfolgende Problem gemindert, weil nicht alle gleichzeitig durch die Stadt laufen.“

In dem gut zehnminütigen Video-Interview, das wir um 12.30 Uhr aufzeichneten, äußerte sich der Bürgermeister auch zur Situation an Silvester. Die vom Land angekündigte, aber erst nach dem Interview gegen 13.30 Uhr offiziell verkündete Regelung, Feuerwerk nicht generell zu verbieten, halte er für richtig, erklärte Kravanja.

In der aktualisierten Corona-Schutzverordnung des Landes heißt es, es dürften keine Feuerwerke öffentlich veranstaltet werden. Außerdem dürfe die Stadtverwaltung „darüber hinaus die Verwendung von Pyrotechnik auf näher zu bestimmenden Plätzen und Straßen“ untersagen, „für die ohne solche Untersagung größere Gruppenbildungen zu erwarten sind“.

Kravanja sagte: „In Castrop-Rauxel haben wir nicht die großen Flächen, auf denen wir große Feuerwerke mit großer Menschenansammlung haben. Aus Castrop-Rauxeler Perspektive sehe ich keine Notwendigkeit, es grundsätzlich zu verbieten.“

Grundsätzlich könne man über die Notwendigkeit eines Silvester-Feuerwerks reden. „Aber das ist jetzt ist nicht die Frage, jetzt geht es um Menschenansammlungen.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Fühlt sich in Castrop-Rauxel und im Dortmunder Westen gleichermaßen zu Hause. Mag Politik, mag Kultur, mag Sport, respektiert die Wirtschaft und schreibt zur Not über alles, was anfällt.
Zur Autorenseite
Matthias Langrock

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt