'La Hölscher' begeisterte bei Matinee

CASTROP-RAUXEL Mit einer Matinee im Flügelzimmer hielt wieder Kulturleben Einzug in Haus Bladenhorst. Familie Schütze betreibt das Traditionsrestaurant seit 2006 und nutzte die Räume, die zuletzt nur geschlossenen Gesellschaften dienten, erstmals für ein öffentliches Konzert.

von von Martin Schreckenschläger

, 16.11.2009, 14:05 Uhr / Lesedauer: 1 min

Tenor Bernd Frommeyer brachte dazu neben seinem Lehrer Prof. Klaus Michael Leifeld am Klavier auch Sopranistin Angela Hölscher mit. Lieder, Arien und Duette aus Oper und Operette standen auf dem Programm.

Ersten Kontakt zum Publikum suchten die Sänger im Kunstlied. Mit Schuberts munterer 'Forelle' hatte die Sopranistin es bereits für sich eingenommen, leitete zur Operette über. Strahlende Präsenz, Blickkontakt mit jedem einzelnen Besucher und der schelmische Umgang mit den reiferen Herren ließen der 'Christel von der Post' aus Zellers 'Vogelhändler' die Herzen zufliegen. Das Duett 'Lippen schweigen' aus Lehárs 'Lustiger Witwe', vor dem Flügel getanzt, gefiel dem Publikum so sehr, dass es später als Zugabe regelrecht eingefordert wurde.

Ein Streifzug durch die Welt der Oper schloss sich an. Während die Solistin aus Wetter bei fantastischer Präsenz, in jeder Lage und allen Bereichen der Dynamik überragender Stimme, mit Puccini begeisterte, hielt sich Frommeyer an Verdis schaffen. Zwei Duette aus 'La Traviata' boten beiden die Gelegenheit, sich mit tiefen Blicken, spritzigem Trinklied, auch darstellerisch zu präsentieren. Leifeld, der immer wieder mit kräftigem Vorspiel die Gespräche im Raum zurückdrängte, untermalte einfühlsam, war den Sängern unermüdliche Stütze.

Ganz Charmeur, nicht nur mit Lehárs 'Gern hab ich die Frau'n geküsst', suchte Frommeyer mit gewinnen-dem Augenaufschlag als Schwarm der Frauen sein Glück. Mit kräftigen Partien brachte er den Raum zum vibrieren, doch bei den leisen Tönen, der dynamischen Modulation, war es nicht recht sein Tag. Mit Flotows 'Martha', der von Hölscher grandios dargebotenen 'Letzten Rose' gab es einen weiteren Schwer-punkt. Zickigem Protest der Kollegin zum Trotz, behielt sich Frommeyer mit Belcanto die erste Zugabe vor: 'O sole mio'. Nörgeleien aus der Schmollecke, dann stahl ihm 'La Hölscher', überraschend zur dritten Strophe hervorpreschend, doch die Schau. Eine Solistin mit mit dem Zeug zur großen Karriere.

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