Kurzarbeit bei Rütgers: „Das ist in dieser Weise absolut erträglich“

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Rütgers Germany in Rauxel und Duisburg schickt 400 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Was sagt die IGBCE dazu? Wir sprachen kurz nach der Betriebsversammlung mit Gewerkschaftssekretär Jörg Esser.

Castrop-Rauxel

, 17.06.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jörg Esser ist Gewerkschaftssekretär der IGBCE NRW und Aufsichtsrats-Mitglied bei Rütgers Germany. Er war Teil der Kurzarbeit-Verhandlungen und der Betriebsversammlung am Mittwoch, auf der das Chemie-Unternehmen bekannt gab, dass es 400 seiner 650 Mitarbeiter in den Werken Castrop-Rauxel und Duisburg in Kurzarbeit schickt.

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Herr Esser, wie empfinden Sie die Situation bei Rütgers Germany nach dieser Verkündigung?

Covid-19 hat keiner vorgesehen. Wer die Situation morgen einschätzen kann, kann auch aus Glaskugeln lesen. Aufgrund der Pandemie befindet sich das Unternehmen in einer wirtschaftlich schweren Situation. Die Verhandlungs-Parteien haben versucht, die Belastungen abzufedern und auf alle Schultern gleichmäßig zu verteilen, sodass die Einschnitte für die Betroffenen er- und verträglich sind.

Jörg Esser, Gewerkschaftssekretär der IGBCE und Aufsichtsrats-Mitglied bei Rütgers Germany: "Die Verhandlungs-Partner haben versucht, die Belastungen abzufedern und auf alle Schultern gleichmäßig zu verteilen, sodass die Einschnitte für die Betroffenen er- und verträglich sind."

Jörg Esser, Gewerkschaftssekretär der IGBCE und Aufsichtsrats-Mitglied bei Rütgers Germany: "Die Verhandlungs-Partner haben versucht, die Belastungen abzufedern und auf alle Schultern gleichmäßig zu verteilen, sodass die Einschnitte für die Betroffenen er- und verträglich sind." © IGBCE

Wie ist denn Ihre Einschätzung zur Stimmung in der Belegschaft nach dieser Digital-Betriebsversammlung, an der rund 80 Prozent der Mitarbeiter teilgenommen haben sollen?

Die Mitarbeiter kommen aus der Vergangenheit aus verschiedenen Restrukturierungsmaßnahmen im Unternehmen. Sie haben bereits eigene Beiträge zur Stabilität des Unternehmens geleistet. Nun kommt mit Covid-19 wieder ein Entgeltverlust auf sie zu. Das finden sie alle nicht spannend, viele können das auch nicht nachvollziehen. Aber die Realität durch die Betriebsversammlung virtuell hat das so nicht widergespiegelt.
Wie viele Kurzarbeiter, wie viele Entlassungen, wie viele Betriebs-Insolvenzen es inzwischen um uns herum gab... Diese Kurzarbeits-Regelung ist eine der mildesten Maßnahmen, um allen Beschäftigten ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Das ist in dieser Weise absolut erträglich. Man hofft sogar, dass man die Kurzarbeit schneller beenden kann als erst in sechs Monaten. Aber dafür müsste man Glaskugelgucken können.

Schwer darstellbar ist so eine Maßnahme doch gerade aufgrund der Rekordbilanzen und der Rekord-Investitionen in letzter Zeit…

Man muss dabei immer auf die Unternehmensgruppe Rain Carbon blicken. Wenn man das auf Rütgers Germany bezieht, dann schaut man in der Tat auf gute Arbeit und gute Ergebnisse. Aber ohne Rain hätte es auch die Investitionen in die HHCR-Anlage nicht gegeben, das muss man auch bedenken. Darum ist das nun ein Beitrag der Arbeitnehmer zu den Investitionen aus der Vergangenheit. Das ist ein Stück Vorleistung für ein zukunftsfähiges Unternehmen.

Muss man anhand der effizienten neuen Anlagen und der Entwicklung befürchten, dass durch die Kurzarbeit nun eine generelle Arbeitszeit-Reduzierung durch die Hintertür kommen könnte, die über 2020 hinaus geht?

Quatsch! Die Betriebsvereinbarung läuft ja Ende 2020 aus, das ist ja nicht von Dauer. Es sei denn, dass Covid-19 noch zwei Jahre anhält, aber daran glaube ich nicht. Wir stehen in der schwersten Krise, die die Bundesrepublik Deutschland je erlebt hat. Da ist in der heutigen Zeit viel wert, dass wir mit diesen geringen Einbußen bei Rütgers leben müssen.

Das geht im Übrigen nur mit Betriebsräten, die gut gearbeitet haben. Sie haben einen guten Job gemacht. Auch die Versammlung am Mittwoch war gut vorbereitet. Dieser Schritt und die Hintergründe wurden sauber dargestellt. Und wir haben auch wesentlich mitgewirkt, dass alle Mitarbeiter in Duisburg und Castrop-Rauxel bis 2024 eine Beschäftigungsgarantie haben. Das war Teil unseres Fünf-Jahres-Abkommens, das 2019 in Kraft getreten ist. Das wird auch durch Covid-19 nicht außer Kraft gesetzt.

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